5 Beauty-Mythen aufgeklärt

Zum Jahresbeginn stellen wir Vieles auf den Prüfstand. Auch bei der Gesichtspflege. Ist es Zeit, etwas Neues auszuprobieren? Worauf muss ich achten? Was funktioniert? Was nicht?

Der Blick auf die Beipackzettel der Cremes und Schönheitsmittelchen wirft Fragen auf: Sollte ich für einen Tiegel mit Wasser und Fett wirklich 70 Euro hinlegen? Brauche ich im Winter einen Lichtschutzfaktor? Was sind eigentlich Paraffine und Silikone, die in jeder zweiten Creme und Lotion enthalten sind? Und vor allem: Wirken diese Cremes überhaupt?

Modepilot hat die diplomierte Chemikerin Elsa Devillechabrolle mit diesen Fragen und typischen Beauty-Vorwürfen konfrontiert, die z.B. in Beauty-Foren zu lesen sind.

 

Beauty-Mythen-Modepilot

Elsa Devillechabrolle

 

Die Französin mit Wohnsitz in Düsseldorf kümmert sich beim Kosmetik-Konzern L’Oréal darum, kosmetische Innovationen auf gesetzliche Regelungen (auf deutscher, europäischer und internationaler Ebene) zu überprüfen. Sie sorgt dafür, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Als wissenschaftliche Expertin in der Kosmetikindustrie ist sie ein kompetenter Ansprechpartner, wenn es um Fragen zu Inhaltsstoffen und deren Einordnung geht.

 

Beauty-Vorwürfe und Antworten der Expertin

Beauty-Mythos Nummer 1: Im Winter braucht man keinen UV-Schutz. Die Sonne brennt ja nicht und in der Tagespflege ist meist ein Schutz enthalten.

ED: In den kalten Wintermonaten vergisst man oft, dass die Haut trotzdem in geringem Maße der UV-Strahlung ausgesetzt ist. UV-Strahlen dringen tief in die Haut ein und haben leider langfristige Auswirkungen, die man nicht sofort sieht. Die Photoalterung beschleunigt den Alterungsprozess: Faltenbildung wird gefördert, die Haut verliert an Dichte, Pigmentflecken entstehen. Daher sollte man auch im Winter daran denken, die Haut vor UV-bedingten Schäden zu schützen.

Um den passenden LSF auszuwählen, gibt es zwei Faktoren zu  beachten: den Lichtschutztyp und das Verhalten in der Sonne. Man muss sich fragen:  Wie lange bleibe ich in der Sonne? Treibe ich Sport? Wenn man den ganzen Tag im Büro sitzt, ist ein besonderer zusätzlicher UV-Schutz nicht unbedingt notwendig. Wenn man aber eine lange Mittagspause in der Sonne draußen macht oder am Wochenende ausgiebige Spaziergänge unternimmt, sollte man zur Tagespflege LSF auftragen.

Wichtig ist auch: Sonnenschutzprodukte werden durch Wind, Reibung, Wasser und Schweiß abgetragen. Die Anwendung muss wiederholt werden. Empfindliche Stellen wie Lippen, Nase und Ohren sind ausreichend zu schützen. Bei einer Tätigkeit in der Sonne reicht auch im Winter der LSF 15, der in vielen Tagescremes enthalten ist, nicht aus. Hier sollte zusätzlich zur Gesichtspflege alle zwei Stunden eine Sonnencreme aufgetragen werden. Neueste Erkenntnisse haben gezeigt, dass in den letzten Jahren der Hautkrebs stark zugenommen hat, weil die Konsumenten sich zu wenig vor der Sonne schützen.

 

Beauty-Mythos Nummer 2: Teuere Gesichtspflege besteht hauptsächlich aus den recht billigen Inhaltsstoffen Wasser und Öl. Die Cremes sind ihr Geld nicht wert.

ED: Nicht nur teuere, sondern einfach alle Cremes haben als Basis eine sogenannte Wasser- oder Fettphase. Denn Wasser und Öl sind notwendig, um andere Inhaltsstoffe – wie zum Beispiel Antiaging-Wirkstoffe – zu binden. Viele dieser „echten“ Wirkstoffe sind jedoch in einer geringen Dosis absolut ausreichend. Meist reicht eine Menge im einstelligen Prozentbereich aus.

Zum Vergleich: Der hautkorrigierende Wirkstoff LR2412 erreicht mit 4% eine optimale Balance zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit. Hyaluronsäure, allgemein als Wunderwaffe im Anti-Aging bekannt, wäre mit über 40% so klebrig, dass niemand diesen Wirkstoff als Creme auf seine Haut schmieren würde.

Der Preis einer Creme bestimmt sich eher durch die Effizienz der Wirkstoffe als durch die Quantität, also der Menge der Wirkstoffe in der Textur. Viele Wirkstoffe sind bereits in geringer Konzentration hoch wirksam. Der hohe Preis mancher Cremes bedingt sich z.B. durch jahrelange Forschungsarbeit. Oder es handelt sich um natürliche Inhaltsstoffe, die sehr selten vorkommen und daher wertvoll sind.

 

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Kosmetik auf dem Prüfstand im L’Oréal-Labor

 

Beauty-Mythos Nummer 3: Silikone sind Weichmacher und gesundheitsschädlich. Auf lange Sicht wirken Silikone katastrophal und können die Haut austrocknen.

ED: Silikone kommen kommen in vielen Cremes und auch Haarwaschmitteln zum Einsatz. Warum? Silikone verleihen Haar und Haut ein samtiges Gefühl, Struktur und Vitalität. Sie unterstützen das Feuchthaltevermögen der Haut und optimieren Glanz und Halt. Wie geht das? Sie bilden einen Film auf der Haut und mindern so den Feuchtigkeitsverlust. Die Haut wirkt geschmeidig. Die Gefahr, dass die Haut austrocknet, besteht nicht. Im Gegenteil, genau das verhindern sie. Da Silikone an der Hautoberfläche bleiben und nicht in die Poren eindringen können, können sie abends einfach abgewaschen werden.

Jedoch gibt es immer wieder den Vorwurf, Silikone könnten Pickel verursachen. Das stimmt! Denn wer sich abends nicht abschminkt, behält den Film auf der Haut, die Poren werden verstopft. Die Folge sind Pickel. Allerdings kann das auch passieren, wenn keine Silikone benutzt werden und die Haut abends nicht gereinigt wird.

Ich möchte kurz noch erklären, was Silikone sind: Bei Silikonen handelt es sich vor allem um die chemische Gruppe der Polymere mit verschiedenen physikalischen Eigenschaften. Da es sich um eine Stoffgruppe handelt, ist es schwierig, Aussagen für alle Substanzen dieser Gruppe zu machen. Im Kosmetikbereich werden Silikone genau überprüft. Aktuelle Studien haben die Unbedenklichkeit für Menschen und Umwelt bestätigt.

 

Beauty-Mythos Nummer 4: Die Beauty-Industrie erzählt immer, dass Wirkstoffe uns weniger Falten und eine dichtere Haut bescheren. Das stimmt doch gar nicht, weil die Wirkstoffe gar nicht bis in die Dermis gelangen können.

ED: Früher agierten Wirkstoffe tatsächlich nur auf der Epidermis, also auf unserer Oberhaut. Aber seit rund 15 Jahren ist die Beauty-Industrie weiter. Heute sind wir in der Lage zu beweisen, dass Wirkstoffe die Dermis (Lederhaut) erreichen.

 

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Die Haut im Querschnitt

 

Die Dermis, die sich unter der Epidermis befindet, ist verantwortlich für die Elastizität und die Spannkraft der Haut. Darin befinden sich unsere Haut-Stützfasern, wie z.B. Kollagen oder Elastin. Wenn wir diese Schicht gut unterstützen, schaffen wir eine optimale Basis, um sichtbare Zeichen der Alterung zu mildern.

Dank moderner Trägerstoffe, die Wirkstoffe dorthin transportieren, oder auch neuer Wirkstoffe, die ganz alleine in diese Schicht vordringen, kann diese wichtige Hautschicht mit Wirkstoffen versorgt werden. Die dortigen Fasern, die für eine schöne Haut verantwortlich sind, können heute nachweislich stimuliert werden.

 

Beauty-Mythos Nummer 5: In vielen Cremes stecken Paraffine, die aus Erdöl gewonnen werden. Erdöl auf der Haut? Das ist doch gefährlich!

ED: Paraffine schützen wie alle Öle (also auch Pflanzenöle) davor, dass die Haut Feuchtigkeit verliert und sorgen für eine weiche, geschmeidige, angenehme und glatte Haut. Diese Öle dringen nur in die obersten Schichten der Hornhaut ein. Beim Lippenstift fördern Mineralöle zum Beispiel die Glanzbildung.

Paraffine werden gern bei Bodylotions eingesetzt. Sie haben ähnliche Eigenschaften wie die oben erwähnten Silikone. Sie werden, z.B. mit der täglichen Dusche, abgewaschen.

Eine Gefahr besteht nicht: Mineralöle müssen in der Kosmetik höchste Standards in Bezug auf Reinheit und Qualität erfüllen. Alle verwendeten Rohstoffe müssen toxikologisch und analytisch charakterisiert werden. In der Kosmetikindustrie werden nur hoch raffinierte und qualitativ hochwertige Mineralöle verwendet. Die Sicherheit der Verbraucher hat höchste Priorität.

Ein Wort zum Schluss: Viele meinen, dass alles, was aus der Natur kommt, gut und alles, was aus der Chemie kommt, schlecht sei. Das ist ein bisschen zu einfach gedacht und stimmt aus meiner Sicht nicht.

Photo By: Barbara Markert, Portrait: PR Lancome, Haut-Illustration: Screenshot Wikipedia

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