Haute Couture AW 2015-16: Christian Dior

Irgendwo las ich,¬† dass die aktuelle Dior Haute Couture Raf Simons beste Kollektion ever f√ľr das Haus gewesen w√§re. So ganz unterschreibe ich das nicht. Allerdings begr√ľ√üen sicherlich Viele, dass der Belgier nach einem Ausflug ins Futuristische (siehe die Esprit Dior Tokyo Show) wieder sehr couturig wird, das hei√üt schmeichelnd mit uns Frauen umgeht. Diors New Look mit seinem √ľberschwenglichen Stoffverbrauch, in der Nachkriegszeit ein Skandal, ist eine Silhouette, die aus Frauen eben Ladys macht.
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Auch die Mäntel, die man ständig mit der Hand zuhalten muss, damit sie nicht angesichts der riesigen Krägen im offenen Zustand von der Schulter rutschen, erinnert stark an die historischen Anfänge des Hauses und eine Zeit, als Eleganz einen anderen Stellenwert hatte als heute.
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Ob das allerdings noch heute,¬† in unserer praktisch orientierten Zeit Sinn macht, bin ich mir nicht sicher. Obwohl:¬† Wir Frauen haben uns auch an die Clutch gew√∂hnt, die man st√§ndig in der Hand halten muss. Wenn nun noch die zweite Hand den Mantel zuh√§lt, dann bleibt keine mehr √ľbrig, um das Champagnerglas zu halten oder auf dem Handy eine Message zu tippen.¬† Also weg mit der Clutches? Oder weg mit nicht-zukn√∂pfbaren M√§nteln? Weg mit dem Champagner oder weg mit dem Handy? Das ist hier die Frage. Man kann zur Entscheidungsfindung ja mal in den heimischen Schrank gucken, was sich an Taschenmodellen dort so tummelt. Oder sich die Frage stellen, ob man mal ohne Handy leben m√∂chte.

Das Mittelalter kommt in Mode

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Raf Simons selbst bezog sich in seiner Kollektionsbeschreibung nicht auf den hauseigenen New Look, sondern nannte seine Kollektion "Le Jardin des d√©lices", den Garten der Wonne. Wonne, einer vergangenen Zeit? Nein, es geht um "die paradoxe Vision der Unschuldigkeit und der Erfahrung, der Einfachheit und des Luxus, der Sch√∂nheit und der Dekadenz, gesehen durch das Auge der fl√§mischen und franz√∂sischen Meister der Kunst", so erkl√§rt der Designer selbst seine Inspirationen.¬† Um das mal auf verst√§ndlichere, weniger blumige Worte runterzubrechen: Es geht ihm um die Synthese alter Techniken und historischer Formen von der Gotik √ľber Renaissance, Barock bis hin zum19. und 20. Jahrhundert, die heute noch Sinn machen.
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Das ist ein weites Feld und es greift teilweise auf Silhouetten zur√ľck, die wir schon in der Cruise von Louis Vuiton by Nicolas Ghesqui√®re gesehen haben. Das Mittelalter ist unverkennbar wieder in Mode.
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Capes von damals als Dior-M√§ntel f√ľr die Zeit von heute.
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Kleider aus der Belle Epoque aus Seidentaft in verschwenderische Menge f√ľr ein modernes Cocktailkleid.
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Nachthemden (verk√ľrzt) aus der Renaissance - naja, ich suche noch nach dem Anlass, wozu man diese tragen k√∂nnte.
Raf Simons: "Der Einfluss der Historie bekommt hier eine zeitgenössische Realität und genau das bringt in meinen Augen die Modernität."

Tragbarkeit der Dior Haute Couture

Mit dem Mittelalter-Comeback tue ich mir noch ein bisschen schwer. Wahrscheinlich muss man sich erst wieder dran gew√∂hnen. Aber bis dahin nehme¬† ich diese wunderbaren Samt- und Cordhosen von Dior und die einfacher geschnittenen M√§ntel mit den wahnsinnig sch√∂nen weiten √Ąrmeln, die wie umgekehrte Keulen√§rmel aussehen.
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Oder die eng anliegenden Langarm- und Kurzarm-Kleider mit Schlitz, die perfekt sind f√ľr alle eleganten Tage und in denen man trotz der schlangen Silhouette bestens laufen kann.
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Oder diese avantgardistisch geschnittenen Mantel, manche leicht asymetrisch, und genau dadurch super modern wirken, ohne dass sie den Pelzeinsatz der Modelle, die Ihr in der Galerie sehen könnt, als Eye-Catcher brauchen.
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Die Schuhe waren eh toll.
An den Mittelalter-Look gewöhne ich mich jetzt mal. Denn ich denke, es werden noch mehr Kollektionen dieser Art folgen. Die Vorreiter Ghesquière und Simons haben ja meist das Näschen ein bisschen mehr im Wind als die anderen. Es lebe das Mittelalter in der Neuzeit! Es leben die modernen Burgfräuleins!
Hier noch andere schöne Looks vom Laufsteg:
 
Photo Credit: Catwalkpictures

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