Lasst uns mal über’s Kopieren reden

Welcher Tag würde sich besser eignen, über Designerkopien zu reden als dieser? Der Tag der Isabel Marant x H&M Kollektion. Isabel Marant gehört zusammen mit Phoebe Philo derzeit zu den meist kopierten Designern überhaupt. Was die Damen sich ausdenken, wird noch in der gleichen Saison in Günstig runtergebrochen. Wie die beiden Designerinnen damit umgehen, könnte unterschiedlicher nicht sein.

 

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Mango links, 3.1. Phillip Lim rechts

 

Phoebe Philo sieht es als Ehre an. Im Magazine von Le Monde wird sie so zitiert:  „Ich bin geschmeichelt, dass man mich kopiert. Ich finde es interessant, wie es überarbeitet wird. Was wir machen, ist sehr funktionell. Das geht bis ans Ende der Welt?“ Hm, was geht ans Ende der Welt? Die Designerkopien?

 

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Zara links, Céline rechts

 

Lange vor Philo dachten Karl Lagerfeld und Marc Jacobs ähnlich.

Tom Ford war in seiner Zeit als Gucci-Designer der Meinung, dass die Kunden, die kopierte Sachen kaufen, eh keine Gucci Kunden sind. Und da mag er wohl Recht haben. Ganz einfach, weil der Inhalt des Geldbeutels nicht stimmt.

 

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Iro links, Saint Laurent rechts

 

Isabel Marant dagegen fand im Interview mit mir, eher scharfe Worte. Sie klagte vor allem Zara und Mango an, zu dreist von ihr zu spicken. Es sei ohne Limit.

 

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Mango links, Isabel Marant rechts

 

Auf die Frage, was sie denn von dieser Koop mit H&M habe, antwortete sie (Hier einmal das Orginal-Zitat unplugged ohne Streichungen):

„Ich glaube, ich will zeigen, dass mir diese Ideen gehören. Denn ich werde schon sehr bestohlen und extremst kopiert von vielen Marken. Irgendwann wissen die Kunden gar nicht mehr, von wem das Ursprungsdesign überhaupt kommt. Die Koop ist gibt mir die Möglichkeit, zu zeigen, was ich die ganzen letzten Jahre gemacht habe. Das ist in manchen Ländern gar nicht so klar, wie sagen wir mal, hier in Frankreich. Wie oft höre ich von Freunden und auch fremden Leuten: ‚Hast du das gesehen, die haben dich kopiert. Schau mal hier. Das ist ein Skandal.‘ Und ich rede hier gar nicht von meinem Wedges-Sneaker. Den habe ich in der H&M-Kollektion gar nicht aufgelegt. Dazu hatte ich nun echt keine Lust zu. Der ist dermaßen kopiert worden, das es mich anekelt.“

Meint Marant, dass sie mit der Koop, den Kopisten den Wind aus den Segeln nimmt?

„Ehrlich gesagt, hoffe ich das. Ich möchte all‘ denen eine lange Nasen ziehen. Da, schaut her, das ist noch schöner als der ganze Mist, den ihr kopiert und billig herstellt. Das ist das Original zum Preis einer schlechten Kopie. Das war auch ein Grund, warum ich diese Kollektion aufgelegt hatte: Ich wollte eine schöne Kopie von mir selbst machen.“

Das ist auch ein Ansatz. Aber ändert nichts an der Tatsache, dass Designerkopien in der Mode ein Big Business sind.

 

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Mango links, Saint Laurent rechts

 

Der Stern griff das Thema 2007 auf und erklärte, wie hoch der Anteil der kopierten Ware z.B. beim spanischen Vertikalem Mango ausfällt: 20% der Gesamtkollektion sind kopiert. Ein Fünftel – das ist schon ne Menge Holz, bzw. einfach verdienter Umsatz, dafür dass sich dann kaum ein Hausdesigner über die Kreation den Kopf zerbrechen musste. Die Mango Geschäftsleitung sagte dazu nur lapidar: „Wir kopieren nicht, wir kommerzialisieren.“ Tja, irgendwie stimmt das ja auch. Genauso denken sicherlich auch Topshop, Asos, Zara und H&M.

 

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Mango links, Balmain rechts

 

Ist da Kopieren in der Mode denn rechtens? Scheinbar ja, so jedenfalls erklärt es eine Expertin der TED Gesprächsrunde, die in den USA sehr beliebt ist:

 

 

Also, alles nur halb so schlimm? Können wir denn dann auch ein gutes Gewissen haben, wenn wir einen Trend als Kopie anziehen? Dazu würde ich gerne mal Eure Meinung wissen.

Ist es in Ordnung, in der Mode kopierte oder sehr stark von anderen inspirierte Trendteile zu kaufen?

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Zara links, Balenciaga rechts

 

Es gibt ja auch Abstufungen. Diese unten gezeigten Modelle halte ich für keine wirklichen Kopien, auch wenn sie ähnlich aussehen. Hier würde ich es als Inspiration durchgehen lassen, die man durchaus vertreten kann. Auch rechtlich.

 

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Zara links, Saint Laurent rechts

 

Besonders schwierig ist die Sachlage bei puristischen und minimalistischen Designs. Beispiel Celine:

 

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Zara links, Céline rechts

 

Ja, das sind ein blaues Oberteil und ein blauer Rock. Und? Es bleibt auch in der Kopie ein blaues Oberteil und ein blauer Rock. Nur dass der Rock etwas ausgestellt ist und das Oberteil sehr steif rüberkommt. Klar ist die Ähnlichkeit schon verblüffend, aber auf einen ausgestellten Rock könnten eben auch andere Designer gekommen sein. Und auch auf ein steifes Oberteil.

Siehe auch diese Beispiele: Ähnlich ja, aber das Design ist nun auch nicht wirklich so, dass man es schützen könnte.

 

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Zara links, Céline rechts

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Zara links, Céline rechts

 

Und manchmal sind Schnitte und Stoffe eben seeeehr ähnlich, aber nicht zu 100% gleich:

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Zara links, Saint Laurent rechts

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Mango links, Dolce & Gabbana rechts

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Zara links, Céline rechts

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Stella McCartney oben links, 3.1. Phillip Lim unten links als Inspiration für H&M

 

Unsere Kollegen von LesMads und einige Websiten von Printtiteln, wie z.B. Harper’s Bazar, promoteten kürzlich das Schmucklabel CoCii und ernteten dafür böse Kommentare, weil die Kreationen zu sehr denen von Saskia Dietz ähneln. Das stimmt, aber… Gerade bei Schmuck sind Kopien an der Tagesordnung. Denken wir nur an die Bändchenarmbänder, an denen ein klitzkleines Metallstück oder ein Charm aus Silber oder Gold dran hängt. Jeder von uns hat mehere davon in der Schmuckschatulle. Auch da war ein Designer vor langer Zeit mal auf die Idee gekommen und konnte seine Kreation nicht wirklich schützen. Heute haben fast alle Schmuckdesigner ein solches Modell im Angebot. So  und nun frage ich: Wer von Euch hat nun angesichts des Besitzes dieses Bändchens ein schlechtes Gewissen? Hände hoch!

 

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Mango links, Anthony Vaccarello rechts

 

Fazit: Jeder muss die Frage, ob man kopierte oder stark inspirierte Bekleidung oder Accessoires kaufen soll, für sich selbst beantworten. Aber ich denke, wir sind uns einig: Das Original ist immer schöner. Ach, wenn es halt nur nicht so teuer wäre!

Fotos: Catwalkpictures, Barbara Markert

10 Kommentare zu
“Lasst uns mal über’s Kopieren reden”
  • guter beitrag!

    einige bild-beispiele die du bringst sind effektiv reine kopien…
    wenn ein designer oder eine marke allerdings nur den look kopieren dann ist es, wie du schon gesagt hast, eher inspiration. darauf basiert der ganze mode-zirkus schliesslich. wie schon anno dazumal als lokale ateliers und schneider in der ganzen welt die modelle der pariser couturiers kopierten… mit dem einzigen unterschied dass es länger als heute dauerte bis diese „kopien“ den weg auf die strasse fanden.

    …dasselbe gilt für den endverbraucher:
    wer sich bei seinem shopping bei „billiganbietern“ vom look von stardesignern inspirieren lässt macht nix falsch, aber wer mit wirklich kopierten teilen rumläuft, womöglich auch noch mit logo, beweist kein stilbewusstsein.

    und was phoebe philo angeht… viele ihrer designs unterscheiden sich auch nicht unbedingt so stark von vorhergehenden modellen von jil sander oder anderen minimalistischen designern 😉

  • und ich finde den Zara links, Balenciaga rechts Hosenanzug gar nicht so kopiert, denn wenn die aufgabe hosenanzug schwarz ohne armel und trager hiess die der boss von zara dem designer gestellt hat, wie sollte er denn sonst aussehen? Immerhin fehlt der bogen…

  • Dont agree that the original design is always the most beautiful. Besides, what is „the“ original? For example, a few seasons ago Marant used the star print quite a lot, but of course she didnt invent it. I have a star printed blouse at home which is very similar to the Marantish stuff. But it is much older than the Marant collection …

  • Ich habe gerade bei Asos ein weinrotes Spitzenkleid gekauft von Fluss Insel, eine ziemlich originalgetreue Kopie eines DvF Kleides. Nur der Ausschnitt ist etwas anders.

    Ich habe das Kleid genau ein Mal getragen und es sieht aus wie ein Putzlappen. Die Spitze bleibt überall hängen und zieht Fäden.

    Ich ärgere mich nicht wirklich, weil das Kleid nur 25 Euro gekostet hat und weil ich es wohl ohnehin nur eine Saison tragen werde.

    Was ich damit sagen will: Bei diesen sehr modischen Teilen sind mir die Originale zu teuer für eine Saison. Wenn es allerdings etwas Klassischeres ist, gebe ich lieber mehr aus, weil die Qualität meistens – leider nicht immer – besser ist. Moralisch verwerflich finde ich das nicht.

  • Also ich bin nicht so überzeugt vom Tragen offensichtlich kopierter Teile aus dem Hause H&M und Co.

    Wie auchmilan schon erwähnt hat haben sich ja viele kopierte Designer auch bei anderen Designern inspirieren lassen. Und bei Günstigteilen die von den Designerklamotten „nur“ inspiriert sind ist die Ideenherkunft ja eh schwer zu klären.
    Von daher darf da nicht gemeckert werden.

    Offensichtlicher Ideenklau finde ich allerdings ganz schrecklich. Da kann ich ua. Isabel Marant mit ihrem Wedge-Sneaker verstehen (auch wenn der das Schlimmste ist, was man einem Frauenfuß antun kann).

    Ich selbst würde nie etwas offensichtlich Kopiertes von den Günstiganbietern tragen. Alleine schon weil ich den Ideenklau nicht unterstützen möchte.
    Außerdem ist die Qualität ja meistens unterirdisch und als Kerl habe ich da sowieso überhaupt keine Auswahl.

    Was aber meiner Meinung nach bei der Kaufentscheidung viel mehr eine Rolle spielen sollte ist, unter welchen Bedingungen die Günstigteile hergestellt wurden.

    Ich habe einfach keine Lust Ausbeutung zu unterstützen und Klamotten anzuziehen die mich krank machen. Klar, dass kann auch bei den Designern vorkommen, aber bei den 10 Marken die ich regelmäßig kaufe kann ich noch ganz gut nachvollziehen wo das Ganze herkam.

    Ich höre dann immer das Argument: „Ich kann mir keine Designer leisten, deswegen muss ich zu H&M und Co.“
    Quatsch!

    Jede Frau die zur Mittelschicht gehört oder darüber hinaus hat den Kleiderschrank bis zum Anschlag voll.
    Einfach mal die 5 Billig-Winterjacken weglassen und dafür dann 2 Designerteile im Sale kaufen. Ganz easy.

    Anstatt Quantität zu kaufen bin ich ganz klar für Qualität!

  • Love it! Danke für das aufwendige Recherchieren. Das Original sollte man vor allem selbst bleiben. Sprich: Wer gute Teile und für seinen Typ erkennt, der kann auch mal zu einer Kopie greifen – die sind in seltenen Fällen tragbarer (passen zum eigenen Körper/Stil besser). Meist sieht das Original aber einfach um Klassen besser aus, weil es besser verarbeitet ist, aufwendiger im Schnittmuster ist, eine bessere Stoffqualität hat, eine bessere Silhouette macht, etc.

  • Mich würde dann noch sehr interessieren, was die Damen bezüglich des Tiger-Motivs denken? Auch nur ‚Inspiration‘ oder schlichtweg Kopie? Es gibt einen Zara-Sweater, der dem Kenzo-Tiger SO ähnlich ist, dass es keine Inspiration mehr sein kann.
    Einerseits bin ich gegen Kopie, andererseits machen doch gerade günstige Ketten wie Zara, Bershka, H&M, Forever 21 und Konsorten Design tragbar. Sie nutzen das Vorgegebene, um es der Mittelklasse zugänglich zu machen.

  • @ NK: Tiger ist Tiger. Das Thema an sich ist nicht die Erfindung von Kenzo. Wie der Tiger grafisch umgesetzt wurde schon. Aber die meisten, die das Thema aufgriffen, haben etwas das Layout geändert.
    Hier wurde „nur“ die Idee zu einem Thema kopiert. Von einer echten Kopie würde ich hier nicht sprechen wollen.

  • Ich versuche entweder ein Original zu kaufen oder eben nichts, aber eine Kopie möchte ich persönlich nicht

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