Jean-Paul Gaultier gibt die Ready-to-wear auf

Also meine Lieben, nun habe ich geschlagene 5!!!! Stunden gewartet auf das offizielle Schreiben der Pesseabteilung von Jean-Paul Gaultier zum Ausstieg aus der Prêt-à-Porter (siehe unsere Facebook-Ankündigung) und das ist sie nun die offizielle Mitteilung des Hauses zur Aufgabe der Ready-to-Wear. Tatatata Tatatatataaaaaaaaaaa!

The Jean Paul Gaultier company would like to announce its intention to concentrate as of now on the development of the Haute Couture, of perfumes and on various collaborations within the industry.
This project entails the discontinuation of the men’s and women’s ready-to-wear.

Lapidar? Ja. Also wenigsten ein Zitat von Jean-Paul hätten sie ja nun doch einfügen können, oder? Nein, nichts. Schlichter kann man es kaum kommunizieren und aus pressetechnischer Sicht ist das auch gefährlich, denn es öffnet die Türen für Spekulationen. So und hier kommen meine: Tatsache ist, die Haute Couture von Gaultier war in den letzten Jahren eh besser als die Prêt-à-Porter. Vor allem, was im Showroom hing für die kommerzielle Masse, war irgendwie an den Trends vorbei designed. Eigentümer von Gaultier ist seit ein paar Jahren Puig in Spanien, ein Kosmetikriese, der sich die bestens gehenden Parfums von Jean-Paul unter den Nagel gerissen hat, um sie dennoch wieder als eine Lizenz auszugliedern an Beauté Prestige International. Die Spanier haben eh wenig Interesse an der eigentlichen Mode. Läuft die nicht bombig oder sogar defizitär, dann gibt es auch keinen Grund, das zu halten. Dass Nina Ricci, auch eine Puig-Marke, es geschafft hat, war wackelig. Mit dem Ausstieg aus der Prêt-à-Porter enden auch viele Lizenzen, so auch die Kinderlinie (Lizenzhalter die Zannier Group), und auch die Schuhe.

Warum aber behalten die Spanier die Haute Couture? Also Leute: Hätte man Jean-Paul auch noch die weggenommen, hätte der aber ganz sicher das Handtuch geworfen. Das wiederum wäre fatal für die Gesamtmarke und auch die Parfums, den kaum ein anderer Designer ist so beliebt wie Jean-Paul. Der lebt doch die Mode, das ist sein Lebenselixir und mit Haute Couture kann man heute, in einer Zeit, wo Rockstars zu Designerpuppen avanciert sind und es eine neue reiche Klientel aus dem Osten und Arabien gibt, durchaus Geld verdienen  – und nebenbei auch Parfums verkaufen.

Für wen tut es mir leid? Für uns: Niemand, ich wiederholen niemand macht so lustige Schauen wie Jean-Paul Gaultier. Wegen der Mode ging da schon lange keiner mehr hin, alle wollten dabei sein wegen des Spektakels. Was hat man sich bei Jean-Paul amüsieren können! Das waren die besten, coolsten, promiträchtigsten, bizarrsten und verrücktesten Shows überhaupt. Meine erste Gaultier Schau war 2003 und das ganze Setting war  in Stoff eingespannt, die Models trugen eine Art Ganzkörper-Kondom.

 

AW 2003 AW 2003

Bei der Indien-Show, bei der die gesamte Frontrow mit roter und oranger Farbe eingenebelt wurde, war ich schon nicht mehr eingeladen. Aber Petra Winter, heute Madame-Chefredakteurin war es und die war danach stinkesauer, weil ihr Outfit dahin war. Er hagelte massenhaft Beschwerden ins Hause Gaultier. Was die Reinigung zahlen mussten, das will ich lieber gar nicht wissen.

SS 2012

Sommer 2012

Ach, es gab Nummergirls,

 

SS 2014

Sommer 2014

es gab Tanzwettbewerbe mit einer hoch besetzten Fashion-Jury.

 

SS 2010

Sommer 2010

Es gab Livemusik von französischen Musikstars.

 

SS 2006

Sommer 2006

Es gab lange vor Chanel eine Landpartie mit Heu und Wiesenblumen. Und einer Heukönigin alias Carla Boscono.

SS 2006

Sommer 2006

 

Es gab in Molton eingewickelte Bräute:

AW 2003

Winter 2003

 

Es gab nackte Brüste und …

SS 2002

Sommer 2002

… und manchmal sogar noch mehr zu sehen.

SS 2010

Sommer 2010

 

NIcht zu vergessen die spitzen BHs, für die Gaultier berühmt wurde:

SS 2010

Sommer 2010

 

Es gab die Marinière, die Marine-Streifen und die in vielen Varianten:

SS 2010

Sommer 2010

SS 2010

Sommer 2010

 

Winter 2013

Winter 2013

Sommer 2010

Sommer 2010

SS 2006

Sommer 2006

 

Und jede Menge Trenchcoats, eben die Gaultier Variante:

Winter 2013

Winter 2013

SS 2013

Sommer 2013

 

Vermissen werde ich auch die viele verrückte Settings:

SS 2013

Sommer 2013

 

In Erinnerung bleibt auch allen Fashionistas die Schau, die an Marionetten vorgeführt wurde:

Winter 2004

Winter 2004

Winter 2004

Winter 2004

jean_paul_gaultier_aw04_003

 

Auch diese Show war besonders: echte Bourgoisie à la Gaultier, wo er alle Models ergrauen ließ!

Winter 2011

Winter 2011

 

Winter 2011

Winter 2011

 

Wer jetzt noch nicht vom Vintage-Gaultier genug hat, der darf sich hier durch die letzten 10 bis 12 Jahren der besten Gaultier-Momente klicken.

Fotos: Catwalkpictures

 

 

1 Kommentar zu “Jean-Paul Gaultier gibt die Ready-to-wear auf”
  • Ah, was für ein wunderbarer post!
    Eigentlich ging es ja nur um eine ziemlich schlichte (wenn auch brisante) Pressemitteilung. Und jetzt ist eine Hommage an Gaultier draus geworden, die seinen Spaß an der Mode gleich spürbar macht. Danke dafür!

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