Nicht auch das noch: Alber Elbaz verlässt Lanvin

Es geht Schlag auf Schlag. Nach der Schocknachricht vor wenigen Tagen, dass Raf Simons Dior verlässt, verkündet der Branchendienst WWD heute einen weiteren, spektakulären Designerabgang: Alber Elbaz soll, so WWD, nach 14 Jahren als Art Director Lanvin verlassen haben. Sein Büro auf der Faubourg St. Honoré sei angeblich schon leer geräumt. Hier geht es zum Artikel.

 

Modepilot-Elbaz-Lanvin

 

Was ist passiert?

Der Fall ist angeblich in keiner Weise mit dem von Raf Simons bei Dior zu vergleichen. Während der Belgier im besten Einvernehmen und aus rein privaten Gründen das Handtuch schmiss, soll bei Lanvin bereits seit Monaten, wenn nicht Jahren der Haussegen schief hängen. Bereits 2009 spekulierte die französische Elle einen Abgang. Vor allem die mangelnde Management-Strategie im Vertrieb und dem Aufbau eigener Flagship-Läden soll den Ausschlag zu Diskussionen zwischen Alber Elbaz und der taiwanesischen Eigentümerin Shaw-Lan Wang sowie ihrem Vorstandsvorsitzenden Michèle Huiban gegeben haben. Lanvin setzt noch immer rund zwei Drittel des Umsatzes über Multimarkenstores ab, während andere Mode-Schwergewichte wie Chanel, Chloé oder Dior schon seit langer Zeit über eigene Läden verkaufen und dort direkte Gewinne erzielen.

Angeblich würden sich der israelisch-marokkanische Designer und die taiwanesische Geschäftsfrau schon seit geraumer Zeit über eine Zukunftsstratgie uneins sein. Warum aber blieb er? Der heute 54-Jährige halte selbst Anteile am Unternehmen. Beteiligungen von Designern an einer Marke verlangsamen und erschweren in der Regel den  Abgang. Ein ähnliches Problem gab es beim Ausstieg von Nicolas Ghesquière bei Balenciaga und auch für Guillaume Henry bei Carven. Dass Designer auch Anteilseigner sind, ist häufig der Fall, wenn es sich um das Revival einer alten Brand handelt. Beim Jobeinstieg ist die Marke kaum etwas wert und so ködert man die Designer mit Anteilen. Nur diese können Jahre später ein echtes Vermögen darstellen. Wenn der Designer den Turnaround schafft.

Auch Lanvin kehrte erst durch die außergewöhnliche Arbeit von Alber Elbaz auf den Radar der Mode zurück (wie auch es der Fall bei Balenciaga oder Carven war). Das Haus hatte vor Elbaz Einstieg im Jahr 2001 vor allem dank seiner Parfums überlebt. Doch genau dieses reiche Erbe hatte die Eigentümerin Wang 2007 an Inter Parfums verkauft, um damit angeblich die Modeinvestitionen zu bezahlen. Die Veräußerung schmälerte beträchtig den Wert des Unternehmens – und der Marke. War das die richtige Entscheidung? Fraglich.

 

Hier Key-Pieces aus Alber Elbaz‘ letzter Kollektion für das Haus: Sommer 2016

 

 

Was jetzt?

Alber Elbaz, der gerade in jüngster Zeit als mahnender Rufer in einem immer schneller werdenden Modebusiness auftrat und jede Gelegenheit nutzte, um darauf aufmerksam zu machen, dass Designer mehr und mehr zu Image-Machern verkommen, die nicht mehr für Frauen, sondern für Social Media Bilder entwerfen, wird sicherlich bald interessante Angebote auf seinem Privatschreibtisch finden. Es ist ja auch gerade erst ein Job bei Dior frei geworden. Angeblich war er sogar einst bei der Nachfolge von John Galliano im Rennen. Aber würde Elbaz wirklich diesen Posten wollen? Das sehe ich eher nicht angesichts seiner letzten kritischen Äußerungen zur Entwicklung der Branche. WWD jedoch schließt es nicht aus und glaubt sogar an ein neues Designer-Stühlerücken, wie man es vor ein paar Jahren schon einmal hatte. Die Spekulationen sind wild: Phoebe Philo, Riccardo Tisci und neu Alber Elbaz werden genannt, um von einem berühmten Haus zum nächsten zu wechseln.

Doch warten wir ab. Bis dato ist nicht einmal der Abgang Elbaz‘ vom Haus offiziell bestätigt. Fraglich ist auch, wer nun die nächste Kollektion entwerfen wird. Alber ja wohl nicht mehr, wenn er wirklich seinen Schreibtisch bereits geräumt hat. Schade, schade. Lanvin war unter ihm zu einer echten Größe in der Mode geworden. Seine offenen Nähte verliehen der Eleganz eine neue Note, sein lässiger Umgang mit Materialien im Luxussektor sind berühmt und seine Cocktailmode war Kult. Ganz zu schweigen von seinen poetisch wie ebenso humorvollen Ideen für die Schaufenster und die Weihnachts-Videos des Hauses. Dieser Abgang ist bitter.

1 Kommentar zu “Nicht auch das noch: Alber Elbaz verlässt Lanvin”
  • While I truly lament the stepping down of Raf Simons and Alber Elbaz, I think the dismissal of Annette Weber was a good decision.
    She was anti-women, super conservative, and stuck in the 19th century. Not so much fashionwise, but a women’s magazine that doesnt appreciate women is inconsistent.

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