André Courrèges verstorben

Am Freitag starb im hohen Alter von 92 Jahren der Modedesigner André Courrèges. Der aus Pau, dem Südwesten Frankreichs, stammende Kreateur revolutionierte in den 1960er-Jahren die Mode mit seinem architektonischen Schnitten und seinem futuristischen Stil.

 

Modepilot-Courreges-Tod

Die Firma, die er 1994 aus Krankheitsgründen verließ, wurde von seiner Frau Coqueline weitergeführt und 2011 von Frédéric Torloting und Jacques Bungert übernommen. Die beiden Ex-Werbefachleute schafften es, die Marke aus ihrem Dornröschen-Schlaf zu erwecken, und sind gerade recht erfolgreich dabei, Courrèges wieder aufs Parkett der Mode zurück zu führen. Wir berichteten –>>. Im Rahmen dieses Revivals wurde auch das 1970 gegründete Magazin „Bonjour Courrèges“ wieder zum Leben erweckt, das Mode und Kunst zusammenbringt. Die gerade erschienene, erste Auflage dieses nun online erhältlichen Magazines zeigt die neue Courrèges-Mode der beiden Art Direktoren Arnaud Vaillant et Sébastien Meyer zum Beispiel als Collage von Kalen Hollomon.

 

Modepilot-Courreges-Tod

André Courrèges, geboren am 9. März 1923, hatte ein Ingenieursstudium absolviert und diente im zweiten Weltkrieg als Flieger. Nach dem Krieg siedelte er nach Paris um und besuchte dort das Chambre syndicale de la couture. Seine Modekarriere begann er bei Balenciaga, wo er 1950 das Metier erlernte und ganze elf Jahre blieb. Er lernte dort auch seine Frau Coqueline Barrière kennen, mit der er zusammen 1961 den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Als einer der ersten Designer der 60er-Jahre gab er die Haute Couture auf und wollte die Mode demokratisieren.

1967 entwickelte er das Konzept „Couture Future“. Der Name war Programm:  Futuristisch, neu, anders, ja regelrecht revolutionär war seine Mode. Damit passte er genau in die Zeit des Umbruchs und 68er-Revolution.

Seine Kollegen waren entweder entsetzt oder begeistert von seiner Mode. Coco Chanel hörte nicht auf zu wettern, dass er die Frau vernichte, in dem er ihre Formen verberge und sie in ein kleines Mädchen verwandele. Yves Saint Laurent dagegen meinte, dass die Courrèges-Mode ihn dermaßen stimulierte, dass auch er selbst die Pfade der traditionellen Mode verließ.  Mit Courrèges wurde die Mini-Mode (erfunden von Mary Quant in England) auch in Frankreich hoffähig. Seine Inspirationen holte der Franzose schon damals aus der Architektur, dem Sport und dem Science Fiction. Seine Lieblingsfarbe war ein strahlendes Weiß. Dabei hatte seine Mutter immer nur Schwarz getragen.

 

 

Mit diesem neuen Stil kamen auch neue Materialien. Courrèges experimentierte wild mit Vinyl und Nylon. Seine Schuhe waren ultra-flach, er zeigte Frauen in den damals noch verpönten Hosen und die Schnitte waren glatt, trapezförmig und einfach.  Seine Frau und wichtigste Mitarbeiterin Coqueline schaffte es, mit dieser Mode ab 1970 die coolsten Frauen dieser Welt einzukleiden: Jackie Kennedy, Romy Schneider, Brigitte Bardot, Catherine Deneuve und natürlich Françoise Hardy, die in seinen Kreationen einfach umwerfend aussah.

Modepilot-Courreges-Tod

Nicht zu vergessen Audrey Hepburns Outfits im Ehedrama „Two for the Road“ von 1967. Der Film vereint ein modisches Best-Of dieser Zeit (Paco Rabanne, Pierre Cardin) und Courrèges‘ weißes Outfit mit der markanten Sonnenbrille wurde Kult.

Von Anfang an waren seine Fashionshows echte Events. In die Modegeschichte ging die Schau 1970 ein, wo er seine Mode in gigantischen Kugeln, ähnlich einer Raumstation präsentierte.

 

Hier sehen wir seine Show „Space Ace Futurism“ aus dem Jahr 1970 am Canal St. Martin.

 

Bald kamen zur Mode andere Sachen hinzu: Parfums, Schirme, Bettwäsche, Uhren, Fotoapparate und später sogar Autos, Räder und sogar Appartements. 1972 entwarf er alle offiziellen Outfits der olympischen Spiele in München. 1976 begann der Stern des Hauses zu sinken. Die Firma wurde verkauft, 1993 kaufte der Designer sie zurück. André Courréges blieb der Visionär der Mode bis ihn die Krankheit Parkinson befiel, gegen die er 30 Jahre lang ankämpfte.

Die neuen Courrèges-Eigentümer Frédéric Torloting et Jacques Bungert erklärten zum Tode des Designers: „Sein ganzes Leben haben André und seine Frau Coqueline niemals aufgehört, zu erfinden, um vorwärts zu kommen. Er war ein kreativer Visionär, der bereits wusste, wie das 21. Jahrhundert aussehen sehen würde und der immer an den Fortschritt glaubte. Genau das macht Courrèges heute noch modern.“

André Courrèges wird heute in Pau, seiner Heimatstadt, beigesetzt. Seine Mode bleibt lebendig, denn bis heute beeinflusst er viele Designer wie Marc Jacobs, Miuccia Prada, Nicolas Ghesquière, Comme des Garcons und Simon Porte Jacquemus.

Photo By: Portrait und Bild Magazin: PR Courreges, Francoise Hardy: Screenshot website erikdoorme.be
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