Quo vadis Berlin Fashionweek?

Vorgestern wurde bekannt, dass die Bread & Butter, die Messe die jahrelang den Termin der Berliner Fashionweek bestimmte, wieder zu Teilen nach Barcelona zurückkehren wird. Von dort kam sie einst nach Berlin. Laut Aussagen des Messechefs Karl-Heinz Müller findet die Messe im Januar auf alle Fälle in Spanien statt, dann im Sommer wieder in Berlin und im September will er in Seoul zeigen. Und wie es 2016 aussieht, weiß man noch gar nicht. Angeblich.
MALAIKARAISS SS2015
MALAIKARAISS SS2015
Unter uns: Das ist mal wieder so eine typischen Bread&Butter-Ich-mach-was-ich-will-Mentalität. Müller setzt sich im Januar vor die Pitti Uomo und das ist auch ein Zeichen, denn der frühere Konkurrent, die Who's next in Paris hat die Männermode aufgegeben. Die Bread & Butter, die Jeans- und Streetwear-Party-Messe schlechthin, ist genau da gut aufgestellt. Also versucht der Berliner eben mal der Pitti Konkurrenz zu machen. Da hat er sich aber einen starken Gegner ausgesucht. Sache ist auch, dass alle Messen, außer der Pitti soweit ich weiß, schwächeln. Gerade meldet die Who's next einen Besuchereinbruch von 18%. Das ist immens. Die Bread & Butter strauchelt auch und sucht nach neuen Ufern. Daher wohl der Umzug. Über Gründe schweigt man sivh aber offiziell aus. Zum Abschied sagte Müller jedoch der lokalen Presse: "Vieles, was hier stattfindet, ist Kokolores. Das kann nicht das Niveau von Berlin sein." Dabei meint er allerdings nicht seine eigene Messe!
DYN SS2015
DYN SS2015
Doch die eigentliche Frage ist: Was bedeutet das für die Berliner Fashionweek? Diese "Heute in Berlin, morgen in Spanien und dann auch in Korea-Strategie" von Karl-Heinz Müller könnte eine echte Chance sein, sich endlich von der Bread & Butter und ihren, für die Designer-Schauen unpraktikablen Terminen abzukoppeln. Und sich endlich in den internationalen Schauenreigen einzuordnen. Dann zu zeigen, wenn die Dänen, Schweden oder die angrenzenden Länder eben auch ihre Fashionweeks abhalten, statt ständig mit den großen internationalen Schauen in London, Mailand oder Paris konkurrieren zu wollen.
Perret Schad SS2015
Perret Schad SS2015
Berlin hat es nun dringlicher nötig, umzudenken und eine neue Strategie einzuschlagen, als noch vor einem halben Jahr. Der gute Standort am Reichstag musste in dieser Saison der WM-Fanmeile zugunsten aufgegeben werden. Das wohl hoffnungsvollste Label Achtland hat sich nach London verabschiedet. Und wie man beim Fashioninsider lesen kann, setzt auch Kaviar Gauche aus. Das Label zeigt diesmal in Paris und lässt Berlin aus.
Kaviar Gauche AW2014-15
Kaviar Gauche AW2014-15
Unter uns: eine goldrichtige Entscheidung. Das Geld ist woanders besser angelegt, solange Berlin nicht eine neue klar, gezeichnete Richtung einschlägt. Es könnten sicherlich auch andere Labels künftig der Hauptstadt den Rücken zeigen. Eine Dorothee Schumacher und auch Perret Schaad wären meiner Meinung nach gut in Mailand aufgehoben.
Dorothee Schumacher AW 2014-15
Augustin Teboul in Paris, Marina Hörmanseder auf der Haute Couture, Marcel Ostertag in London und Hien Le in New York.
Augustin Teboul SS2015
Augustin Teboul SS2015
Marina Hörmanseder AW 2014-15
Marina Hörmanseder AW 2014-15
Hien Le AW2014-15
Hien Le AW2014-15
Die interessanten Schauen in Berlin finden eh schon lange nicht mehr im Schauenzelt statt, wo man zum Maybelline Make-Up verpflichtet ist. Sondern in Off-Locations, wo man dann das internationale Know-How von Mac Cosmetics nutzen kann, die diesmal in Berlin ganze acht Shows schminken. Das alles sind klare Zeichen, das der Status Quo sich selbst überlebt hat und man umdenken muss.
Marcel Ostertag AW2014-15
Hoffen wir, dass auch die Veranwortlichen die Zeitenwende sehen, denn sonst ist die Berliner Fashionweek in wenigen Jahren nur noch Geschichte.
Fotos: catwalkpictures, PR Bilder
Photo Credit: false

Kommentare

  • Hannes sagt:

    Wenn man die nationale Berichterstattung verfolgt, dann geht es doch bei der Berlin Fashion Week schon gar nicht mehr um Mode, sondern um "Prominente" (was man halt in Deutschland so für prominent hält). Gefühlt war diese Berlin Fashion Week die grottigste aller Zeiten.