Pinault-Holding Artemis angeblich bei Courrèges eingestiegen

Die Manager der große  Luxuskonzerne sind Füchse und immer auf der Suche nach dem nächsten In-Label. Bei der Suche scheinen noch immer Revivals alter Marken bei ihnen hoch in Kurs zu stehen. Man denke nur an die fabulösen Wiederauferstehungen von Balenciaga, Lanvin, Carven, Nina Ricci, Schiaparelli, Vionnet und Rochas. Warum diese „alten Marken“ für die Manager lukrativer sind als neue, liegt auf der Hand: Hier ist ein Image bereits vorhanden. Man muss nur vor der ersten Show ein bisschen Historien-Aufbereitung betreiben und schon hat die Marke ein Gesicht. Viele neue, viel versprechende Junglabels dagegen haben es schwerer. Sie müssen sich von Null an beweisen, dürfen keine einzige Saison daneben liegen und müssen sich selbst ein Image erschaffen. Vielen davon geht bei soviel PR, Marketing und Management die Luft aus – oder das Geld.  Sie schaffen es nicht, obwohl sie mit viel Bravour gestartet sind. Ich erinnere an Maxime Simoens, Maiyet, Limi Feu oder bei der Haute Couture Christophe Josse .

 

Neuer Investor

Nun hat angeblich Artémis, die Holdingesellschaft von Francois Pinault, die wiederum dem Luxuskonzern Kering übersteht, 30% am Label Courrèges übernommen. Beide Seiten kommentieren den Deal nicht, aber sie streiten die Teil-Übernahme auch nicht ab (Modepilot fragte nach). Das Branchenblatt WWD hatte die News als Erster verkündet und nun haben es bereits so viele Medien übernommen, dass in der Nachricht auf alle Fälle ein Fünkchen Wahrheit stecken muss. Denn der Deal macht Sinn und passt auch zu Kerings Firmenpolitik, neue aufstrebende Designer an sich zu binden (siehe auch die Ernennung von Vêtements-Designer Demna Gvasalia bei Balenciaga).

 

Neue Designer

Warum also sichern sich die Pinaults die Brand? Bei Courrèges, ein Label, das in den 1960er gegründet wurde, in den 1970ern seine Hochzeit hatte und seit rund drei Jahren unter den neuen Eigentümern Jacques Bungert und Frédéric Torlotin ein Revival versucht, kam frischer Wind ins Haus: Das noch super junge Designer-Duo Sébastien Meyer und Arnaud Vaillant (25 und 26 Jahre alt), die in der Branche als „heiße Talente“ gelten und für ihr eigenes Label Coperni viel Lob erfahren, haben erst jüngst die Art Direction bei Courrèges übernommen.

 

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Courrèges, das bis dato nur Präsentationen im Headquarter präsentiert hatte, startete dank dieses Neuzugangs bei der gerade abgelaufenen Fashionshow gleich auf dem offiziellen Kalender durch. Das nennt man einen Blitzstart. Angeblich wäre zum Zeitpunkt der Show der Deal bereits festgezurrt gewesen.

Hier die besten Looks:

 

 

Neue Eigentümer und erste Erfolge

Für Courrèges hätte es nicht besser kommen können. Zwar hatte die Marke Aufwind, die neuen Kollektionen waren gut besprochen worden und ein lukrativer Beauty-Deal mit Estée Lauder brachte Geld in die Kassen. Doch laut der französischen Wirtschaftszeitung Les Echos ist die Firma noch immer defizitär, vor allem auch weil man die Fabrik – oder soll man sagen das Architektur-Juwel in Pau – renovieren ließ. Die neuen Eigentümer, ehemalige Young & Rubicam Manager, hatten nach dem Kauf der Marke eine Mammut-Aufgabe zu bewältigen. Sie haben es aber ganz gut hinbekommen, das Kultlabel am Leben zu erhalten. Hier ein Exklusiv-Interview mit den beiden Courrèges-Eigentümern, das Modepilot auf der Vorstellung der Winterkollektion 2015/16 führte:

 

 

Mit der Finanzspritze soll angeblich das Angebot nach unten ausgebaut werden. Bis dato lagen die Preise um 800 Euro aufwärts. Nun soll es Einstiegsmodelle für die jüngere Klientel ab 400 Euro geben. Auch die Accessoires sollen ausgebaut und zusätzlich ein Parfum entwickelt werden.

Die beiden neuen Designer sagten zur Präsentation ihrer ersten Kollektion, dass sie den Stil der Gründer André und Coqueline Courrèges fortführen wollen.  Es gehe um Einfachheit und Freiheit. Ganz in diesem Sinne gibt es 15 Modelle ( Perfecto, Bluson, Hemd, Top, Rock, Kleid, Hose… ) in 15 verschiedenen Materialien, wie z.B. das Kultmaterial der Marke Vinyl. Alle Kleidungsstücke wurden bei der Schau als Freisteller auf einem riesigen LED-Bildschirm  projeziert, der zeigte, wie der Schnitt konzipiert wurde und in welchen Ausführungen das Modell zu haben ist. Eine ideale Vorführung für Einkäufer.

Hier das Video zur aktuellen Schau:

 

Mit dieser ersten gelungenen Show, einem coolen Designer-Duo und dem neuen, starken Finanzgeber im Rücken könnte es Courrèges tatsächlich schaffe, das „next big thing“ zu werden. Mal abwarten.

 

 

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