Strenesse in der Insolvenz – wie konnte das passieren?

Gestern hat der deutsche Modekonzern Strenesse Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Der Schritt ist ebenso konsequent wie unvermeidlich, denn Verluste plus hohe Kreditaufnahmen belasteten das Unternehmen seit Jahren. Ein Sanierungsexperte wurde in den Vorstand berufen und soll die Restrukturierung bei weiter laufenden Betrieb ermöglichen.

 

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Wie kam es dazu? Seit Jahren waren die Umsätze rückläufig. Die Eigentümerfamilie Strehle nahm weiter Fremdgeld auf, um das Unternehmen fort zu führen. Im Februar kam zu einer ersten, sehr brenzligen Lage, als eine Schuldverschreibungen in Höhe mehrerer Millionen Euro fällig wurde. Der Aufschub der Rückzahlung rettete das Unternehmen nur wenige Monate weiter. Bei einem Umsatz von nur noch 44,2 Millionen Euro, so die Nachrichtenagentur dpa, betrug der Fehlbetrag im Geschäftsjahr 2012/13 zirka 8 Millionen Euro. Gegenüber der Vorjahresbilanz war der Erlös damit um ein Drittel eingebrochen, der Verlust hatte sich vervielfacht.

 

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Vom Glamour einstiger Jahre sind die Nördlinger weit entfernt. Der Abstieg bei einem Modeunternehmen geht oft einher mit einer falschen Personalpolitik und falschen Produkten. Bei Strenesse sorgte der Weggang der Designerin Gabriele Strehle bereits für einen ersten großen Imageverlust.

Sie, die Anfang der 70er ins Haus kam und später den Chef heiratete, stand für die Erneuerung der Marke und den Wechsel des Unternehmens von einem Mäntel- und Kostümhersteller zu einem echten Designerlabel, der international mit seiner cleanen und puristischen Mode überzeugte. Unter ihr wurden die Weichen für den Erfolg gestellt: die Zweitlinie Strenesse Blue wurde eingeführt, man zeigte auf der Mailänder Modewoche, Lizenzen kamen dazu, der Umsatz wuchs und Strenesse ging sogar an die Börse. In Folge dieser Finanzspritze wurden eigene Läden eröffnet, Düfte und Kosmetik lanciert. Strenesse stattete imageträchtig das Personal der Lufthansa aus und zwischen 2006 und 2013 auch die Deutsche Nationalmannschaft mit Stilikone Jogi Löw. Die Werbung des Labels spielte in der Liga der Großen mit. David Sims wurde als Fotograf und deutsche Topmodels wie Julia Stegner und Luca Gadjus als Role-Models engagiert. Ab 2003 jedoch begann die Firma zu kriseln: Geschäftsführer wurden eingestellt und wieder gefeuert, erste Verluste liefen auf.

Ende 2012 stieg Gabriele Strehle nach der privaten Trennung aus dem Unternehmen aus. Ihr folgte Viktorie Strehle, die jahrelang sich um Strenesse Blue gekümmert hatte. Luca Strehle, der Sohn, übernehm als Vorstandsvorsitzender die Leitung, Gerd Strehle wechselete in den Aufsichtsrat. Die Kollektionen wurden wieder zusammengelegt zu einer einheitlichen Strenesse-Kollektion, für die nun Natalie Acatrini als Kreativchefin verantwortlich zeichnet. Doch ein Blick in den Online-Shop der Firma zeigt, dass gerade hier am Produkt nicht die richtige Richtung eingeschlagen wurde.

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Wie so oft in der deutschen Modeindustrie ging auch das Unternehmen in Nördlingen auf Nummer sicher: Schwarze Hosenanzüge und Kostüme sind Alltime-Klassiker. Sicherlich. Aber die haben wir auch alle schon x-fach im Schrank hängen. Die international wichtigen Trends zu Volumen, Muster, Layering und neuen Schnitten wurden verschlafen. Solche modischen Must-Have-Modelle zu verpassen, kann gefährlich werden. Denn die Branche ist unerbittlich: Alle halbe Jahre wird die gesamte Produktpalette ausgetauscht. Fehlgriffe in den Kollektionen können sich nur Firmen mit Rücklagen leisten. Die hatte Strenesse nicht.

Es bleibt zu hoffen, dass nun die richtigen Schritte eingeleitet werden. Mit der Sanierung geht – wie immer – auch ein Personalabbau einher. Auch Läden werden geschlossen werden müssen. Aber die Restrukturierungsmaßnahmen dürfen nicht nur das Management und den Hinterbau betreffen, sondern sollten vor allem auch die Mode erneuern.

Firmen, wie Marithé + François Girbaud sind das beste Beispiel dafür, welche Konsequenzen solche Fehler haben können. Das einst erfolgreiche Label ist durch Fehlgriffe in den Kollektionen plus falsches Management in den Konkurs gegangen und derzeit vom Markt verschwunden. Ein Revival ist in Planung, aber wann und ob es kommt, ist unsicher. Der Metzinger Strenesse-Konkurrent Boss dagegen hat in meinen Augen vieles richtig gemacht. Mit dem Engagement eines Upcoming-Designerstars wie Jason Wu schafft man Internationalität und zeigt Risiko für einen Neustart. Mal ganz abgesehen vom PR-Effekt einer solchen Deisgner-Anstellung.

Strenesse muss hier strategisch schlau agieren. In einer Krise steckt auch immer die Chance zu einem besseren Neuanfang. Hoffen wir mal, dass diese schöne, deutsche Firma die Kurve bekommt und die richtigen Entscheidungen trifft.

Fotos: Screenshots der Website

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“Strenesse in der Insolvenz – wie konnte das passieren?”

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