Das Revival von Leonard?

Das Pariser Modehaus Leonard gehört zu den angesehenen Traditionshäusern der französischen Mode (Mitglied im Comité Colbert etc.).  La maison war niemals so ganz weg vom Fenster, wie andere (siehe Carven, Vionnet, Schiaparelli). Aber richtig "en vogue" war Leonard auch schon lange nicht mehr. Das könnte sich allerdings nun schlagartig ändern. Denn seit Januar ist die Französin-Chinesin Yiqing Yin als Art Direktorin am Ruder, die in Rekordzeit (2 Monate) eine Kollektion entwickelte, die dieses Haus zurück ins Zentrum der Mode katapultieren könnte.
Doch bevor ich in medias res gehe, will ich kurz auf die Geschichte des Hauses eingehen, denn Leonard steht fĂĽr bunte Drucke und das muss man als Hintergrund fĂĽr die Beurteilung dieser neuen Kollektion in Betracht ziehen.
Initiiert wurde Leonard 1958 von Jacques Leonard und Daniel Tribouillard, der 1960 eine revolutionäre Technik entwickelte, um die damals sehr modischen, englischen Fully Fashioned-Maschenwaren, die in Form gestrickt, als nicht zugeschnitten wurden und zudem als unbedruckbar galten, endlich bedrucken zu können. Das Dessin war ebenso spektakulär wie auch die neue Technik: üppige Blumen-Dekors in sehr vielen Farben. Der Erfolg dieser Technik-meets-Mode-Innovation stellte sich sofort ein und so entstand eine neues Modehaus, das im Zentrum seines Stils eine zarte und sehr empfindliche Blume, nämlich die Orchidee, stellte. Die Drucke und der Stil wurden schnell wiedererkennbar, ebenso wie die Verwendung eines ganz besonderes edlen Stoffes, des Seidenjerseys, der noch heute im Zentrum der Kollektionen steht.
Leonard – das war für viele Ende der 60er und Anfang der 70er das Kleid, das 150 Gramm Glück bedeutete: "La robe Léonard, 150 grammes de bonheur." Die große Zeit des Hauses kam in den 70ern, 1994 zeigte man erstmals auf der Fashionweek. Und dann kam der Purismus und Drucke wie die Leonard kamen aus der Mode. Mit Véronique Leroy kam Anfang 2000 wieder neuer Wind ins Haus, doch irgendwie schien auch diese Designerin keinen wirklichen Neustart zu wagen und zu sehr der DNA der bunten Blumendrucke treu bleiben zu wollen oder vielleicht musste sie es auch, weil so gewünscht. Kaum war ihr Vertrag nach acht Jahren ausgelaufen, kam es zu einem Bäumchen-Wechsle-Dich-Designer-Spiel: Nach dem erst hoch gejubelten und inzwischen weniger gute besprochenen Wunderkind Maxime Simoens kam Raffaele Borriello. Der eine blieb eine Saison, der andere drei Saisons. Léonard verjüngte sich, aber blieb dennoch zu klassisch und ein auch ein bisschen zu hausbacken. Es fehlte das wirklich Neue und genau das bringt nun die gerade mal 28-jährige Yiqing Yin, die ich hier schon seit einigen Saisons als ein echtes Talent bespreche.
So genug geredet,  jetzt zeige ich Euch die Kollektion, die in dieser Saison noch außerhalb des offiziellen Kalenders lief, aber mit der  - und das möchte ich wetten - nächste Saison Leonard wieder auf dem Radar der Modewoche zurück ist. Die Halbchinesin schafft genau das, was ihre Vorgänger nicht in Gänze durchzogen: die radikale Erneuerung, aber eine, die auch die DNA des Hauses berücksichtigt. Die berühmten Drucke werden in die Neuzeit transformiert. Bravo.
Wenn das so weiter geht, sprechen wir bald wieder über Leonard. Ich für meinen Teil hätte schon jetzt gerne ein paar dieser tollen Entwürfe für meinen eigenen Kleiderschrank.
Modepilot-leonard_paris_aw14_Fashion-Blog
Fotos: Catwalkpictures
Photo Credit: false

Kommentare

  • Chael sagt:

    Strong collection! Im especially in love with the embroidered pullover.
  • JĂ©rĂ´me sagt:

    Wunderbar! Insbesondere die letzten fĂĽnf Modelle.