GerĂŒcht: Galliano Come-back bei Margiela

Ich schreibe extremst ungern ĂŒber GerĂŒchte. Doch erstens habe ich es gestern aus ziemlich gut informierten Kreisen gehört (Designer-Small-Talk) und zweitens kursiert das GerĂŒcht gerade wie wild durch die Medien: John Galliano soll angeblich zu Maison Martin Margiela gehen und dort die "Haute Couture" machen, so schreibt es das Celebrity-Webmagazin Page Six. Die wiederum berufen sich auf einen Artikel im französischen Politmagazin Le Point, wo von Margiela aber gar keine Rede ist. Und le Point hat einfach nur Fernsehen geguckt auf Canal+ und dort dieses Interview mit Galliano gesehen. Im Interview lĂ€sst Galliano die letzten Jahre Revue passieren, erzĂ€hlt im Groben und Ganzen, dass er eine Entziehungskur gemacht habe, dass es ihm gesundheitlich wieder besser gehe und er fĂŒr ein Comeback bereit sei nach dem großen Skanal um antisemtische Beschimpfungen in einer Bar in Paris, die ihm seinen Job bei LVMH kosteten. Galliano flog im Februar 2011 nicht nur bei seinem eigenen Label raus, sondern auch bei Dior. 
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Woher nun die Info mit der Haute Couture mit Margiela kommt? Keine Ahnung. Und die Haute Couture heißt beim Maison Martin Margiela auch nicht Haute Couture sondern Artisanal. Aber das sind Spitzfindigkeiten. Dass Galliano noch zusĂ€tzlich eine "echte" Haute Couture" bei Margiela aufbauen soll, kann ich mir gar nicht vorstellen, denn irgendwie passt das nicht zur Idee des Hauses. Renzo Rosso, EigentĂŒmer vom Maison Martin Margiela, hat das GerĂŒcht natĂŒrlich abgestritten, zeigte sich aber als Galliano-Fan: "Who wouldn’t like to work with him? If he ever got back his name, I would be the first to produce his collections.”
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John Galliano SS 2011
Eine Nachfrage bei der Pressestelle wĂ€re vertane MĂŒhe, denn bei Margiela zĂ€hlt nicht die Einzelperson sondern das Team, was ich in diesem Artikel bereits lang und breit erklĂ€rt hatte, als Suzy Menkes den Designer Matthieu Blazy ins Rampenlicht zerrte.
So, das sind nun die Fakten, die auf dem Tisch liegen. Weitere Fakten sind, dass Galliano ein Mini-Comeback mit Oscar de la Renta letztes Jahr hatte. Wir berichteten. Angeblich ging es nicht weiter, weil man sich ĂŒber Geld und Mitarbeiter nicht einig werden konnte. Ein Comeback als Lehrer bei der Parsons School missglĂŒckte, weil hier die einen protestierten und der andere rumzickte. NĂ€chste Nachricht war, dass Galliano seit Mai 2014 einen Posten als Art Director fĂŒr die russische Parfumerie-Kette L'Etoile inne habe. Hm, vielleicht ist das ja auch schon wieder zu Ende, denn Homosexuelle sind dort ja nicht so gerne gesehen.
Kurzum, da sind wir wieder in der Neuzeit und dort sollen angeblich GesprĂ€che laufen mit verschiedenen Firmen. Eine RĂŒckkehr von John Galliano zur Marke John Galliano ist auszuschließen. Diese Marke wird gerade demontiert. Sang und klanglos wurden die Herrenkollektion eingestellt. Was am Sonntag bei Galliano ĂŒber den Lauftsteg flanierte, war dem GrĂŒnder in meinen Augen nicht wĂŒrdig. Ich schĂ€tze mal, dass es diese Marke nicht mehr sehr lange geben wird.
 
Kommen wir also zum GerĂŒcht an sich. Warum passt das?
1. Galliano ist schĂŒchtern und meidet die Öffentlichkeit. Seine bizarren KostĂŒmierungen, mit denen er immer am Ende der Schau auftrat, sprachen BĂ€nde. Bei Margiela kann man sich wunderbar im Schatten aufhalten und muss am Ende einer Schau nicht mal vor dem Vorhang treten.
John Galliano AW 2010
John Galliano AW 2010
2. Die Artisanal-Kollektion mit ihren jahrhunderte-alten Textilien und wirren Ideen passen ebenfalls zum modischen Ansatz eines John Galliano. Sein Können im Schnitt und Design wĂ€re hier bestens zu gebrauchen.  Außerdem erzĂ€hlt Galliano im Canal+ Interview, dass er nun immer auf FlohmĂ€rkte in der verschlafenen französischen Region Auvergne geht. Na, da kann er doch gleich mal ein paar FundstĂŒcke zu Abendroben verarbeiten.
 
Wie gesagt: Auch wenn ich denke, dass dieses GerĂŒcht auf ein dĂŒnnes Eis gebaut ist, so könnte ich mir das durchaus vorstellen, dass Galliano und Margiela ein Team werden könnten. Falls es so ist, werden wir vom Haus selbst allerdings auf eine BestĂ€tigung lange warten mĂŒssen. Da mĂŒssen wir dann Mode-Mata-Hari Suzy Menkes ins Backstage schicken.
Fotos: Catwalkpictures
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