MP-Jahresrückblick: The ugliest show in town.

Jahresrückblick von Modepilot, letzte Folge: The ugliest show in town.
Irgendwie ist es ebenso beruhigend, wie aufregend, wenn sich Geschichte wiederholt. Man könnte denken, die Menschheit lernt aus der Historie, doch nicht immer ist es so. So der Fall in 2013, bei der ersten, nein konkret zweiten Show Prêt-à-Porter Femme von Hedi Slimane für Saint Laurent.
Slimane, Designer mit Sitz in Los Angeles, hatte sich als Inspiration für seine Kollektion Winter 13/14 die Shocking-Kollektion von Yves Saint Laurent aus dem Jahr 1971 ausgesucht: Kenner des Hauses wissen, dass diese Kollektion damals einen Skandal auslöste und als die "ugliest show in town" bezeichnet wurde.
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Yves Saint Laurents Hommage an die Mode der Nachkriegszeit wollte damals niemand sehen, denn gefallen. Man wollte damals nicht an die Mode der Hungerjahre erinnert werden, niemand verstand, was Yves damals ablieferte: Der Designer sagte damals, dass er schockieren wollte und dass seine wichtigsten Inspirationen von der Strasse kämen. Die Kollektion 1971 gilt heute als einer seiner wichtigsten Kreationen, die damals die Mode stark voran brachte.
Hier mal ein paar Impressionen von damals:
 
Nun machen wir einen Zeitsprung in die Neuzeit. März 2013. Hedi Slimane zeigt eine Kollektion voller Punk, Grunge, extremst jung, bizarr, teilweise abgerissen, radikales Styling, Charaktermodels, globige Schuhe. Der Skandal ist wieder perfekt: Die Kritiken überschlagen sich mit Adjektiven wie ugly, démodé, hässlich. Mainlandoffice schreibt: "Was ist nur mit YSL los?" Die Geschichte wiederholt sich. Wie damals kommt die Mode von der Strasse und niemand will die komische Kehrtwende sehen oder verstehen. Der Vorwurf ist schnell ausgesprochen: Slimane macht Mode, die nicht zum Hause passe. Dabei zeigt Slimane fast Eins-zu-Eins übernommene Modelle aus der Kollektion 1971. Seht her: der Mantel, die Details, der Ausschnitt, der Pelz ...
Modepilot_YSL 1971_2013_Slimane_Fashion_blog
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Doch auf dem Laufsteg werden diese Parallel nicht sofort sichtbar. Das Setting ist laut, das Publikum bleibt nach dem Ende der Show mit Fragen zurück.
Doch nun, rund 9 Monate später wissen wir, dass diese Kollektion wie keine andere im kommerziellen Markt nachgeahmt wurde und wie keine andere in diesem Jahr die Mode beeinflusst hat. Slimane, in einem recht bizarren, von der Branche hochgekochten Wettkampf gegen Raf Simons bei Dior wurde vorschnell als Verlierer auserkoren, doch gewann am Ende mit einigen Längen voraus. Seine radikale Kehrtwende bei YSL bewies Mut und weckte auf. Der Designer war ausserdem schlau genug auf die vielen Kopien im mittleren und billigen Genre zu reagieren und in der Sommersaison auf die 80er zu setzen. Er lieferte neues Material.
Die Umsatzzahlen bewiesen die Richtigkeit seiner Strategie: Laut WWD stiegen die Umsätze mit Bekleidung am höchsten bei YSL. Ich zitiere:
Slimane’s revamp of Saint Laurent is bearing fruit. The label logged a 7.2 percent increase in revenues in the third quarter, with the ready-to-wear category vaulting 41 percent.
 Given YSL’s ambitions to rival the likes of Chanel and Dior in size and cachet, it has set an interim goal of reaching 1 billion euros, or $1.3 billion at current exchange, in sales before the end of this decade, according to industry sources. YSL revenues in 2012 totaled 473 million euros, or $608.2 million at average exchange. (Christian Dior Couture said sales for the fashion house rose 24 percent between Jan. 1 and Dec. 31, 2012, to 1.24 billion euros, or $1.59 billion. Privately held Chanel doesn’t release figures, but its 2012 annual revenues, including fashion, leather, beauty, accessories, fine jewelry and watches, were estimated at about 6.8 billion euros, or $8.8 billion.)
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Ich muss hier nur ein paar Details von Modellen zeigen, die Ihr im breiten Markt wieder findet. Kein Wunder, dass die Umsätze stiegen:
 
Die Geschichte der Mode hat sich wiederholt und wir sind gespannt, was 2014 passieren wird.
WIR WÜNSCHEN EUCH ALLEN EINEN GUTEN RUTSCH UND EIN FROHES 2014!
Fotos, Videos: Fondation Pierre Bergé, Fondation Yves Saint Laurent Screenshots, , Catwalkpictures, Barbara Markert
Photo Credit: false

Kommentare

  • Jérôme sagt:

    Krass! Stimmt. Total guter Vergleich. Und dass die Teile der ersten Kollektion kopiert werden, war klar. 1:1 Straßenlooks. Die erste Männerkollektion war nach meiner Ansicht super!!

    Die Models und die Styling-Kombinationen der zweiten, von den 80ern inspirierten Kollektion hingegen "ugly" und ich kann mir echt nicht vorstellen, dass sie sich so gut verkaufen wird. bin gespannt!