News: Designerwechsel zum Jahresende

Wer glaubt, dass die Modeindustrie den Advent feiert, irrt. In den letzten Wochen wurden jede Menge neue Jobs besetzt. Das Personalkarussell dreht sich in der Branche bis zum Jahresende.  Ein Designer kündigte gar letzte Woche die Schließung seines Hauses an.

 

Jonathan Saunders schließt sein Label

Jonathan Saunders war eines der Hot Tickets auf der London Fashionweek. Jetzt verkündete der aus Glasgow stammende Designer, dass er sein Label schließen wird. Dabei hatte der Absolvent des Central St. Martin College gerade einen Investor gefunden: Die indische Erbin Eiesha Bharti Pasricha stieg bei ihm im Januar 2015 ein.

 

Jonathan Saunders

Jonathan Saunders

 

Der Designer gibt für die Schließung des Hauses persönliche Gründe an. Diesen Grund haben wir dieses Jahr schon mehrmals gehört. Ob auch er – wie Raf Simons bei Dior – überfordert war von den schnellen Rhythmen der Branche, bleibt jedoch im Unklaren. Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Jonathan Saunders hatte sein Label 2003 gegründet. Zu seinen Fans zählt auch unser deutscher Hollywood Star Diane Krüger (Die ich immer mit Ü schreiben werden, schon aus Überzeugung und Bewunderung für Frau Heidkrüger und nicht Heidkruger. Man muss zu seinen Wurzeln stehen!).

 

Jonathan Saunders letzte Kollektion: Sommer 2016

Jonathan Saunders letzte Kollektion: Sommer 2016

Jonathan Saunders letzte Kollektion: Sommer 2016

Jonathan Saunders letzte Kollektion: Sommer 2016

Jonathan Saunders letzte Kollektion: Sommer 2016

Jonathan Saunders Spring/Summer 2016

Die London Fashionweek verliert mit Saunders einen ihrer Stars. Es ist nicht der erste Verlust in diesem Jahr. In London gab regelrecht einen Kahlschlag: Richard Nicoll pausiert mit seinem Label und arbeitet nun bei Jack Wills, Marios Schwab und Meadham Kirchhoff zeigen auch nicht mehr und von deutscher Seite hat Achtland das Handtuch geschmissen (wir berichteten). Die Kollektion für den Sommer 2016 von Saunders wird seine letzte sein.  Die sollte man sich sichern für den Kleiderschrank.

 

 

Yiqing Yin verlässt das Haus Leonard und wird Vollmitglied der Haute Couture

Das Haus Leonard hat in den letzten Jahren viele Designer verbraucht. Mit dem Eintreffen der Franco-Chinesin Yiqing Yin im Januar 2014 schien Ruhe einzukehren. Auf alle Fälle schaffte die junge Designerin wie kein anderer vorher, das Haus zurück in die Mode zu bringen. Wir berichteten. Doch es wurde keine lange Partnerschaft. Anfang Dezember wurde bekannt, dass Yiqing Yin das Haus Leonard verlassen hat, um sich ganz ihrem eigenen Label zu widmen. Nur rund 10 Tage später, am Freitag letzter Woche, kommt die Mitteilung der „Commission de Classement Couture Création du Ministère de l’Industrie“, dass die 30-Jährige Vollmitglied der Haute Couture werden wird. Das ist eine echte News, denn zum allerersten Mal erhält ein chinesisches Modehaus diesen Ritterschlag.

 

Modepilot-Designerwechsel

Yiqing Yin

 

Yiqing Yin sagt: „Die Haute Couture ist eine Plattform der freien Expression und ein Labor. Wir brauchen eine neue Sprache, die im Einklang ist mit unserer Generation und die ein neues Schönheitsideal postuliert. Man muss Neuheiten kreieren wie auch Emotionen und der Haute Couture eine neue Energie einhauchen.“

Leonard by Yiqing Yin für Sommer 2016
Yiqing Yin’s Abschied bei Leonard

Leonard by Yiqing Yin für Sommer 2016

Yiqing Yin’s Abschied bei Leonard

Leonard by Yiqing Yin für Sommer 2016

Da bin ich ganz bei Ihr.

Bei Leonard – so heißt es – habe Nathalie Tribouillard-Chassaing, Firmenchefin und Erbin des 1958 von ihrem Vater gegründeten Hauses, nicht vor, den Posten gleich wieder zu besetzen. Das Haus hat eine neue Kollektionsdirektorin engagiert, die im Februar kommen wird, und auch das Stilbüro ausgebaut. „Ziel ist, den Aufbau der Kollektionen neu zu überdenken.“ Hm. Wie hier schon öfters geschrieben, redet die Familie bei Leonard zu viel mit und ist nicht gerade auf Neuigkeiten aus. Schade, in das Haus war gerade ein frischer Wind gekommen. Mal sehen, was im März gezeigt werden wird.

 

 

Agnona ernennt Simon Holloway zum Kreativdirektor

Dass Stefano Pilati sich ganz und gar Zegna widmen will, wurde schon im Sommer bekannt. Im November wurde klar, wer ihm beim Luxus-Damen-Label Agnona folgen wird: Simon Holloway wechselt von Hogan und übernimmt bei Agnona den Posten des Kreativdirektors. Der Brite tritt dort in große Fußstapfen, denn in nur wenigen Saisons war es Pilati gelungen, die Marke zu entstauben. Holloways erste Kollektion wird die Winterkollektion 2016/17 sein. Er ist für alle Produktkategorien zuständig, also Ready-to-Wear, Accessoires, Lederwaren und Schuhe, plus das Marken-Image.

Simon Holloway

Simon Holloway

 

Wer ist Simon Holloway? Holloway war vorher bei Hogan angestellt, er kam dort in 2014 und blieb nicht sehr lange. Davor arbeitet der Brite, der in New York und London aufwuchs, als Co-Kreativdirektor bei Jimmy Choo und davor für US-Labels, wie Narciso Rodriguez und Ralph Lauren.

 

 

La Perla heuert Pedro Lourenço als Kreativdirektor an

La Perla hat wieder einen Kreativdirektor. Nach dem Vertragsende von Emiliano Rinaldi in 2014 hatte das Designteam die Arbeit übernommen, nun soll der Brasilianer Pedro Lourenço ab Januar 2016 das Zepter schwingen. Der Brasilianer, der seine eigene Marke im zarten Alter von 15 Jahren gründete, hat in Paris das Studio Berçot absolviert, dann bei Lanvin und Giambattista Valli gearbeitet und defiliert seit 2010 auf den Pariser Schauen, meist aber auf dem Off-Kalender. Trotz seines guten Abschneidens beim wichtigen Nachwuchswettbewerb ANDAM kam sein eigenes Label nie richtig zum Laufen. Er wird es daher einstellen, um sich ganz seinem neuen Posten bei La Perla in Bologna widmen zu können.

 

 

Iceberg verpflichtet James Long für seine Herrenlinie

Das italienische Label Iceberg (gehört zur Gruppe Gilmar) startet durch. Nach Ernennung des Wieners Arthur Arbesser bei der Frauenkollektion folgt nun die Besetzung der Herrenlinie: Der talentierte Londoner Designer James Long wird diesen Posten übernehmen und seine erste Kollektion im Januar auf der Herrenmode-Woche zeigen. Die Herrenkollektion war bisher vom Designteam kreiert worden.

 

Modepilot-Designer-wechsel-2015

James Long

 

James Long ist der richtige Mann am richtigen Platz: Der 34-Jährige hat ein Diplom in der Herrenmode vorzuweisen, das Royal College of Art absolviert und ist bekannt für seine tollen Strick-Kreationen. Das ist auch einer der Schwerpunkte bei Iceberg. Long’s Stil gilt als unkompliziert. Er arbeitet viel mit Denim und Drucken. Seine eigene Linie existiert seit 2011 und soll fortgeführt werden. Die Iceberg Fashionshow soll deshalb auch in London und nicht in Mailand gezeigt werden.

 

James Long eigenes Kollektion Sommer 2016

James Long eigenes Kollektion Sommer 2016

James Long eigenes Kollektion Sommer 2016

James Long eigenes Kollektion Sommer 2016

James Long eigenes Kollektion Sommer 2016

James Long eigenes Kollektion Sommer 2016

 

Wer übernimmt bei Dior?

Einer der wohl spektakulärsten Abgänge dieses Jahres, war das Ausscheiden Raf Simons bei Christian Dior.  Wir berichteten. Wilde Spekulationen um seine Nachfolge hat das Haus erst einmal im Keim erstickt durch die letzte Woche ausgesendete Nachricht: Man wolle sich Zeit lassen. Die kommenden Kollektionen, Haute Couture Sommer 2016 und Prêt-à-Porter Winter 2016/17, würden vom Designteam gestemmt. Das ist nichts Neues: Die Leute im Studio haben darin Erfahrung. Beim Abgang John Gallianos hatten sie auch einige Saisons lang die Stange gehalten, wenn auch unter der Regie von Bill Gaytten, der sich nun um die Marke Galliano kümmert.

 

Und bei Lanvin?

Bei Lanvin sah es nach dem Abgang von Alber Elbaz Mitte Oktober (hier mehr dazu >>>) so aus, als sprächen nur noch die Anwälte miteinander. Vor allem nach dem Mini-Aufstand der Mitarbeiter, die ihren geliebten Alber zurück haben wollten, ging das Ganze vor Gericht. Aber in einer Meldung vom Freitag, 18.12., wird nun verkündet, dass man nach der ersten Gerichtsentscheidung versuche, die Sache nun bedachter und möglichst auch jenseits der Gerichte zu klären. Gut so.

 

Modepilot-Designer-wechsel-2015

Letzter Auftritt Alber Elbaz bei Lanvin während der Fashionshow zum Sommer 2016

 

Dennoch: Es sieht alles danach aus, als ob das Haus derzeit noch sehr damit beschäftigt ist, den Rausschmiss von Elbaz zu organisieren. Und man wohl keine Zeit hat, sich um die Nachfolge zu kümmern.

Dazu kommt, dass Elbaz‘ Vertrag nicht wie bei Raf Simons auslief, sondern dass dieser gekündigt wurde. Damit haben wir den gleichen Fall wie damals bei Galliano und Christian Dior: Das Management konnte einst gar nicht den Posten des Kreativdirektors neu besetzen, weil der Job vertagsgemäß noch gar nicht frei war.

 

 

Michalsky ist bei GNTM und neuer Creative Director der Doob Group

Was passiert in deutschen Landen? Dort wird Michael Michalsky Jury-Mitglied bei Heidi Klums Germany’s next Topmodel. Als Nachfolger von Publikums-Liebling Wolfgang Joop, der Heidi wohl auch ein bisschen zu sehr die Schau stahl. Die Meldung ging durch alle Medien. Weniger beachtet wurde die New, die Ende November publik ging, dass Michalsky auch neuer Creative Director der DOOB Group wird. Hä? Was ist das? Das ist ein Düsseldorfer Technologieunternehmen, das mit 3-D-Technik auch Läden ausstattet. Unter anderem.

Aktuell arbeite Michalsky laut der Pressemitteilung bereits an Entwürfen für ein 3D-Scanning-System.  Aha! Öhm, mit Mode an sich hat beides nun weniger zu tun.  Aber damit konnten wir auch einen aktuellen Jobwechsel aus Deutschland in die News-Liste aufnehmen.

 

 

Photo By: Catwalkpictures, PR Pressing, TextilWirtschaft
2 Kommentare zu
“News: Designerwechsel zum Jahresende”
  • Ordentlich was los … im Moment sieht es ganz danach aus, als ob die High Fashion zum Teil in eine Art Krise schlittern könnte. Auch die Zahlen der ganz großen Labels sind im Bereich der Klamotten nicht überall überragend … man wird sehen, was wird. Ich hoffe, Dior und Lanvin gehen in sehr gute Hände. Nur, wer sollte das nach Alber Elbaz und Raf Simons schon sein?

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