Was man über die Givenchy Show wissen muss

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll bei diesem Ausflug der Givenchy Modenschau nach New York.

 

Givenchy-New York-Summer 2016-Modepilot

Die Show hätte  kaum symbol-geladener sein können. Es gab so viele Gründe und Anlässe, das Defilee dort und genau dort zu veranstalten (und eben nicht wie sonst in Paris), dass man eine 10-Punkte-Liste erstellen muss.

Was man über die Givenchy Spring/Sommer 2016-Show wissen muss

  1. Die Show fand am 11. September statt. Also zum Jahrestag des Terroranschlags auf die Twin-Towers.
  2. Damit das auch jeder kapiert, platzierte Riccardo Tisci die Show aufs Dach eines Wolkenkatzers mit Blick auf das neu erbaute World Trade Center und die New Yorker Skyline.
  3. Der Designer selbst feierte mit dem Ausflug nach NY sein 10-jähriges Jubiläum bei der Marke.
  4. Gefeiert wurde zusätzlich das enge Band zum amerikanischen Markt, der schon zu Lebzeiten des Gründers, Hubert von Givenchy, die Marke unterstützt hatte. Und es heute noch tut.
  5. Die Show stand unter dem Zeichen „der Liebe und des Teilens“. Deshalb wurden neben den üblichen Verdächtigen (Chefredakteurinnen, Einkäufer, Wichtige und Promis) auch Modestudenten und Leute aus dem Viertel Triceba eingeladen. In der Stadt verteilt gab es Riesenbildschirme, damit auch andere New Yorker mitgucken durften.
  6. Mit einer Installation aus recycelten Materialien sollte zudem der „Teilen-Charakter“ unterstrichen werden.
  7. Die jugoslawische Performance-Künstlerin Marina Abramović, eine gute Freundin des Hauses, hatte sich eine Kunstperformance um die Themengebiete Liebe, Frieden, Freiheit, Spiritualität und Demut ausgedacht (Hier schließt sich der Kreis zum 11. September) und dazu  weitere Künstler (Stichwort: Teilen!) geladen. So gab es unter anderem spirituelle Gesänge aus der ganzen Welt, die mit einem emotionalen  AAAAAAAAAVVE MARIIIIIIIIIIIIIIIIIIIAAAAAAAAAA abschlossen (Schnell, holt die Taschentücher raus!). Ach, die Italiener! Immer für eine theatralische Überraschung gut. Bravo, bravissimo.
  8.  Gefeiert wurde natürlich auch die Eröffnung der neuen Boutique auf der New Yorker Madison Avenue.
  9.  Nein, noch sind wir nicht am Ende der Symbolik! Kommen wir zur Mode, die natürlich Schlüsselideen aus zehn Jahren Riccardo Tisci aufgriff plus den Couture-Charakter des Hauses unterstrich. Tisci lieferte in einigen Modellen eine Semi-Couture ab. Doch dazu später mehr.
  10. Kriegen wir die Liste mit einem zehnten Punkt voll? Mist, nun fällt mir nichts mehr ein, außer dass alle Musen der Hauses, allen voran Mariacarla Boscono defilierten. Joan Smalls auch. In den Rängen saßen die Givenchy Werbeikonen Julia Roberts, Amanda Seyfried, Uma Thurman. Die K.u.K-Monarchie,  wie ich sie nenne, also Kim und Kayne kamen mit den neuen Babybauch, der natürlich in Givenchy-Spitze gehüllt war. Da sage noch einer, dass Designermode nur was für Dünne ist. Pah!
Setting defilee
dramatisches Setting vor World Trade Center
Kunstinstallation mit Bäumen, die die Kraft des Lebens symbolisieren
Julia Roberts
Amanda Seyfried
Kim Kardashian und Mann Kayne West mit Babybauch in Givenchy
Kunstinstallation
Riccardo Tsci feiert 10-jähriges Firmenjubiläum
Zugucken durften auch Anwohner und Modestudenten, die vorab durch einen Losverfahren ermittelt wurden
800 Gäste waren geladen

Setting Defilee

Dramatisches Setting vor dem World Trade Center

Kunstinstallation mit Bäumen, die die Kraft des Lebens symbolisieren sollen

Julia Roberts

Amanda Seyfried

Kim Kardashian mit Babybauch und Gatte Kayne West

Kunstinstallation

Designer Riccardo Tisci feiert 10-jähriges Jobjubiläum

Zugucken durften auch Anwohner und Modestudenten, die durch ein Losverfahren ermittelt wurden

800 Gäste waren geladen

Uff.  Dieser Part wäre geschafft. Es ist Zeit, endlich zur normalen Schauenkritik zu kommen.

Manchmal frage ich mich, ob Tisci vielleicht ein würdiger Nachfolger von Lagerfeld bei Chanel wäre. Seine Vorlieben für Dramatik sowie Schwarz und Weiß prädestinieren ihn für den Job. Auch diese Kollektion schwelgte in den Unfarben. Aber wie! Riccardo Tisci ist eine tolle Jubiläumskollektion gelungen, bei der er mit Bravour den Spagat schaffte, Couture alltagstauglich zu machen. Die weißen Tops sind Meisterwerke der coolen Umsetzung von Spitze. Nichts ist kitschig, nichts overdone. Asymmetrien, schräge Schnitte, wehende Bänder und fließende Silhouetten schaffen Modernität und sorgen für den nötigen Schuss „Casual-Feeling“. Lingerie-Stil-Elemente werden mit maskulinen Formen verbunden und bringen Feminität wie auch Eleganz in die Outfits. Trotz der vielen ungefütterten Spitzenstoffe wirkt kein Modell zu sexy oder aufdringlich erotisch. Morgenmantel-ähnliche  Coats verleihen einen zusätzlichen Kick an Frische und Coolness.

 

 

Bei den Männern hat Tisci diesmal auf offensittliche religiöse Stilelemente, wie Madonnen und Heiligen-Drucke, verzichtet und zeichnet eine maskuline Eleganz.

 

Die Haute Couture, die eigentlich pausiert im Hause Givenchy (es gibt keine offiziellen Schauen, sondern ab und an Präsentationen), ist wieder zu finden in Meisterstücken aus dem Atelier, wo die „Petit Mains“, also die geschickten und erfahrenen Näherinnen, wahre Kostbarkeiten aus Federn, Pailletten und Spitze in Verbindung mit Fransen schufen. Tiscis Vorliebe für auffällige Gesichtsmasken werden durch üppigen Ohrschmuck ergänzt, wo Pretiosen sogar in der Gehörmuschel stecken. Hoffentlich ist da ein Hörgerät integriert, sonst hört man ja nichts mehr.

Showstücke, die auf den Red Carpets zum Eyecatcher werden. Wow!

Alles zusammengefasst: Givenchy zeigte in New York großes Theater vom Feinsten mit einer Kollektion, die das Haus und seine Arbeit feiert, aber auch Zeichen setzen kann.  Dass die Vertikalen diese tollen Spitzentops kopieren werden, steht außer Frage.

Photo By: Catwalkpictures, PR-Bilder von Givenchy by Riccardo Tisci Spring Summer 2016
1 Kommentar zu “Was man über die Givenchy Show wissen muss”
  • To me the clothes were some kind of „greatest hits“. No doubt, enjoyable. But the show was stolen by the scenic and vocal performances plus the sunset over Manhattan. The slowness and beauty of Marina Abramović’s performance, the Jewish „Shalom Aleichem,“ or the chanting Buddhist monk. Just breathtaking.

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