Start Menswear Fashionweek in Paris

Gestern startete die Männermode-Woche in Paris. Wie immer parallel zur Berlin Fashion Week. Und wie immer ist Modepilot an beiden Standorten gleichzeitig vertreten. Hier die ersten Eindrücke aus Paris:

Angst vor Attentaten

Aufgrund der Attentate ist noch immer das Sicherheits-Programm "Vigipirate" in Paris aktiv. Seit dem Anschlag auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo sind diese Anti-Terror-Vorsichtsmaßnahmen an der Tagesordnung. Sie wurden erst kürzlich, nach den zweiten Terror-Attacken, wieder verstärkt. Es ist die Rede davon, dass viele ausländische Besucher diesmal der Modewoche fern blieben aus Angst vor weiteren Übergriffen. Bei den Schauen ist deshalb eine zusätzliche Sicherheitskontrolle eingeführt worden. Wie am Flughafen wird jede Tasche kontrolliert und alle Gäste werden mit einem Metalldetektor abgeleuchtet.
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Bitte einmal die Jacke öffnen!

Darth Vader @AVOC

Über was reden wir seit Wochen? Genau: Star Wars. So durfte am ersten Tag auch auf den Schauen Darth Vader nicht fehlen. Bei der Show von AVOC mit dem Kollektionstitel "Natural Born Pirates" – gezeigt in einem mit Neon-Lampen ausgeleuchteten Keller – spazierte der Bösewicht bestgekleidet über den Catwalk.
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Die Macht ist mit mir!

New Hair @Haider Ackermann

Keine Star-Wars-Masken, sondern "die etwas andere Frisur" gab es bei Haider Ackermann. Da bekommt das Thema "Haartolle" einen ganz neuen Dreh.
 

Rückkehr von Ungaro Menswear

Rund fünf Jahre pausierte bei Emanuel Ungaro die Männerkollektion. Nun ist Ungaro Homme zurück. Nach einem Soft-Start im Sommer, der nicht der Presse präsentiert wurde, geht es in die Vollen mit der kommenden Winterkollektion 2016-17. Als Designer der wieder erweckten Linie ist Philippe Paubert verpflichtet worden. Der Franzose arbeitete bereits früher schon für Ungaro und kennt noch den Firmengründer. Nach Stationen bei Céline, Dior, Façonnable, Eden Park und Oxbow vereint Paubert bei Ungaro seine Couture- und Sportswear-Erfahrungen zu einer neuen, lässig ausgerichteten Linie mit vielen Casual-Elementen. Die Materialien sind soft und edel. Viele Jackets sind nur halb gefüttert, um Leichtigkeit zu erzeugen. Ergänzend gibt es eine Accessoires-Linie mit Taschen, Rucksäcken, Geldbeuteln und einer recht großen Schuh-Kollektion. Die Textilien werden in Italien produziert und das sieht man ihnen auch an. Die Schuhe in Portugal. Preislich wird sich Ungaro Homme im Designer-Mittelfeld bewegen, so wie etwa Paul Smith.
 

Kuscheln bei Y/Project

Y/Project gehört zu den Avantgarde-Kollektionen der Pariser Modewoche. In der Regel findet die Show in einer zugigen Halle statt. Doch eisige Temperaturen bedingten einen Umzug in die dunkle Kellerbar. Dort wurde es mehr als kuschelig. Man fühlte sich zurück versetzt in eine Zeit, in der John Galliano in Kellern zeigte. Aber irgendwie hatte das Defilé auch etwas von vergangener Salon-Kultur. Wie in den Anfängen der Modeschauen, als diese der Haute Couture vorbehalten waren, schritten die Models in Greifnähe an den Gästen vorbei, die sich bis in die letzten freien Ecken des Raumes drängelten. Das hatte was! Siehe Video, aufgenommen vom Bar-Tresen.

Talk of the Town: Geht Slimane oder geht er nicht?

Traditionell ist Saint Laurent die letzte Show der Menswear-Woche. Danach geht es direkt weiter mit Versace und der Haute Couture. Doch diesmal wurde die Show wenige Tage vor dem Start der Männermodewoche gecancelt. Parallel poppte das Gerücht auf, dass Hedi Slimane das Haus Saint Laurent verlassen würde. Stimmt das? Darüber rätselt gerade die ganze Branche auf der Männermodewoche.
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Saint Laurent zeigt diesmal in der Konzerthalle Palladium in Los Angeles
Die Saint-Laurent-Show ist nicht völlig abgesagt, sondern wurde verlegt nach Los Angeles, dem Wohnsitz des Designers. Sie findet dort am 10. Februar statt, parallel zur Verleihung der Grammy Music Awards. Als Schauenstandort wurde das Palladium gewählt. Die Location auf dem Sunset Boulevard ist die älteste Konzerthalle Hollywoods. Gezeigt werden die Saint Laurent Männerkollektion plus der erste Teil der Damenkollektion. Der zweite Teil der Damenlinie wird, wie geplant, am 7. März in Paris auf der Prêt-à-Porter-Woche gezeigt.
Ich denke nun seit einer Woche darüber nach, was das soll. Aber mir will kein trifftiger Grund einfallen. Auch diese Zweiteilung der Damen ist komisch. Musik-Journalisten, die zu den Grammys anreisen, schreiben in der Regel nicht über Mode, sprich das wird wieder so eine Schau sein für extra eingeflogene V.I.P.s (Das kennen wir von Chanel Metiers d'Art und Dior Cruise). Ist das ein letzter Machtbeweis Slimanes oder nur einfach eine ganz private Kapriole des Designers oder gar ein ausgefuchster Management-Streich? Die nächsten Wochen werden sicherlich die Lösung der Frage bereit halten.

Ein befreiter Raf?

Raf Simons, Ex-Dior-Designer und seit seiner Kündigung nun wieder selbstständig, schloss mit seiner Show den ersten Tag der Pariser Männerwoche. Und setzte ein Zeichen. Die Raf Simons Show galt immer als eines der Highlights der Männermodewoche, doch diesmal hat sie mich mehr überzeugt als in den voran gegangenen Jahren. Sie steckt voller neuer Ideen und mutiger Design-Entscheidungen. Oversize-Modelle, wie wir sie in dieser Form lange nicht mehr gesehen haben, ausgefranste Pullis, die ihrer Beschreibung alle Ehre machen, Mäntel mit Kurzarm, Daunenjacken für Riesen... Raf Simons wirkt wie befreit, nachdem er sich selbst die Bürde der Dior-Mammutaufgabe von den Schultern genommen hat. Bravo!
 
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