Maria Luisa Poumaillou verstorben

Wenn man von den Leuten in der Mode spricht, dann redet man gerne über Designer, Models und manchmal auch über Chefredakteurinnen. Doch selten spricht man über Händler, dabei sind sie das wichtige Bindeglied zwischen Mode und uns, den Konsumenten. Wenn ein Label oder ein Look nicht vom Handel geordert wird, wird er ein schönes Bild vom Laufsteg bleiben und nie produziert werden. Dass wir das, was wir auf Catwalkbildern bewundern, auch kaufen können, dafür gibt es die Einkäufer. Gestern ist eine der wichtigsten Einkäuferinnen der Mode überhaupt von uns gegangen: Maria Luisa Poumaillou, die jeder in Paris nur unter Maria Luisa kannte.

 

Maria Luisa Poumaillou-Modepilot

Maria Luisa sehen wir hier auf den Schauen im September 2014 auf dem Weg zu Chloé.

Man sah ihr nicht an, dass sie Krebs hatte und dagegen kämpfte. Die immer top aussehende Venezualerin, geboren in den 50er Jahren in Caracas, kam im Alter von sieben Jahren nach Paris, als ihre Eltern vor der Diktatur flohen. Bereits als Kind begleitete sie ihre Mutter zu den Modeschauen. Nach Abschluss der renommierten Eliteuniversität Science Po stieg sie in die Mode ein.

Mit ihrem zweiten Mann Daniel Poumaillou eröffnete sie 1988 ihre erste Boutique in der Rue Cambon. Sie führte alle Designer, die damals die Mode bestimmten, wie Galliano, McQueen, Westwood, Yamamoto, Miyake, Margiela, Demeulemeester oder Helmut Lang.  Die zweifache Mutter entwickelte schnell ein Gespür für aufkommende Talente. Bekannte Designer wie Olivier Theyskens, Rick Owens, Nicolas Ghesquière, Riccardo Tisci oder Christopher Kane wurden von ihr entdeckt und gefördert, lange bevor sie international bekannt wurden.

 

Schuhabteilung im 1. Laden von Maria Luisa

Schuhabteilung im 1. Laden von Maria Luisa

Maria Luisa: Lieblingsshop der Mode-Insider

 

Während der Modewochen ging es in ihrem früheren Geschäft zu wie im Taubenschlag. Models, Designer und Einkäufer drängelten sich in den engen Räumen, um zu sehen, was Spürnase Maria Luisa wieder Neues entdeckt hatte. Wie ihre Schreiberkollegin Suzy Menkes saß Madame Poumaillou pflichtbewusst auch in den kleinsten, schlecht belüfteteten Shows irgendwelcher Newcomer, die andere Journalisten und Einkäufer gerne mal ausfallen ließen. 2008 schloß sie ihre Boutique und eröffnete eine neuere, kleinere in der Rue Mont-Thabor, wo sie ihr Handels-Konzept für Designer-Fundstücke und Kollektions-Highlights weiter zuspitzt.

 

Maria Luisa's zweiter Laden in Rue Mont Thabor

Maria Luisa’s zweiter Laden in Rue Mont Thabor

 

Nur eineinhalb Jahr später schließt sie überraschend diese neue Boutique und sagt, dass die Zeit des Multimarken-Handels sich gewandelt hat (Siehe auch dieser Artikel). Maria Luisa steigt ins Online-Business ein zusammen mit The Corner, aber die Macher vom Nobel-Kaufhaus Le Printemps haben noch andere Projekte mit ihr vor.

 

Maria Luisa mit den Machern von Le Printemps

Maria Luisa mit den Machern von Le Printemps

 

Sie schnappen sich die Trendspotterin, machen sie zur Beraterin (Fashion Editor) und geben ihr eine eigene Boutique in der Designeretage ihres berühmten Kaufhauses. Die kleine Fläche zwischen den Aufzügen und der Treppe könnte nicht besser positioniert sein. Alle Kunden müssen hier durch, um von einem Bereich der Etage in den anderen zu kommen.

 

Designer-Fläche Maria Luisa im Le Printemps

Designer-Fläche Maria Luisa im Le Printemps

 

Maria Luisa bestückt ihr neues Reich in schnellen Wechsel mit Hightlights aktueller Designerschauen, gemischt mit Semi-Haute Couture-Stücken. Viele Newcomer finden hier einen Platz und den Einstieg in den internationalen Handel. Die ausgewählten Stücke der Mode-Expertin bleiben oft nur wenige Wochen, manche nur wenige Tage im Laden. Die Durchgangs-Fläche ist für Le Printemps auch eine Art Labor: Verkauft sich ein Designer gut und schnell, bekommt er einen eigenen Corner im Kaufhaus angeboten. So kam Victoria Beckham zu einem Shop-in-Shop im Le Printemps.

Kunden auf der Suche nach etwas Außergewöhnlichen werden bei Maria Luisa fündig und erzählten später stolz, wo sie den „tollen Look“ gekauft haben. Die Laborfläche ist heute längst ein Aushängeschild des Kaufhauses. 2012 folgt deshalb ein Maria Luisa Hochzeits-Corner im Le Printemps und 2013 eröffnet die unermütliche Händlerin zusammen mit der chinesischen Gruppe Malzy mehrere Boutiquen in China. Kurz danach lanciert sie sogar eine kleine Modelinie.

 

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Maria Luisa hinterlässt eine große Lücke

Sie war eine ebenso diskrete wie stilvolle Dame. Immer guter Laune und sympathisch. Sie hatte das, was man nicht wirklich lernen kann: ein echtes Gespür für die Mode. Dass sie gestern ihrem Krebsleiden erlag, reißt eine große Lücke nicht nur in die Pariser Modewelt. Viele Designer, die noch am Anfang stehen und die vielleicht Maria Luisa noch nicht einmal kannten, haben ohne es zu wissen einen Business-Angel verloren. Denn durch die aktuelle Entwicklung zu immer mehr Flagship- bzw. Monomarken-Stores, schwindet für Newcomer die Chance in den Handel zu kommen. Die Markenvielfalt der Mode wird darunter leiden, denn vom Schlage einer Maria Luisa gibt es nicht viele auf der Welt.

Nachtrag, weil ich gerade einen wirklichen schönen Nekrolog ihres Mannes zugemailt bekommen habe:

MARIA LUISA POUMAILLOU, April 7th 2015

Her last fashion show….. Because it was one… It was just that she hadn’t asked for the wallpaper of her room at the American Hospital to be changed….

Her nails were perfectly done, her hair was impeccably styled and she left with a final gentle message on her lips.

Without pain, nor suffering, nor anguish, she was gone in a flash, to the paradise of the greatest pillars… the pillars of fashion but also to those of Life itself..
 
Because Maria Luisa was unique … A real personality, and a great one… She was an exceptional woman, and made no concessions. She was „true to herself“ as she always insisted, one who dared, who opposed, who defended her convictions  tooth and nail… with a perfect balance of elegance and humor. A truly incredible woman who loved passionately, and who contributed immensely to the world of fashion with her big heart as much as she did with her immense talent.
 
She wouldn’t like us to grieve or to feel heavy hearted. Let us carry her in our hearts the way she would have wanted us to : happy, bursting with energy, cheerful and passionate about life.

Daniel Poumaillou

Fotos: PR (Totem, Le Printemps), Barbara Markert (1), Portrait entnommen der Website Maria Luisa

 

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