Louis Vuitton by Nicolas Ghesquière

Gestern war es soweit, die Ära Marc Jacobs bei Louis Vuitton ist endgültig vorbei und der Nachfolger Nicolas Ghesquière hat übernommen. Der Pariser zeigte seine erste Kollektion für Louis Vuitton.
Der geneigte Stammleser weiß, dass ich zu seinen großen Fans gehöre, weil ich ihn zweimal interviewt habe und in diesen Gesprächen einen ebenso diskreten, wie sehr entschlossenen Charakter kennenlernen durfte. Einen Menschen mit einem seltenen Gespür, wo die Mode hingeht. Ghesquière wird gerne als der Prophet der Mode bezeichnet. Bei Balenciaga, das er selbst aus den Ruinen wieder in den Mode-Olymp zurückholte, hatte er weitgehend freie Hand. Doch sein Abgang war im nachhinein etwas überschattet, da er nach dem Weggang sprachlich mit seinem Ex-Management abrechnete und die darüber "not amused" waren. Um Ghesquière wurde es kurz still und sein neuer Arbeitgeber ließ die Katze auch erst aus dem Sack, als man Marc Jacobs offiziell verabschiedet hatte.
louis_vuitton_aw14_0232
Nun ist der Franzose nach einer kurzen kreativen Pause also zurück – in einem Haus, das um vieles größer ist als Balenciaga. Ghesquière hat bei Louis Vuitton zwar keine Rücksicht mehr zu nehmen auf eine modische DNA des Hauses, denn die gibt es nicht wirklich (Mode wurde erst wirklich unter Marc Jacobs eingeführt), aber er sich muss in die Strukturen eines Riesenkonzerns einfinden und anpassen. Wie macht er das? Sein erste Show zeigte da schon eine klare Richtung. Es geht weniger ums Schichi, mehr um die Mode. Einen Zug, einen Brunnen oder Aufzüge, sprich spektakuläre Settings à la Marc Jacobs, suchte man im Louis Vuitton Schauenzelt diesmal vergebens. Das Setting war weitgehend schlicht: Heller Teppich in einem Glaspavillon – das war es auch schon an Dekoration. Auf den Plätzen lagen Umschläge mit einem persönlichen Brief Nicolas', wie er sich selbst bezeichnet, an die Gäste (Dank an Nathalie Manchot, die mir ihren Brief kurz aushändigte):
Modepilot-letter-ghesquiere-Louis Vuitton
Er suche das, was alle Designer suchten: die zeitlosen Kreationen. Und er fühlt, dass sein stilistische Ausrucksweise mit der Philosophie des Hauses Louis Vuitton übereinstimmen. Er dankt allen, die ihn bei diesem wichtigen Moment in seinem Leben beistehen.
Was auch immer in diesem Brief steht, es hat Stil. Und ich kann mich nicht erinnern, dass ein Designer eine solche Geste bei seinem Neuantritt eines Hauses je geleistet hätte. Chapeau!
Doch kommen wir zur Mode, die ich leider nur per Fotos beurteilen kann, da Louis Vuitton auch weiterhin uns weder zur Schau noch zum Re-See einlädt. Wie schade.
Auf den ersten Blick wirkt das alles sehr Ghesquière-typisch. Aber auch wie ein Nicolas Ghesquière, der sich selbst ein bisschen ausbremst, zurücknimmt, nicht zu viel wagen will und sehr auf die Tragbarkeit achtet. Dazu muss man wissen: Louis Vuittons Business-Zahlen (der Umsatz wird auf 7,9 Mrd. Euro geschätzt) wiesen jüngst nicht mehr die zweistelligen Zuwachszahlen der letzten Saisons auf, das Wachstum verlangsamte sich. Die neue Strategie setzt noch mehr als früher auf Luxus. Den neuen Dreh will man mit frischen Wind erreichen, also mit Ghesquière für den High-End-Bereich und als Stamm-Accessoires-Designer Darren Spaziani, einem Ex-Proenza-Schouler und auch Ex-Balenciaga. Da ist also ein ganz neues Team am Werkeln, das für eine neue, modernere Richtung steht.
Doch in dieser ersten Schau, zeigte Ghesquière keine futuristischen Modelle, wie wir sie von ihm aus Balenciaga Zeiten kennen, sondern lässt sich von den  End-60ern inspirieren mit großen Krägen, steifen Röcken in A-Form, Lederjacken.
louis_vuitton_aw14_0004
Ab diesem Modell sehe ich sehr viel mehr den Einfluss von Nicolas Ghesquière. Kleider mit Pfiff: Handgelenk-Bündchen am Arm, Strukturen, Materialmixe.
louis_vuitton_aw14_0066
louis_vuitton_aw14_0130
louis_vuitton_aw14_0123
Und ab hier wird es in meinen Augen erst richtig interessant: Solche Röcke gab es in den 60ern höchstens aus Jeans, aber hier ist der Bund gestrickt und mit Gürtel fixiert, die Falten sind organisch und und vereinen auf den ersten Blick unvereinbare Stoffqualitäten.
louis_vuitton_aw14_0102
Mir gefällt der zweite Teil der Kollektion weitaus besser, die Röcke möchte ich alle haben.  Die Taschen müsste man sich genauer ansehen. Das ist der berühmte Showroom-Blick, der nun leider fehlt.
louis_vuitton_aw14_0231
Fotos: Catwalkpictures
Photo Credit: false

Kommentare

  • Claudia Grande sagt:

    Also bei der Mode tue ich mich sehr schwer zu akzeptieren, dass das nun Louis Vuitton ist. Aber die Schuhe und die Taschen: fantastisch! Die Logo-Handtaschen hatten für mich bisher einen leicht prolligen Touch (sicher auch den vielen Kopien geschuldet), doch diese Neuinterpretationen können mich begeistern.
  • katha sagt:

    die röcke sind wirklich superklasse!