Esprit Dior Tokyo: ein japanischer Herbst

Valentino zeigt eine Zusatz-Haute Couture in New York, Chanel seine Metiers d'Art in Salzburg, Tom Ford wird seine künftige Prêt-à-Porter nicht in London sondern in Los Angeles zeigen und Raf Simons wählte als Standort für seine die Pre-Fall-Kollektion, die ab sofort und künftig immer "Esprit Dior" heißen wird, die japanische Hauptstadt Tokyo als Schauenstandort. Die Mode geht mehr und mehr auf Reisen.
Für das Haus Dior ist es das erste Mal, dass eine Pre-Fall, also eine Zwischenkollektion  (Was das ist haben wir dieses Jahr genau erklärt), in einer so großen Show gezeigt wird. Daher kann man diese Esprit-Dior-Kollektion auch als eine Art Statement werten, dass Zwischenkollektionen eine immer größere Rolle einnehmen. Diese Kollektion könnte auch als eine Hommage sehen sein zur historischen Verbundenheit zwischen Dior und Japan. Raf Simons ist außerdem ein bekennender Tokyo-Liebhaber
Doch zuallererst macht Euch mal einen Eindruck vom spektakulären Ambiente, das  Dior in einer Sumo-Halle installiert hatte.
Dior und Japan – das ist eine lange Geschichte. Christian Dior hatte in seinem Haus in  Granville (Normandie) das Treppenhaus mit großen bemalten Tafeln behängt, die japanischen Briefmarken nachempfunden waren. Sie bildeten seine eigene "Sixtinische Kappelle", meinte der Designer damals. Seine Liebe zu Japan verarbeitete der Dior-Gründer später in der Frühjahrs-Kollektion Haute Couture 1953 in einem Kleid, das er "japanischer Garten" nannte. Er ließ es mit einem Vogel auf einem Kirschblütenzweig besticken. 1957 fuhr Christian Dior erstmals nach Japan, um dort seine Kollektion zu präsentieren und die kaiserliche japanische Familie besuchte ihn daraufhin in Paris. Die gegenseitige Anerkennung gipfelte in der Kreation dreier Roben für die Prinzessin Michiko, der späteren Frau des Kaisers Akihito. 1998 eröffnete Dior seine erste Boutique in Japan. Inzwischen gibt es vier davon nur in Tokyo, die letzte wurde eben erst eröffnet. Zudem ist dort gerade eine Ausstellung am Laufen: Thema  Dior gesehen durch das Auge von Patrick Demarchelier. Es gibt also genügend Gründe, warum Raf Simons, der aktuelle Dior-Designer, in Tokyo seine Show zelebrierte.
Hier erklärt Designer Raf Simons mit eigenen Worten, was er im Sinn hatte bei der Kreation dieser Kollektion.
Sehr lustig finde ich, dass Raf Simons meint, dass seine Kollektion für den Garten geeignet wäre. Eher wohl, um damit durch den vom Gärtner bearbeiteten Garten zu gehen und zu ordern, wo man die nächsten Rosensträuche gepflanzt haben möchte. Auch für den Weg zum Kindergarten eigne sich seine Mode. Dann aber darf das Kind bitte nicht seine Nase an Mamas Mantel abputzen.
Doch gehen wir ins Detail dieser Paris meets Tokyo-Kollektion, die klare Elemente der DNA von Dior mit dem modischen Mut der Japaner verbindet. Unter dem künstlichen Schneeflocken des Fuji zeigte Raf Simons kantige Mode mit Kontrastnähten (sehr Dior!) und Pullis zum Drunterziehen, die sehr nach japanischen Mangas aussehen. Wie übrigens auch die Zopffrisuren, die die Models trugen.
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Hier seht ihr noch ein paar zusätzliche Modelle in der Galerie:
 
Mir gefallen vor allem die Mäntel, die Outfits mit den weiten Hosen und die Midi-Kleider. Es ist eine runde Kollektion, die gut der herbstlichen Saison entspricht. Die hohen Plateau-Stiefel werden sicherlich ein Renner sein, sind aber weniger mein Fall.
Ich bin auch gespannt, in welcher Stadt die nächste Esprit Dior gezeigt werden wird.
Fotos: Catwalkpictures
Videos: Dior
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