Irgendwie daneben: Faux-Pas der Menswear

Bei der Haute Couture, die derzeit in Italien als Alta Moda weiterläuft, wird die Frau als Königin gefeiert. Sie ist der Star, der alle überstrahlt. Doch bei den direkt davor abgelaufenen Männerschauen, bei denen immer auch gerne die Prefall-Kollektionen der Frauen reingemischt werden, gab es zwei Ausrutscher. Frauen wurden hier in einem anderen Licht gezeigt: einmal mit unterlaufenem Auge und einmal zum Erotik-Kunst-Objekt reduziert.

 

Faux-Pas bei den Menswear-Schauen

Bei Antonio Marras, einem erklärten Romantiker und Frauenversteher, ging ein Model mit einem blauen Auge, naja, eher mit einem, schon ein paar Tage alten, braun-schwarz-gefärbten Veilchen, über den Laufsteg.

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Antonio Marras Prefall-Kollektion / Menswear für Winter 2016-17

Was das nun sollte? Dafür habe ich keine Antwort, außer, dass dem Make-Up-Verantwortlichen die Kreativität ausging oder er sich einen Scherz erlaubte. Hahaha. Wie lustig! Schick ist aber etwas anderes.

Überhaupt erinnert mich dieser Gesamtlook an eine Mischung aus: Petey the Pit, der Hund aus der TV-Serie „Die kleinen Strolche“, trifft auf Catweazle, den vergesslichen Magier der britischen Kultsendung aus den Siebzigern. Für alle jüngeren Leser hier mal der Song der kleinen Strolche. Catweazle müsst Ihr schon selber googeln.

 

 

 

Kommen wir zu Christian Dada:

Das in Tokyo beheimatete Label Christian Dada zeigte Prints des japanischen Künstlers Nobuyoshi Araki auf seinen Jacken. Nun ist Araki ein weltweit geschätzter Künstler und seine Bilder von gefesselten Frauen, die meist in erotisch-pornografischen Stellungen abgelichtet sind, gelten als bedeutende Werke. Dennoch: Muss man diese Kunst, also die nackigen Popos und zusammengedrückten Busen, auf Jacken drucken?

 

Designer Masanori Morikawa, der hinter dem 2010  gegründeten Label Christian Dada steht, begründete die Wahl damit, dass er stark von der Ausstellung “Love On The Left Eye” beeinflusst war. Die Kunstschau aus dem Jahr 2014 zeigte das typische Werk Arakis mit einer Serie von Bildern, die alle von einer Seite aufgenommen wurden. Nobuyoshi Araki  hatte kurz davor das rechte Augenlicht verloren und schoss die Serie mit seinem gesunden, linken Auge.

Masanori Morikawa adaptierte diese Fotoserie an einigen Modellen seiner Winterkollektion, vor allem an Jacken, Hemden und Jeans. Er ergänzte Details wie Gürtel und Bänder, um den Bondage-Stil des Künstlers aufzugreifen. Als Hintergrund muss man wissen: Christian Dada,  bzw. Masanori Morikawa, ist stark vom Dadaismus beeinflusst. Diese Bewegung bricht mit gesellschaftlichen Regeln und sozialen Normen. OK, das ist also dann der Grund für nackte Popos und gefesselte Busen auf Jacken. Übrigens: Der Künstler Araki zeigte sich sehr erfreut über die Zusammenarbeit. Na, da sind ja alle Herren zufrieden.

Wie finden wir Frauen das? Naja, so schlimm ist es auch wieder nicht. Unschön oder überflüssig? Das trifft es wohl eher. Ich bin kein Frauenrechtler, aber ich möchte keinen Freund haben, der mit so einer Jacke rumläuft, und blaue Augen schminke ich mir nur zu Karneval. Aber dazu hat Isa ja VIEL BESSERE IDEEN (siehe Artikel Fashion Fashing) entwickelt.

Interessant ist auch, dass sich beim Penis-Skandal von Rick Owens (wir berichteten) zahlreiche Medien aufregten. Aber über diese beiden aktuellen Fälle habe ich sehr wenig bis gar nichts im Netz finden können. Wenn doch, dann nur begeisterte Zusprüche über den künstlerischen Ansatz der Marke Christian Dada.

Ich erinnere mich noch genau an die wilden Menswear-Schauen von John Galliano früher: Blutüberströmte Models, die wie geschlagen aussahen, liefen über den Catwalk. Das war damals ziemlich skandalös. Ob sich da heute noch einer darüber aufregen würde? Nicht sicher.

Photo By: Catwalkpictures
3 Kommentare zu
“Irgendwie daneben: Faux-Pas der Menswear”
    • Wie schon auf Facebook geantwortet: Liebe Zuni von Zubinski: Ich war nie Emma-Leserin und werde es nie sein. Sich als Frauenrechtler zu bezeichnen kann in meinen Augen nur jemand, der dafür sich aktiv einsetzt. Das tue ich nicht. Ich setze mich viel lieber für die Natur ein, würde mich aber auch nicht als Naturschützer bezeichnen. Ich lebe meinem Kind ein Leben vor, das sich nach ordentlichen, gesellschaftlichen Werten richtet. Nicht mehr, nicht weniger. Es ist nicht mein Fall mich mit fremden Federn oder Titeln zu schmücken, denen ich nicht gerecht werde.Daher bin ich auch weiterhin kein Frauenrechtler, auch wenn ich keine gefesselten Frauen auf Jacken sehen möchte. Weil das alle, die den Künstler Araki nicht kennen, falsch auslegen könnten. Übrigens: Als Journalist (das bin ich seit 30 Jahren) hat man vor allem eine Chronisten-Pflicht. Das ist die wichtigste Aufgabe eines Journalisten und dieser werde ich gerecht, in dem ich diese Faux-Pas zeige und sie in den richtigen Zusammenhang setze.

  • Da kann ich Dir in allem nur zustimmen. Finde beide „kreativen Ideen“ ziemlich armselig und eindeutig abzulehnen. Dafür braucht man in der Tat keine Feministin zu sein. Das richtig einzusortieren schaffe ich wie Du auch ohne Emma.

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