Wenn gute Labels dicht machen ...

Markensterben gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Paris, wo es ein Überangebot an guten Modebrands gibt. Gerade eben machen gleiche mehrere meiner Lieblingslabels dicht. Hier ein kleiner Business-Nachruf zu Brands, die es wohl bald nicht mehr geben wird, bzw. die schon eingestellt wurden.
1. Mit großer Trauer erfahre ich, dass einer meiner größten Nachwuchshoffnungen unter den Designermarken dicht macht: Pièces d'Anarchive. Dabei sah dort alles danach aus, dass die Mädels bald total durchstarten.
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Schauen wir kurz zurück: Drei Frauen, Virginie Muys und die Schwestern Priscilla und Deborah Royer, lancierten das Label zusammen 2011 mit einem Privatinvestor und gewannen direkt ein Jahr nach Gründung bereits den ANDAM Nebenpreis für ein neugegründetes Label. Danach stieg bereits eine der Macherinnen aus.
Doch die Erfolgsstory ging dank absolut überzeugender Mode weiter: 2013 wurden sie als neues Talent unter die Fittiche des Kultursministeriums genommen, sie gehörten zur Endauswahl des Woolmark Price's und gewannen zunehmend neue Kunden. 2013 wurden erstmals schwarze Zahlen geschrieben. Gemäß den Informationen der Fachpresse gab es dann Unstimmigkeiten. Virginie Muys stieg bereits im Juni 2013 aus, wie man aus dem Flamingotheblog lesen kann, um sich "The Sound of the season" und der Gründung einer Multitasking-Agentur namens Disciplines zu widmen. Siehe ihr Linkedin-Profil. Priscilla Royer verließ ihr eigenes Unternehmen ein Jahr später im Juni 2014, wie man ebenfalls aus Linkedin erfahren kann. Nächste Station unbekannt.
Es lag hier nicht am Design, nicht an Anfangsschwierigkeiten, nicht unbedingt am Investor, nicht am Geld und auch  nicht an der Distribution, dass die Marke kaputt ging: Piece d'Anarchive war bei Le Bon Marché und auch in L.A. bei Just one Eye gelistet.  Vielleicht lag es gar daran, dass der Erfolg zu schnell kam oder dass die Partner einfach nicht zusammenpassten. Das alles ist sehr, sehr schade.
Kommen wir zum nächsten Abgang:
2. Christophe Josse: Einer meiner Lieblinge auf der Haute Couture Woche musste ebenfalls sein Label schließen.
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Der Hintergrund ist so einfach, wie klassisch: Josse hatte zu lange gebraucht, um seinen Stil zu finden, zu lange Mittelmaß abgeliefert. Als er endlich seinen Stil gefunden hatte, es bergauf ging, das Chambre Syndicale ihn zu einem der Anwärtermarken für die Haute Couture bestimmt hatte, ging den Geldgebern das Geld aus. Aus sehr direkter Quelle weiß ich, dass Millionen in den Sand gesetzt wurden. Zweiter Fehler war auch, dass der Investor rein überhaupt keine Ahnung vom Modebusiness hatte. Er hat sein Geld in der New Economy verdient, kam durch Zufall ins Haute-Couture-Geschäft. Es sind hausgemachte Fehler, die hier zum Niedergang führten.
3. Virginie Castaway: Da war ich am Wochende zum Sales-shoppen und beim Quatschen mit dem Showroom-Manager sagte er mir, dass sie die Marke wohl einstellen werden, weil sich Designerin und Management überworfen hätten. Sie, Virginie, ist schon raus, er, der Manager, hat neue Projekte in Sicht. Schade, schade.
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Ich hab mir dann diesen Blouson (unten) aus der aktuellen Sommerkollektion noch gesichert. Allerdings in Schwarz-grundig. Ein Teil, das jedes Outfit aufmotzen kann.
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4. Bel Air: Auch so eine Marke, die in Frankreich wie Sandro und Maje aus dem Sentier kommt und langsam den Aufstieg nach oben schaffte. Ich habe ziemlich viel der Marke, weil 1. gute Qualität und 2. guter Stil. Doch das stetige Upgrading hat der Marke wohl nicht gut getan. Sie strauchelt und war kurz vor Aufgabe. Die neueste Meldung war, dass sie einen Neustart versuchen mit wesentlich günstigeren Preisen. Das kann funktionieren, aber nur wenn die Qaulität einigermaßen erhalten bleibt. Wenn alles nur noch billigster Polyamid ist, bin ich als Käufer raus. Schade. Aber ich kaufe mir sicherlich noch was aus der aktuellen Sommerkollektion, bevor die auf billig machen.
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Fotos: PR und Screenshots der Websiten
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Kommentare

  • katha sagt:

    absolut!
  • isaroffice sagt:

    Wirklich schade, wenn so gute Label vom Markt verschwinden... Mehr gute Designs zu fairen Preise, weniger billiger Mainstream mit schlechter Qualität wären erfreulich!