Coty kauft Beauty-Sparte von Procter&Gamble

Procter & Gamble verfolgt seit einigen Jahren eine Portfolio-Bereinigung. Im Rahmen dieser Neuausrichtung stand bis gestern auch die Beauty-Sparte zum Verkauf. Sie hatte im Vergleich zu Reinigungmitteln und Haushaltsprodukten, wie Waschmittel und Windeln (Pampers), geringere Margen erwirtschaftet. An den gut eingeführten Marken, wie Parfums von Boss und Gucci, Make-Up von Max Factor und Cover Girl und dem Haar-Spezialisten Wella waren so einige interessiert. Die New York Post berichtete gestern als Erste, dass Coty Inc. den Bieterkampf gewonnen hätte.
Obwohl von beiden Seiten, also weder von Coty noch von Procter & Gamble (P&G) die Übernahme bestätigt wurde, wird kolportiert, dass Coty für 12 Mrd. US Dollar sich das Beauty-Paket sichern konnte. Das wäre wesentlich mehr als der Börsenwert von Coty selbst (um 9,4 Mrd. US Dollar).
Gucci Parfums gehörte zu P&G Duftsparte Beauty Prestige
Gucci Parfums gehörte zu P&G Duftsparte Beauty Prestige
Der Deal ergibt Sinn, denn mit dem Zukauf der ehemaligen Procter & Gamble Sparte Beauty Prestige, die Marken wie Gucci, Dolce & Gabbana, Stella McCartney, Alexander McQueen und Boss umfasst, katapultiert sich Coty in die vorderste Reihe im Markt der Parfums – noch vor L'Oréal.  Auch im Massmarket-Segment des Make-Ups/dekorative Kosmetik sind Procter & Gamble Marken eine gute Ergänzung zu den Coty-Marken, wie OPI, Rimmel, Manhatttan oder Astor. Hier können Synergie-Effekte in Produktion und Vermarktung durch die Portfolio-Ausweitung entstehen.
Manhattan Make-Up Marke von Coty
Manhattan Make-Up Marke von Coty

 Frage ist aber: Was will Coty mit Wella?

Die in Deutschland ansässige Friseurmarke ist ein Sahnestückchen, auf das der Düsseldorfer Henkel Konzern scharf war. Doch laut den Informationen der New York Post ist Wella ganz klar Teil des Coty-Deals. Will die in den USA beheimatete Kosmetikfirma, deren Hauptaktionär die deutsche Familie Reimann ist, ins Friseur- und Haarbusiness einsteigen? Oder war die Übernahme Wellas eine Bedingung, dass Coty im Bieterkampf den Zuschlag erhielt? Laut Vermutungen des Manager Magazins war Henkel bereit, fünf bis sieben Milliarden Dollar allein nur für Wella zu zahlen. Das ist eine schöne Summe. Aber Henkel ist ein direkter Konkurrent von Procter & Gamble und agiert in derselben Haushalts- und Reinigungsmittel-Sparte. Wollte P&G seinem Wettbewerber einfach kein Sahnestückchen überlassen? Möglich.
Denken wir mal weiter in die Zukunft, wenn der Deal vertraglich unter Dach und Fach gebracht ist: Coty ist dann an der Reihe, die neuen Marken ins eigene Business einzugliedern. Wer weiß, vielleicht steht Wella in nur einem Jahr wieder zum Verkauf, weil die Eingliederung ins Parfum- und Make-Up-Business sich nicht rentiert.  Es wäre nicht das erste Mal, dass so eine Marke in kurzer Abfolge den Eigentümer wechselt. Vor allem, weil Coty den Zukauf von 12 Mrd. Dollar auch finanziell verkraften muss in einem Markt, bei dem es vielen Luxusunternehmen und damit auch ihren Lizenzen weniger gut geht als zuvor.
Eine weitere Frage ist auch, wie Coty , die angeblich selbst gerade in einer Umstrukturierung des Managements stecken, sein nun stark vergrößertes Business organisiert.
Ich habe vor rund einem Jahr die ehemalige P&G-Chefin im Luxusbereich Joanne Crewes für Vogue Business interviewt. Sie ist kurze Zeit nach dem Interview in den Vorruhestand gegangen. Wahrscheinlich wusste sie damals schon, dass die Sparte, in die sie ihr Leben im wahrsten Sinne des Wortes investiert hatte, zum Verkauf stand. Sie erzählte mir damals, wie sie im internationalen Pitch an die Lizenzen von Stella McCartney und Alexander McQueen kam und die ganze Konkurrenz ausstach:
"Die Modehäuser waren beeindruckt, wie schnell wir das Parfum-Business aufgebaut hatten und wie wir Brands aufbauen. Dass wir sehr erfolgreich die Marken managen und dass wir den ikonischen Charakter der Brands umsetzen können. Ich habe niemals ein motivierteres Team um mich gehabt. Meine Leute haben sich völlig mit der Brand assoziiert, sie leben und atmen die Brand."
So ein Management kostet Geld und daher waren – trotz der guten Umsätze – die Margen niemals die gleichen wie bei Pampers. Ich persönlich glaube, dass wir über diese Mega-Übernahme im Beauty-Business noch lange reden werden und, dass vielleicht noch die eine oder andere Marke des P&G-Pakets später neu sortiert wird (z.B. fusioniert mit einer anderen Marke; wird eingestellt oder wieder verkauft).
Photo Credit: Screenshots Website Coty und P&G

Kommentare

  • JT sagt:

    Kompliment,sehr gut analysiert.Ist aber scheinbar noch nicht in trockenen Tüchern.