Kurznachrichten aus der Mode: Übernahmen, Übernahmen

In der Reihe Kurznachrichten aus der Mode berichten wir sonst ein bisschen über dies und das. Aber heute kann ich mich auf das Thema Übernahmen konzentrieren. Denn wenn es einen Trend im Modebusiness gerade gibt, dann denn, dass wir in der Zeit der „Wer schluckt wen?-Periode“ leben.

 

1.  Zalando kauft Bread&Butter

Oder sollen wir lieber schreiben: Zalando rettet die Bread&Butter vor der Insolvenz? Wie auch immer.  Die News schlug gestern in der deutschen Modeindustrie ein wie eine Bombe. Die Website „Online Händler News“ war eine der Ersten, die es wussten. Das Brancheninsider Fachblatt Sportswear International hat heute die Übernahme in einem inhaltlichen Kontext gestellt: Zalando braucht eine Modeplattform, Online- und Offline-Handel wachsen zusammen. Zum ganzen Kommentar der Chefredakteurin geht es hier.

 

Zalando Styleguide

Zalando Styleguide

 

Nun gibt es eine Zukunft für die Bread&Butter und die sieht wahrscheinlich so aus, dass nicht das Fachpublikum sondern alle mal gucken dürfen – und am besten auch gleich kaufen (sollen, dürfen). Wie war das noch vor wenigen Saisons? 500 Euro musste das Fachpublikum Eintritt löhnen, um die ehemals coolen Messehallen zugelassen zu werden. Na, für den Eintrittspreis wird Karl-Heinz Müller aber künftig keine Gäste mehr haben. Die Samwer-Brüder und ihre Rocket Internet Firma denken da ein bisschen anders. Daher klingen die Aussagen von Karl-Heinz Müller, die wir in der TextilWirtschaft lesen können, auch ein bisschen wie „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern, Hauptsache der Laden ist gerettet“:

Wir müssen uns jetzt aneinander gewöhnen”, sagte Karl-Heinz Müller zum Mode-Fachblatt . Er habe große Sympathien für die Zalando-Leute. „Ich freue mich, dass das Bread & Butter-Team übernommen wird. Ich bin auch an Bord. Das ist jetzt eine Riesen-Herausforderung für alle.” Zunächst habe das Team jetzt ersteinmal vollen Fokus auf die jetzige Veranstaltung in vier Wochen. „Das bringen wir jetzt ordentlich und fein über die Bühne. Danach gehen wir an die Entwicklung des weiteren Konzeptes.“

 

 

2. Rinascente steigt bei der KaDeWe-Gruppe ein

Das ist mal eine richtig schöne Investition-News in meinen Augen. Vor allem vor dem Hintergrund dieses Rumgeeiere, das wir nun seit Jahren mit den Karstadt-Kaufhäusern erleben. 50,1 %,  also die absolute Mehrheit und damit das Zepter in der Hand, hat La Rinsacente gekauft, bzw. die Investoren dahinter,  allen voran eine thailändische Handelsgruppe.

Die italienische Warenhauskette La Rinascente habe mit Karstadt-Eigner René Benko Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe geplant, teilte die Benko-Holding Signa mit, die bisher Haupteigentümer war.  Erinnern wir uns an das Engagement, dass La Rinascente in das Pariser Laufhaus Le Printemps steckte: Diese Finanzspritze katapultierte das Kaufhaus in die vorderste Reihe des Luxushandels in Paris. Als das Image wieder stimmte und die Kunden strömten, verkauften die Italiener mit Gewinn das Haus an eine Gruppe aus Katar. So geht Handelsbusiness heute! Le Printemps hat das nicht geschadet. Das Haus steht besser da als je zuvor. Hoffen wir also auf eine ähnlich positive Mutation beim KaDeWe an der Berliner Tauentzienstraße. Übrigens das erklärte Ziel der Thailänder, also der Eigentümer von La Rinascente, soll angeblich sein: Eine einzigartige Sammlung historischer Luxus-Kaufhäuser in Europa zu schaffen. Oups!

 

3. Ludwig Beck kauft Wormland

Schon ein bisschen her ist, dass Ludwig Beck, Ihr wisst schon, die am Rathauseck in München, den Multilabel-Filialisten  Wormland, Spezialist in Herrenmode und auch in München, übernommen hat. Es ist eine lokale Übernahme, die aber Ludwig Beck ein neues Menswear-Fashion-Image verleiht.  Daran haperte es bis dato. Mein Ex-Kollege Jürgen Müller hat die bayerische Lokal-Übernahme in seinem Blog Profashionals sehr gut analysiert.

 

4. Farfetch kauft Browns

Na, das ist von allen Übernahmen im Modehandel die wohl ungewöhnlichste. Farfetch ist eine Boutiquen-Plattform, bestehen aus rund 300 kleinen und weniger kleinen Trendläden und Konzeptstores, die über diesen Kanal ihr Online-Shopping betreiben. Diese kleinen Shops übernehmen nun Londons erste Adresse für Designermode? Wow!

 

Farfetch Website

Farfetch Website

 

Jose Neves, Farfetch Gründer und Vorstandsvorsitzender will aus Browns ein Art Versuchslabor für neue Handelstechnologien  machen. Dem Walt Street Journal erklärte Neves das so: „The idea is to test new digital concepts including ways to manage inventory and evaluate shoppers’ desires, all while continuing to sell to Browns’ clients in fashion and luxury.“ Spannend. Und auch hier wachsen wieder On- und Offline zusammen.

 

5. Wo die Übernahmen fehlen: Damir Doma und Kris Van Assche

„No comment!“ Von beiden Seiten, von der Presse von Damir Doma und auch von der PR-Abteilung von Kris Van Assche kam kein Kommentar auf meine Anfragen, was denn da nun los sei.

 

Kris Van Assche Werbung

Kris Van Assche Werbung

 

Kris Van Assche hatte es in den letzten Jahren nicht geschafft, ein gutes Distributionsnetzwerk für seine Eigenlinie aufzubauen und einen managementstarken Investor hatte er auch nicht an der Hand. Dem Fachblatt WWD teilte er daher vor rund einer Woche mit, dass er seine eigene Linie still legen werde und sich auf seinen Job bei Dior Homme konzentrieren will. Schade, das war eine meiner liebsten Herrenkollektionen.

 

Damir Doma Werbung

Damir Doma Werbung

 

Bei Damir Doma schaut es derzeit auch nicht gut aus. Die Marke aus Paris ist in die Insolvenz gerutscht und versucht durch eine neue Mangement-Strategie wieder auf die Füße zu kommen. Im Rahmen dieser Sanierung soll das Designstudio nach Mailand umziehen, in die Nähe der Herstellung (Das sei billiger!). Die Zweitlinie Silent wird angeblich eingestellt.  Wo Damir demnächst seine Kollektionen zeigen wird, ist unklar. Bei der Pariser Herrenmodewoche steht er auf alle Fälle nicht auf dem Kalender.

 

Photo By: Screenshots Website Zalando, Farfetch, Kris Van Assche und Damir Doma

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