Margiela Artisanal & ein Mini-Skandal

Nein, ich bin hier noch lange nicht durch mit der Haute Couture. Warum muss nun auch Hermès den Designer austauschen? Kurz vor den Ferien! Es gibt auch schon erste Gerüchte, wer nun kommen wird, die sich dann auch bestätigt haben (Siehe aktueller Post). Aber das ist ein anderes Haus, auch wenn das Thema Designernamen gerade eine aktuelle Brisanz hat – vor allem in Bezug auf die Margiela Artisanal Kollektion, die ich gleich hier vorstellen werde.

Rund um diese Haute Couture Show gab es einen kleinen Skandal, ausgelöst durch Suzy Menkes, die ja nun für die Vogue unterwegs ist und die zur Haute Couture Woche fast täglich ein Review-Blättchen verteilen ließ an die Besucher. Wie das aussieht, könnt Ihr auf meinem Instagramm Account ersehen, dort habe ich eines der Blättchen fotografiert.

In einem dieser Fashionweek-Flyern, die ich ehrlich gesagt weg geschmissen habe, weil die irgendwie langweilig waren, stand dieser Beitrag, indem Suzy den Designernamen hinter der Margiela-Kollektion verriet: Matthieu Blazy. Er war einst bei Raf Simons tätig, nun bei Margiela, wo die Politik des Gründers es vorsieht, dass man als Designer  NICHT ins Rampenlicht geht und die Arbeit als TEAMWORK angesehen wird.  Suzy hat mit der Politik dieses Hauses gebrochen und sagt am Ende ihre Artikels : „It is understandable that Renzo Rosso, whose company Only the Brave is behind Margiela, should want to keep Blazy backstage – especially since the founding designer so rarely showed his face. But you can’t keep such a talent under wraps.“

Nein, Suzy, nein, da bin ich anderer Meinung. Deshalb habe ich auch die Printversion des Artikels in den Müll geschmissen. Ich fand Suzy’s Verhalten unnötig. Und ich fand, dass sie sich da zu sehr selbst ins Rampenlicht stellen wollte. A la: „Seht her, ich weiß es und ich verrate es allen!“

Das Maison Martin Margiela ist ganz besonderer Fall innerhalb der Modeszene. Der Gründer selbst zeigte sich nie, nur wenige wissen, wie er überhaupt aussieht. Die Idee Martin Margielas war, die Mode in den Vordergrund zu stellen. Die Mitarbeiter tragen weiße Kittel, damit sie als Gruppe erkenntbar sind. Will man ein Atelier-Shooting machen, wird man verpflichtet, die Gesichter der Mitarbeiter NICHT zu fotografieren oder später unkenntlich zu machen.

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Auch die Models trugen früher immer Masken, Gesichts-bedeckende Perrücken oder standen ganz bewusst im Lichtschatten.

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Maison Martin Margiela Artisanal 2010

Schon das war nach dem Weggang Margielas und der Übernahme durch die Only-the-Brave-Gruppe rund um Diesel-Magnat Renzo Rosso aufgeweicht worden.

So sahen daher die Präsentationen früher aus: Alles war in Weiß, um das Modell perfekt ins Szene zu setzen.

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Wenn man nun noch den Designer dahinter hoch jubelt, dann geht diese ganze, sehr löbliche Strategie flöten. In einer Zeit, in der die Seflies und Selbstdarstellungen ein Ausmaß angenommen habe, das fast schon abschreckt, ist diese Geheimnistuerei vom Maison Margiela als wohltuende Ausnahme zu werten. Ich bin sehr dafür, dass das so bleibt. Schaut Euch mal den Wirbel an, den Suzy damit erzeugt hat: Dutzende, Hunderte von Artikeln sprechen über den Designer und versuchen herauszukriegen, wer er ist, wo er früher war und mit welchen Models er Fußball guckt. Keiner zeigt oder sprich über die Kollektion. Das ist doch genau das, was keiner braucht in Zusammenhang mit dem Haus Martin Margiela. Wenn ein Designer unbedingt selbst im Rampenlicht stehen will, ist er bei Margiela fehl am Platz.

Bis dato war es so: Designer, die dort waren und später groß wurden, haben es im Lebenslauf stehen. Und basta. Das klingt gut und wird in der Branche hoch angesehen, aber man muss es nicht mit Lausprecher ausposaunen. Diskretion ist hier das hohe Gebot. Daher, liebe Suzy, danke auch. Das war in meinen Augen ein echter Griff in die Tüte! Respektlos gegenüber dem Haus und in meinem Augen sich selbst in Szene setzend.

So, nun habe ich mich abgeregt und kann mich endlich der Kollektion widmen, die in meinen Augen einer der besten Artisanal seit langem war. Warum? Artisanal Kollektionen von Margiela sind eher Kunst- und Sammlerstücke denn Mode, die auf dem roten Teppich getragen wird. Zu speziell ist die Idee und auch zu kratzig, steif, ungelenk, fragil waren früher immer die Materialien, die zu Zeiten des Gründers Dinge waren wie: Streichhölzer, Strohhälme, Magnetbänder, Metallkleiderbügel, Stroh, Blechdosen, Schnürrsenkel, Küchenkrepppapier… Was alles verwendet wurde, kann hier nachgelesen werden. Wir berichten seit mehr als fünf Jahren über diese Kollektion en detail. 

Hier zeige ich alte Werke aus dem Jahr 2009: Mit Haarkämmen, Plastikanhängern, Schnürsenkeln und Strohhälmen.

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Die Idee hinter der Kollektion Artisanal des Maison Martin Margiela ist es, Haute Couture aus recycelten Materialien zu fertigen. Nach dem Weggang des Gründers wurden die Grundmaterialien mehr und mehr „normal“. Inzwischen konzentriert sich das Haus mehr und mehr auf die Renaissance von Vintage-Textilien und –Kleidern. Diese werden auf Flohmärkten und Auktionen erworben und in stundenlanger Arbeit (160 Stunden sind der Normalfall) vom Atelier des Hauses zu neuem Leben erweckt. In dieser Saison hatte das DESIGNTEAM eine große Menge an Damast aus der Zeit Ludwig XV erworben, einen Originalmantel einer Kostümparty des berühmten Pariser Designers Paul Poiret aus den 1920er Jahren sowie einem Lot an Jahrhunderte-alter Spitze.

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Was hat das Team daraus gemacht?  Tragbares, Wunderschönes, was auf dem Red Carpet super aussieht. Und das ist die wichtigste Message dabei, nicht der Designername. Das ist auch die Neuheit. Denn so oft war es nicht so. Die Kleider blieben in ihrem künsterlischen Anspruch stecken. Jetzt wirken sie wie befreit.

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Die bestickten Mäntel, Jacken und leger um den Körper gewundenen Abendkleider sind so reduziert im Schnitt und Konfektion, dass sie stilvoll und modern wirken und dennoch die Grundidee des Recyclings perfekt erfüllen.

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Insbesondere die Abendkleider, bei denen nur eine Vintage-Stickerei im Fokus steht, sind durch gekonnte Verbindung mit leichten Tägermaterialien zu einem Ganzkörper-Kunstwerk verwandelt. Sehr schön ist auch die Idee, alten japanischen Bomberjacken aus den 50er Jahren ihren sportlichen Charme zu entrauben und sie in elegante, lange Abendkleider zu transferieren.

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Das ist mein Lieblingsmodell.

Hier der Rest der Kolllektion zum Klicken:

Bravo an das DESIGNTEAM!

Fotos: Catwalkpictures, Barbara Markert (Archivbilder)

Video: Barbara Markert

 

3 Kommentare zu
“Margiela Artisanal & ein Mini-Skandal”
  • Das Deutsch in diesem Beitrag ist unterirdisch. Ebenfalls die Kenntnisse der Autorin über Martin Margiela.
    Hier werden wichtige Daten vertauscht und offensichtlich ist keinerlei fachwissendiche Kompetenz vorhanden.
    Die Autorin sollte lieber auf die nächste H&M Kooperation warten, und nicht auf Mode Journalistin machen.
    Unsagbar peinlich, soetwas lesen zu müssen.

    • Hallo „Dein Gewissen“,
      wer so herbe austeilt, sollte auch benennen können, was er konkret für falsch hält und Licht ins Dunkel bringen.
      Die Autorin ist übrigens Modejournalistin und interviewt regelmäßig Designer in Paris für die Vogue und für Mode-Fachmagazine. Und wer bist Du?
      Schöne Grüße,
      Kathrin

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