Louis Vuitton Resort in Palm Springs

Zwischenkollektionen, wie die Cruise und Resort, haben sich in den vergangenen zwei Jahren zu echten Show-Events gemausert. Die Kollektionen, die einst nur als modisches Amuse-Gueule für die Kunden gedacht waren, die sich extra für den Urlaub eine neue Garderobe anschaffen, sind heute nicht mehr aus den Saison-Zyklen weg zu denken. Sie füllen die Läden in einer Zeit, wo die Hauptkollektionen schon etwas hängen, mit frischer Ware. Diese Kollektionen sind (naja, waren) meist kommerzieller ausgerichtet und verkaufen sich deshalb wie geschnitten Brot. Oft greifen sie die Trends der vorausgegangenen Hauptkollektion noch einmal auf und deklinieren sie gemäßigter. Wie, wo, was, wann haben wir in diesem Artikel schon einmal erklärt.

 

louis_vuitton_resort_ss16_0052

Wettbewerb um die tollste Location

Jedoch in den letzten zwei Jahren sind diese Kollektionen mehr und mehr aus ihrem Schatten-Dasein getreten. Statt diskreter Präsentationen vor einer Handvoll Leuten wird heute das große Rad gedreht: tolle Shows, massenhaft Promis in der Front-Row, die Gäste werden an fremde Orte eingeflogen und am besten bucht man oben drauf noch eine besondere Location. Nachdem Chanel die Latte hoch gesetzt hat und letzte Woche in Korea in einem Zaha Hadid Bau zeigte und zeitgleich Christian Dior bekannt gab, dass sie nun – Überraschung!! – in Südfrankreich in Pierre Cardins futuristischen Palais Bulles die Resort-Kollektion zeigen werden (einem Haus, das dem der Barbapappas sehr ähnlich ist und einen absoluten Kultstatus besitzt), musste Louis Vuitton mithalten und auch was Schickes vorweisen: Die Wahl fiel auf Palm Springs in einem von John Lautner designeten Beton-Haus mit spektakulären Formen, hoch oben über der Stadt. Ein architektonisches Schmuckstück. Die Kulisse war schon mal top.

 

Louis Vuitton Resort

Kollektion: Mittelalter oder Mad Max?

 

Nicolas Ghesquière ist ein Designer, dessen Ideen man oft erst zwei Saisons später versteht. Das galt bisher immer für seine Hauptkollektionen. Dass ich nun dieses Feeling selbst bei einer Resort-Kollektion habe, ist neu. Der Franzose macht aus der Zwischenkollektion, wie viele andere Häuser auch, ein modisches Statement auf dem Niveau einer Hauptkollektion. Die Resort hat keine Platzhalter-Funktion mehr, sie ist eigenständig und ebenso kraftvoll für das Gesamtimage einer Marke.

 

louis_vuitton_resort_ss16_0029

Ghesquière ist ein Kind der 80er, liebt Science Fiction und style.com mutmaßte, dass diesmal das Revival von Mad Max eine starke Rolle für die Inspiration gespielt hatte. Hm.  Aus irgendeinen Grund aber sehe ich nun in dieser Kollektion keinen Blick in eine unschöne Zukunft, bei der alle Erdbewohner auf der Suche nach Trinkwasser sind, sondern mir geistert beim Anblick der langen Roben ständig das Mittelalter durch den Kopf. Hat Nicolas Ghesquière zu viel Games of Thrones geguckt?

 

louis_vuitton_resort_ss16_0009 louis_vuitton_resort_ss16_0046 Louis Vuitton Resort

Louis Vuitton Resort louis_vuitton_resort_ss16_0022

Die Schnittführung nahe am Körper, manchmal blitzen unten weiße Unterkleider hervor und dann die sehr auffälligen, über Kreuz gelegten Gürtel, die nicht wirklich eine Funktion erfüllen, sondern Zier sind. Sie erinnern mich entfernt an Keuschheitsgürtel.

 

louis_vuitton_resort_ss16_0002 louis_vuitton_resort_ss16_0004

Manche Jacken wirken wie mittelalterliche Rüstungen.

 

Louis Vuitton Resort

 

Es ist als ob die Mode des Mittelalters in unsere Epoche gebeamt wurde, versehen mit vielerlei Reißverschlüssen und kombiniert zu bequemen Sneakers, Zehensandalen und trittfesten Trekkingschuhen.

 

Louis Vuitton Resort Louis Vuitton Resort

Das hat etwas, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht versteht. Aber beim zweiten und dritten Blick erkennt man die wahnsinng tollen Lederarbeiten: ausgestanzt, Leder zu Lochstickerei verarbeitet, mit geraffen Schulterpartien. Die feine Stoffwahl, ein raffiniertes Crossdressing zwischen Abendmode und Beach-Kleidung.

 

louis_vuitton_resort_ss16_0033

Auf der anderen Seite haben wir die futuristischen Elemente, die wir von Ghesquière gewohnt sind. Sweaters, die wie 2017 aussehen und die wir jetzt schon haben können. Lederjacken, kurz, steif und typisch Ghesquière, die einfach nur cool sind. Hosen im perfekten Schnitt. Oder Kombinationen wie knappe Shorts zum Langarmtop.

 

louis_vuitton_resort_ss16_0026 louis_vuitton_resort_ss16_0014 louis_vuitton_resort_ss16_0015 louis_vuitton_resort_ss16_0034 louis_vuitton_resort_ss16_0038 louis_vuitton_resort_ss16_0032 louis_vuitton_resort_ss16_0012 louis_vuitton_resort_ss16_0007

Fazit: Ich denke, diese Resort-Kollektion wird einiges an Impulse für die künftige Mode liefern. Ideen, die wir bald ganz toll finden werden, aber die wir gerade noch nicht ganz zu 100% verstehen. Aber vor allem zeigt sie, mit welcher Vehemenz die Zwischenkollektion ihr Eigenleben fordern.

Fotos: Catwalkpictures

3 Kommentare zu
“Louis Vuitton Resort in Palm Springs”
  • Wie immer eine sehr gute Analyse und handwerklich ist das ganz klar Spitzenklasse. Aber ganz ehrlich, wer außer Charlotte Gainsbourg und Natalia Vodianova sieht darin richtig gut aus, oder besser, als in anderen teuren High-Fashion-Teilen. Ich bin groß genug für die langen Kleider, liebe Lous Vuitton, würde aber für das Geld immer ein Kleid kaufen, in dem ich erstens gut aussehe, wie eine moderne Frau (das geht in Richtung elegant, bei den Preisen) und bitte nicht verkleidet wie ein Ghesquiere-Groupie …. da gibt es immer viel besseres. Das ist für mich der Punkt!

    Und wenn ich schon dabei bin, ich hoffe, das mit diesen teilweise gruselig hässlichen Stoffen mit Prints, wird irgendwann besser.

  • I agree with Eva. The designs are not very flattering – in a very broad sense. I do not talk of a desire for super sexy, skin tight whatever looks. The looks are simply not very „accessible“. The craftwork is interesting, but it doesnt translate or connect with the person wearing it.

Kommentar hinterlassen

Your email address will not be published.

Follow our travels on Instagram: