Hermès: der diskrete Designerwechsel

Nadège Vanhee-Cybulski hat ihre erste Hermès-Kollektion abgeliefert und damit eine würdige Nachfolge vom gefeierten Christophe Lemaire angetreten.
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Wenige Tage nach der Schau hörte ich so manche Stimmen, die meinten: "Was für eine langweilige Show!" Tatsächlich sieht die Kollektion auf den Bildern sehr klassisch aus, aber genau damit ist Nadège Vanhee-Cybulski  – meiner Meinung nach  – eine Punktlandung geglückt. Das Thema ihrer Debütkollektion ist klar : Hermès Heritage.  Die Show fand in einer Reithalle statt, konkret der republikanischen Wache genannt Manège des Célestins. Reiten und Hermès das gehört nunmal zusammen wie Baguette und Butter.
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Die gesteppten Lederjacken hatten als Inspiration traditionelle Satteldecken, die Taschen an den Mänteln sahen aus wie die Taschen an Kutscherjacken, die Röcke waren teilweise mit Carrée-Stoffen überzogen und das Jacquard der Tops (Übrigens eine Neuheit bei Hermès! Jacquard war kein Material, das Lemaire je benutzte.) hatte das Motiv eines traditionellen Seidencarrées mit Pferdegeschirr-Utensilien.
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Rund herum ging es um die Insignien, mit denen Hermès lebt und für die da Haus steht: Tradition, Reiterei und Qualität.  Das ist wohlgemerkt nichts Neues. Doch genau damit schuf Nadège Vanhee-Cybulski Stücke für die Ewigkeit, was bei den Preisen von Hermès auch angebracht sein sollte. Schnelle Trends passten noch nie zu diesem Haus. Aber einen guten dunkelblauen Wintermantel, den man über Jahre hinweg anziehen kann, der passt und den kann jeder gebrauchen.
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Die Designerin, die von The Row kommt, hat also eigentlich nur und in perfekter Weise die Zielgruppe bedient. Und das ist ihr hoch anzurechnen.
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Mir fiel angenehm auf bei Durchsicht der Modelle im Showroom, dass weniger Leder bei den Kleidern verarbeitet wurde. Lemaire hatte in manchen Saisonen etwas mit diesem Material übertrieben. Auch der spanische Konkurrent Loewe macht das gerne, um sein Savoir-Faire zu zeigen. Doch ist das noch zeitgemäß? Nicht unbedingt. Die neue Hermès-Designerin denkt da in modernen Strukturen einer weiblichen Garderobe. Es muss nicht immer Leder sein, aber gerne ein gutes Kaschmir-Teil oder ein schöner Wollmantel. Sie hat auch sehr viele, schlichte Strickkleider im Angebot aus Wolle und gestrickter Double-Face-Seide. Die sind traumhaft schön, schmeicheln der Figur und sind schön casual im Tragekomfort.
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Also ich bin mit der neuen, ebenso tragbaren wie auf den Punkt gebrachten Klassik der Nadège Vanhee-Cybulski sehr zufrieden. Aber an ihre neue, eckige und steife Taschenform muss ich mich erst gewöhnen.
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Hier auch noch das Modepilot-Video zum Abschluss-Lauf.
Fotos: Catwalkpictures
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