Die Marke Paul Poiret steht zum Verkauf

Die letzten Jahre wurden immer wieder alte Modemarken aus ihrem Dornr√∂schenschlaf gerr√ľttelt. Wir erinnern uns an Carven, Balmain, Lanvin und die j√ľngeren Versuche bei Vionnet und Schiaparelli. Nun steht wieder eine historische Modemarke zum Verkauf und was f√ľr eine! Paul Poirets Markenrechte suchen 80 Jahre nach Schlie√üung des Hauses einen neuen Besitzer.
Bildschirmfoto 2014-10-28 um 12.28.28
Wer war Paul Poiret (1879 -1944)? Der Pariser ging bei Jacques Doucet und Charles Frederick Worth, dem Erfinder der Haute Couture, in die Lehre und gr√ľndete 1904 sein eigenes Modehaus. Sehr schnell erlange er Ruhm und Erfolg. Er hatte die Idee, seine Entw√ľrfe in Form von Modealben zu ver√∂ffentlichen, was schlichtweg ein genialer PR-Coup war. Dabei arbeitete er mit den bekanntesten Illustratoren und Malern seiner Zeit zusammen.
Bildschirmfoto 2014-10-28 um 11.16.15
Er beeinflusste wie kaum ein anderer die Mode Anfang des 20. Jahrhunderts und wurde von den Amerikanern sogar "King of Fashion" genannt. Die Franzosen bezeichneten ihn als "Le Magnifique". Er befreite die Damen mit seinen weiten, locker sitzenden Kleidern vom Korsett (Ja, Coco Chanel war l√§ngst nicht die einzige!) und propagierte sogar Hosenr√∂cke, als dessen Erfinder er gilt. Zwei seiner Entw√ľrfe gingen in die Modegeschichte ein: Erstens das Lampenschirmkleid, eine Tunika, die am Saum mit Draht verst√§rkt war und steif seine Tr√§gerin umgab. Und zweitens die Harems-Hose, die immer wieder neu in die Mode zur√ľckkehrt. Zu seinen Kundinnen z√§hlten Isabella Duncan und Sarah Bernardt.
Bildschirmfoto 2014-10-28 um 12.27.55
Paul Poiret war der Kunstszene, vor allem der Art D√©co, stark verbunden und viele seier Entw√ľrfe sind inspiriert von Auff√ľhrungen und Theaterst√ľcken. Als das russische Ballett in Paris Halt machte, beeinflusste das seine Mode stark. Der Designer lancierte lange vor Coco Chanel 1911 sein erstes Modeparfum. Als echter Marketingprofi verkaufte er auch Kosmetik, Stoffe und sogar Inneneinrichtungen. In Form von Trunk-Shows reiste er in die damals wichtigen Metropolen wie London und Moskau, um seine Kollektionen vorzustellen. Zuhause in Paris veranstaltete er wilde Partys, die in die Geschichte des Pariser Nachtlebens eingingen.
Bildschirmfoto 2014-10-28 um 11.16.45
Nach dem ersten Weltkrieg begann sein Stern schnell zu sinken und Coco Chanel wurde die einflussreichste Pariser Designerin. Seine Entw√ľrfe mit zu teuren Stoffen entsprachen nicht mehr der Zeit, das Haus wurde insolvent und musste 1929 schlie√üen. Die Rechte an seinen Parfums wurden verkauft. Ein Jahr zuvor kam es nach 22 Ehejahren zu einer¬† - angeblich¬† - nicht sehr feinen Scheidung von seiner Frau Denise Boulet, mit der er f√ľnf gemeinsame Kinder hatte. Paul Poiret verarmte, geriet v√∂llig in Vergessenheit und als er 1944 starb, zahlte Elas Schiaparelli seine Beerdigung. Seine Ex-Frau √ľbernahm das Erbe.
Bildschirmfoto 2014-10-28 um 12.28.12
Poiret wurde gerade Anfang des neuen Jahrtausends mit vielen Ausstellungen geehrt. Auch eine Auktion seiner Modelle erzielte Rekorde. Er beeinflusst damals wie heute Designer: Christian Dior √ľber Jean-Paul Gaultier, John Galliano bis zu Marc Jacobs zollten seinen Entw√ľrfen Tribut.
Luvanis, eine Investmentfirma, gegr√ľndet 2009 von Arnaud de Lummen, h√§lt heute alle Rechte an der Marke und will diese nun ver√§u√üern. Die Familie de Lummen wurde bekannt als unerfolgreiche Wiedererwecker der Marke Vionnet. Wir berichteten. Tats√§chlich aber hat sich die Familie weiter auf den Rechtehandel mit alten Modemarken spezialisiert und steckt angeblich auch hinter dem Verkauf der Marke Moynat an LVMH, bzw. die Arnault Gruppe.
F√ľr den Verkauf von Poiret hat sich Luvanis die Londoner Bank Savigny Partners LLP zur Hilfe geholt. Dass im Vorfeld dieser Rechte-Verkauf bekannt wurde und selbst mit einer Pressemitteilung promoted wird, ist ungew√∂hnlich. Solche Transaktionen werden in der Regel diskret abgeschlossen. Ob ein Revival mit Paul Poiret gelingt, ist meiner Meinung nach fraglich. Denn der Markt der wiedererweckten Marken scheint mir ausgereizt und nicht mehr der aktuellen Wirtschaftslage entsprechend.
Fotos: Entnommen aus dem Pressedossier Luvanis, Bilder des Metropolitan Museums
Photo Credit: false

Kommentare