Nachtrag (2) zur Haute Couture: Hm!

Nach einer Haute Couture Woche kann man irgendwie auch keine Abendkleider mehr sehen. Auch Deja-Vus sind irgendwie schnell vergessen in diesem Rausch an Schneiderkunst. Diese Häuser haben mich in dieser Saison weniger überzeugt:
Bouchra Jarrar: Sie ist gerade erst in den noblen Kreis der Vollmitglieder der Haute Couture erhoben worden und das zu Recht. Ich mag ihre Mode und ihren Stil. Das ist es wert, geehrt zu werden. Dennoch fand ich Erstkollektion als Vollmitglied nur in Teilen gut. Die Hälfte der Modelle waren elaboriert und modern, die andere Hälfe fand ich einfach nur langweilig und uninspiriert. Schade, da habe ich einfach mehr erwartet. Ich hoffe nun, dass diese nicht zu 100% perfekte Präsentation der Aufregung um die Ernennung verschuldet ist und freue mich auf die nächste Winter Haute Couture der Designerin.
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Stéphane Rolland: Den Franzosen habe ich hier auf dem Blog seit Saisons immer in den Himmel gehoben als den Erneuerer der Haute Couture. Anders, schlichter, cooler ist seine Mode. Genau dieser Stil hat es ihm als einer der ganz wenigen ermöglicht, ausschließlich von der Haute Couture zu leben. Seine filigrane Silhouette überzeugt auch in dieser Saison und die Deklinaton der Farbe Gelb auch (Siehe auch den Post Die Haute Couture sieht Gelb!) . Doch ansonsten sah ich einfach zu wenig Neues in dieser Kollektion, zu sehr bemühte Rolland die eigenen Bestseller. Das ist mir ein bisschen zu sehr auf Nummer sicher gegangen und auch in der Farbauswahl zu sehr auf dem arabischen Markt ausgerichtet. Da wünsche ich mir in der Winter Saison mehr neue Schnitte und Ideen.
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Armani Privé: Giorgio Armani ist bemüht, seiner Privé Kollektion mehr Modernität zu verleihen, aber irgendwie poppt dennoch immer der alte Stil wieder auf. Das ist gut, weil beständig, aber auch auf Dauer ein bisschen ermüdend. Ich habe es hier schon so oft gesagt: Ich habe die höchste Hochachtung vor Armani, er hat wie kaum ein anderer die Mode nach vorne gebracht, aber ich wünsche mir für dieses Haus einfach mehr zeitgenössischen Pfiff. Jetzt holt Euch doch endlich mal einen jungen Designer ran, der da ein bisschen das Haus aufmischt.
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Ralph & Russo: Die beiden Australier Tamara Ralph und Michael Russo sind Neueinsteiger in der Pariser Haute Couture. Aber sie haben sich daheim in London schon ihre Sporen verdient. Ihr Couture-Haus Ralph & Russo kleidet sogar schon Berühmtheiten wie Angelina Jolie als Kundin ein. Dennoch ist mir das alles etwas zu klassisch-schön. Traumkleider, aber irgendwie habe ich ständig ein Deja-Vus: Es leben die 50er, 60er, 80er. Wo ist die eigene Designleistung?
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Fotos: Catwalkpictures
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Kommentare

  • Niklas sagt:

    Findet ihr nicht, dass die Federn auf Bild 8 und auch das Outfit auf Bild 7 bei Bouchra Jarrar an das Korsett von Hubert Barrere in der Chanel-Kollektion sowie an POs zwoelftes Kollektionsbild ebenfalls bei Chanel erinnern? Farbgebung und auch Schnitt? Ich muss aber gestehen, dass - obwohl ich die meisten Outfits bei Bouchra Jarrar total lahm finde - die bestickte Federjacke wesentlich schoener ist als das Kostuem Chanels.