Frida Giannini und di Marco verlassen Gucci

Oh, das sind in meinem Augen ganz schlechte Nachrichten. Der Luxuskonzern Kering verkündet heute, dass Patrizio di Marco, CEO von Gucci, und Kreativdirektorin Frida Giannini das Haus verlassen werden.  Giannini wird im Febraur noch ihre Winterkollektion 2015-16 in Mailand zeigen und scheidet Ende Februar aus. Ein neuer Kreativdirektor soll bald bestimmt werden, steht in der Pressemitteilung von Kering.
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Frida Giannini kam 2002 zu Gucci, wo sie unter Tom Ford anfangs für die Lederwaren zuständig war. 2005 übernahm sie die Leitung  der Women’s Ready-to-Wear, nur ein Jahr später wurde sie zur Kreativdirektorin ernannt. Sie krempelete den Stil des Hauses, der noch stark von Tom Fords sexy Fashion geprägt war, um und lehnt sich seitdem an die Historie des Hauses an, das immer schon Stilikonen eingekleidet hatte. Dieser stilvolle und auch imageträchtige Turnaround kam zur richtigen Zeit. Frida Giannini macht Gucci zu einem Haus, das mit Handwerk glänzte, der Modernität verschrieben war ohne seine Wurzeln und seine fast hundertjährige Geschichte zu vergessen.
Unter der Leitung der heute 42-jährigen Römerin wurden nicht nur alle Stores umgebaut, sie entwicklete die Brand auch weiter, lancierte in Kooperation mit Procter & Gamble Düfte und ganz neu auch eine Make-Up-Linie. Auch das Lizenzgeschäft wurde ausgebaut um Brillen.
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Patrizio di Marco kam von Prada und war 13 Jahre bei Kering, erst als Chef von Bottega Veneta, dann bei Gucci, wo er insgesamt sechs Jahre die Geschicke leitete. Unter seiner Leitung  erfolgte ein Upgrading der Marke und die Gewinnung neuer Kundengruppen. Großen Wert legte di Marco auf das handwerkliche Erbe der Marke, das er nutze um Gucci nach vorne zu bringen und mit Innovationen zu glänzen. Gucci wurde unter seiner Führung zur Perle in der Kering Group und auch zur Cash Cow mit höchster Rentabilität.
Er geht zum 1. Januar 2015. Sein Nachfolger ist Marco Bizzari.
Kering Chef François-Henri Pinault, spart nicht mit Lob für beide: “I truly enjoyed working with Patrizio over those years. The great performances achieved by the Gucci brand during his tenure stand as a testament to his success. His strategic vision, passion, dedication and charisma were key to bring Gucci where it is today. I want to warmly thank him and wish him the very best in his future endeavors.
I would like to thank Frida for her extraordinary passion, dedication and contribution to the Gucci brand. She has been the sole Creative director of Gucci for close to a decade. This is a remarkable accomplishment, considering the level and breadth of responsibility of overviewing all the aspects related to product and image for such a global brand during such a long period of time. I am truly grateful to her for her achievements, creativity and the passion that she has always instilled in her work.”
Warum also müssen di Marco und Frida Giannini  (Sie sind übrigens auch privat ein Paar. Sie haben eine gemeinsame Tochter.) gehen? Die aktuellen politischen Entwicklungen mit den Protestaktionen in Hongkong haben Gucci finanziell belastet. Der wichtige asiatische Markt strauchelt. Der Preisverfall des Erdöls tut den Luxusunternehmen auch nicht gut. Die Umsätze sind derzeit rückgängig. Bereits seit einiger Zeit gab es Gerüchte, dass die Strategie des Upgradings bei Gucci nicht nur positive Folgen hat. In diesem Umfeld kamen auch Stimmen auf, dass Frida Giannini gehen könnte. Alle diese Prophezeiungen sind nun eingetreten.
Was passiert weiter? Der neue CEO Marco Bizzarri wird direkt an François-Henri Pinault berichten. Ziel der Marke ist nun internationales Wachstum und Stärkung der Position in einem "sich wandelnden Luxusmarkt", wie es in der Pressemitteilung heißt. Jedoch wolle man entgegen der Gerüchte an der Strategie des Upgradings  bzw. Anheben der Marke festhalten. Pinault wird interimsweise Chef der Konzern-Abteilung ‘Luxury – Couture & Leather Goods’, die Bizzari bisher inne hatte.
François-Henri Pinault erklärte zudem, dass Gucci eine ikonische Marke ist, die bestens in der Welt des Luxus bekannt ist. Das sei den Mitarbeitern zu verdanken. Dieses Know-How und das reiche Erbe sind die Bausteine, auf denen nun die Geschichte in die Zukunft weitergesponnen werden soll.
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Der neue CEO Marco Bizzarri, 52 ist seit April dieses Jahres wie eingangs erwähnt Generaldirektor der Konzernabteilung "Luxus- Couture & Maroquinerie", davor arbeitet er wie sein Vorgänger di Marco bei Bottega Veneta und davor bei Stella McCartney, wo er 2005 anfing. Er sitzt  auch seit 2012 als Mitglied in der Geschäftsleitung von Kering. Bizzari war vor seiner Tätigkeit in der Mode als Unternehmensberater in der Strategieberatung von Accenture aktiv. Danach arbeitet er bei Mandarina Duck und wurde Generaldirektor  bei Marithé & François Girbaud in Paris.
Photo Credit: Kollektion SS2015 by Frida Giannini, Credit: Catwalkpictures

Kommentare

  • chael sagt:

    What a pity. Loved the Art deco inspired collection a few years ago
  • chael sagt:

    PS: rumor has it that Riccardo Tisci will be Gucci's next creative director
  • Isabelle Braun sagt:

    und am 27.11. hattest du es mir schon vorhergesagt...