Maison Margiela oder Maison Galliano?

Als ich gestern abend mir die Schau vom Maison Martin Margiela auf den Bildern anschaute, war ich ebenso geschockt, wie auch leicht erbost über das, was John Galliano für das Haus, das ich sehr schätze, abgeliefert hat. Ich beschloss erstmal ins Bett zu gehen. Meine Meinung gestern abend war diese: Galliano pflegt sein eigenes Ego statt seine Kreativität für ein bestehendes und hoch geschätztes Haus einzusetzen.
Maison Martin  – und sage aus ganz gutem Grund MARTIN  – Margiela und lasse den Vornamen des Gründers nicht weg, stellte die Mode in den Vordergrund, nicht das Drumherum. Eine Karnevals-Maskerade à la Galliano auf den Gesichtern der Models, die sonst Masken oder Strümpfe über den Kopf trugen, hat hier nichts verloren.
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Auch ein Klamauk auf dem Laufsteg, wie dieser da, ist fehl am Platz:
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Dass das Model Putzhandschuhe trägt, also etwas, was Margiela durchaus über den Laufsteg geschickt hätte, rechtfertigt nicht dieses Theater.  Jedoch die Tüte, die sie als Tasche in der Hand hält, ist eindeutig Margiela, sprich der Wahre und Echte.
Dieses Bild gab mir den Hinweis, genauer hinzusehen. John Galliano machte schon früher immer den Fehler, seine Mode so überdreht darzustellen, dass niemand die eigentliche Schönheit sah. Unter uns: Er ist ein anstrengend oder vielleicht auch nur anspruchsvoll. Nach dem Motto: "So liebe Moderedakteurinnen, nun zerbrecht Euch mal schön den Kopf darüber, was ich damit wollte und wo die schönen Outfits zu finden sind." Ja und auf den ersten Blick ist es die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Also suchte ich:
Beispiel 1: Die Idee ist, aus dem Model eine Holzpuppe zu machen. Es funktioniert. Beim ersten Hinsehen dachte ich nur: Ist die echt? Das ist sehr Margiela. Das Kleid an sich ist auch ganz schön.
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Beispiel 2: Das ist ja nun ein Outfit, das auf den ersten Blick ganz annehmbar ist.
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Beispiel 3:
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Lange Mäntel gehören zu Margiela, wie die Butter aufs Brot. Aber hier hat Galliano klar seinen Stempel aufgedrückt mit dem 70er Jahre Kragen und der Taillierung.
Mit so einer Analyse, woher kommt was, könnte ich nun fast jedes Modell durchleuchten. Fazit: Bei einigen schaffte Galliano den Dreh zum Haus, bei anderen nicht.
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Diese Fell-Schuhe ist eh ein typisches Margiela-Stilmittel. Martin Margiela war der erste, der diese Art Gezottel ĂĽber den Laufsteg schickte.
Aber es gibt auch viele Modelle, die rein gar nichts mit dem Haus zu tun haben, wo John Galliano einfach sein Ding durchziehen wollte. Siehe diese beiden hier:
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Ich lasse hier noch ein paar Modelle in der Galerie stehen, wo Ihr selbst herausfinden dĂĽrft, ob es zum Haus passt oder nicht.
John Galliano selbst zeigte sich am Ende nicht auf dem Laufsteg. Angeblich, so die Presse, war der Applaus groĂź. Ich allerdings bin trotz der nun genaueren Analyse der Modelle nicht vollends ĂĽberzeugt. Die Ausrede, dass sich John Galliano erst warm laufen muss (O-Ton Suzy Menkes), wird auch nicht ewig funktionieren. Renzo Rosso ist mit der Anstellung Gallianos ein Risiko eingegangen. Nun muss er damit leben. Aber ich denke, Rosso ist Unternehmer genug, die Richtung zu weisen. Wie auch immer er das tun wird.
 
Fotos: Catwalkpictures
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Kommentare

  • frederik sagt:

    Dekonstruktivismus ist auch das Stilmittel fĂĽr diesen seltsamen und unsinnigen Beitrag.

    "Unter uns: Er ist ein anstrengend oder vielleicht auch nur anspruchsvoll."

    Was ist das fĂĽr ein Satz?


  • John Galliano Maison Margiela Fall-Winter 2015/16 | Horstson sagt:

    […] man sich die Kollektion genauer an, Barbara Markert hat es für den Modepiloten gemacht, kommen hinter all dem Make-up und der eigensinnigen Präsentation dann auch für das Label […]