Zwischenkollektionen-Spezial: Wie, was, wann?

Wenn die ersten roten Prozentzeichen als Boten des Schlussverkaufs in den Schaufenstern erscheinen (ist bald so!), läuten bei manchen Frauen die Alarmglocken. Nicht der Schnäppchen wegen, sondern weil bald alles weg ist. Wer jetzt noch nicht seine Sommergarderobe zusammen hat, riskiert, leer aus zu gehen und hat die coolen Sachen eh alle schon verpasst. Erfahrene Shopper wissen: Im Hochsommer kauft man keine Kleidchen und mitten im Winter keine Mäntel. Das macht man vorher!
Acne Studio Prefall 2014
Acne Studio Prefall 2014
Die Mode schlägt saisonale Kapriolen. Doch daran ist nicht der Klimawandel schuld, sondern wir. Unserem Wunsch nach ständig neuen Kleidern erfüllen die Designer mit immer mehr Kollektionen, die zu ganz komischen Zeiten in die Läden kommen.
Wann also kauft man was?
Der Januar ist z.B. die beste Zeit, sich einen neuen Bikini zuzulegen. Warum? Weil dann im Laden volle Auswahl herrscht. Die aktuelle Sommer/Frühjahrs-Kollektion ist gerade frisch eingetroffen und ergänzt die „Vor-Frühlings“-Ware, die sogenannte Resort- oder Cruise-Kollektion, die kurz vor Weihnachten kam. Sich aber bei Minusgraden aus Schal, Mütze, Pulli, Strumpfhose, Unterhemd ... pellen – eines Bikinis wegen? Mein Fall ist das nicht.
Modepilot-Hermes Bademode 2104
Wann kaufen die anderen?
Doch um Bräunungsgrad, Jahreszeiten und Außentemperaturen scheren sich die Mode und auch viele Kundinnen schon lange nicht mehr. Statistiken besagen, dass heute weit als die Hälfte der Sommerware zwischen den Monaten November bis Januar über den Ladentisch geht. US-Designer Michael Kors verkauft nach eigenen Angaben am meisten im Juli und August  – und zwar mit Herbstmode. Was zählt, ist frische Ware. Und die sollte im Idealfall so häufig wie nur möglich in die Läden kommen. Wie die Erfolge von Ketten wie Zara oder H&M beweisen, bei denen täglich Kartons voller neuer Blusen, Röcke und Hosen eintreffen.
Michel Kors Prefall 2014
Michel Kors Prefall 2014
Michael Kors Prefall 2014
Michael Kors Prefall 2014
Seit wann gibt es Zwischenkollektionen?
Den Hunger nach ständig neuen Kleidern mag man als ganz normalen Konsumwahnsinn unserer Zeit abtun. Er ist aber nicht Neues, weiß die französische Modehistorikerin Florence Müller: „Bereits Ende des 18. Jahrhunderts war der Modeverbrauch frenetisch. Unser Denken in zwei modischen Saisons entstand erst durch das Aufkommen der Haute Couture.“ Das Jahrhundert mit zwei Kollektionen pro Jahr endete Mitte der 80er. Karl Lagerfeld für Chanel, wenig später Jean-Paul Gaultier und John Galliano für Dior waren plötzlich der Meinung, dass wir „mehr“ brauchen. Die Designer begannen, betuchte Damen auszustatten, die vor der Kälte im Winter in die Sonne flüchteten, bzw. auf eine Kreuzfahrt (fr.: croisière, engl.: cruise) gingen. Die „Cruise-Collection“ war geboren. Weil sie sich so gut verkaufte, entwickelten die Designer immer neue Ideen: Heute gibt es zusätzlich zu den „normalen“ Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter-Kollektionen noch zahlreiche andere Zwischen- und Sonderlieferungen, im Fachjargon Pre-Fall, Capsule oder Classics genannt (Siehe Post).
Dior Cruise: der perfekte schwarze Hosenanzug
Dior Cruise: der perfekte schwarze Hosenanzug
Wie sind Zwischenkollektionen modisch einzuordnen?
Die modischen Zusatzangebote sind im Styling meist tragbarer als die Hauptkollektionen, die mit großen Pomp über die Laufstege flanieren und für Image sorgen sollen. Maria Luisa Poumaillou, einer der wichtigsten Modehändlerinnen Frankreichs und Modeberaterin für das Pariser Kaufhaus Le Printemps, erklärt: „Diese Kollektionen sind nicht für das Modeshooting der Vogue mit Topmodel Gisele Bündchen gemacht, sondern für die Freundin des Designers. Ein Fashionshow-Highlight wie ein zehn Kilo schweres, handbesticktes Tops gibt es dann in leichtem, bedrucktem Jersey.
Detail eines Kleids von Balmain AW 2014-15. Geschätztes Gewicht: 12 Kilo
Detail eines Kleids von Balmain AW 2014-15. Geschätztes Gewicht: 12 Kilo
“ Das ist einfacher überzuziehen, rund 20% billiger als das Original und verkauft sich deshalb „wie geschnitten Brot“, wie man in der Modebranche gerne sagt.
Dior Cruise: das schlichte weiße Kleid, das immer passt.
Dior Cruise: das schlichte weiße Kleid, das immer passt.
Rochas Prefall 2014
Rochas Prefall 2014
Narcisco Rodriguez Resort 2014
Narciso Rodriguez Resort 2014
Wer liefert wann genau seine Zwischenkollektionen?
Doch wann kommt welcher dieser Kollektionen in die Läden und vor allem mit welcher Mode? Das ist vielen Kundinnen ein Rätsel. Aber es zu lösen, macht keinen Sinn. Denn jedes Modehaus hält es mit ihren Liefer-Rhythmen anders und gerne werden diese bei jedem Managementwechsel neu überdacht. Boss hat erst jüngst seine Kollektionen in übersichtliche vier Saisons gegliedert: Frühling, Sommer, Herbst, Winter. Bei Chanel gibt fast ein Dutzend verschiedener Kollektionen im Jahr. Diese aber orientieren sich weniger an Jahreszeiten, denn an das Niveau ihrer qualitativen Herstellung: 100%ige Handarbeit, Kunsthandwerk, Prêt-à-Porter... Bei ganz vielen Designermarken kommt vor allem im Dezember, vor den Weihnachtsfeiertagen, viel Neues in die Boutiquen, um den Umsatz anzukurbeln. Bei dem kommerziellen Anbieter Marc O’Polo zum Beispiel macht das Designteam genau in diesem Monat eine Pause.
Fazit ist: Es gibt keine einheitliche Kollektionsregelung in der Mode und es würde zu viel Zeit kosten, sich alle Termine in den Kalender einzutragen.
Acne Studio Prefall 2014
Acne Studio Prefall 2014
Was kann man tun, wenn man keine neue Kollektion verpassen will?
Wie stellt man also sicher, dass meine keine Fashion-Highlights verpasst? Die Lösung ist, das Management unserer Shoppingtermine an die Modehäuser und Boutiquen auszulagern. Die übernehmen das mit Freude. Fast jede Marke oder Boutique bietet heute einen Newsletter-Service per E-Mail an, der Kunden informiert, wenn neue Ware in die Läden kommt. Online-Shops wie mytheresa oder net-à-porter haben eine Rubrik namens „new arrivals“, in denen aktuelle Neuzugänge im Sortiment herausgestellt werden.
Celine Fall 2014: Das Modehaus hat einen Newsletter für New Arrivals!
Celine Fall 2014: Das Modehaus hat einen Newsletter für New Arrivals!
Damit der Mail-Account oder der hauseigene Briefkasten nicht von solchen „Hallo-die-neue-Kollektion-ist-da-Nachrichten“ überschwemmt wird, sollte man eine Vorauswahl treffen: Ich sehe mir z.B. die Haupt-Kollektionen sowie die Cruise- und Pre-Fall-Linien in einer ruhigen Minute auf www.style.com an (Die haben die größte Übersicht.) und entscheide dort, was mir gefällt. Für Modelle, die ich auf keinen Fall verpassen will, abonniere ich eine Erinnerungsmail bei der Marke. Aber mal unter uns: Meistens gehe ich auf Risiko. Man sollte nur dann auch öfters shoppen gehen. Was ich wiederum nicht tue. Aber das ist eine anderes Problem ...
Giambattista Valli Ressort 2014
Giambattista Valli Ressort 2014
Für alle diejeinigen mit freier Shopping-Zeit erinner ich hier mal: Für die kommende Herbst- und Wintermode muss man jetzt bald schon wieder los!
Foto: Catwalkpictures, Barbara Markert (1)
Photo Credit:

Kommentare

  • Nina sagt:

    ww.style.com hat wirklich eine tolle Übersicht !!!

    xxx

    The EnVogueCoop


  • H&M Conscious fashion - to shop or flop? sagt:

    […] Fall/Winter that dominated until the mid 80s, there is not much left anymore. It is actually the designers like Karl Lagerfeld who started adding new collections to the rules of the games from the mid 80s on making 4 to 6 […]