Den Luxus akzeptieren und Jobs schaffen

Luxus 2 Talbot Runhof
Nach FabrikeinstĂŒrzen in Bangladesh und Hiobsbotschaften zur Umwelt- und Sozialbilanz vieler Billigmodeunternehmen scheint sich langsam ein Umdenken einzustellen. Eine Studie der EECIA, der europĂ€ischen Allianz nationaler Luxus-Komites wie z.B. Walpole. Meisterkreis oder Comite Colbert, hat ergeben, dass heute der Luxus weniger verdammt und mehr akzeptiert wird von den europĂ€ischen Konsumenten.
Modepilot-Luxus-Louis Vuitton 4, sommer 2013, foto- Barbara Markert
5000 EuropĂ€er wurden befragt in der Studie, 1000 pro Land. das Ergebnis: Immer mehr Menschen bringen mit dem Wort Luxus heute –  im Vergleich zur Umfrage im Jahr 2009 – Werte wie QualitĂ€t in Zusammenhang. Die Befragten sehen den Sektor zunehmend auch als einen, der neue Jobs schafft.
Luxus Mouret 1
Tatsache ist, dass der Luxussektor rund 1 Mio. Leute direkt beschÀftigt und noch mal die HÀlfte davon indirekt als Zulieferer, Werbetreibende etc. beauftragt. Am Gesamtmarkt haben die EU-Hersteller einen Anteil von 70%. Das ist schon beeindruckend angesichts der Tatsache, dass dort gar nicht mehr die Masse der Konsumenten sitzt, die das am Ende kauft. Insgesamt setzt der Sektor 440 Mrd. Euro um, das entspricht 3% des europÀischen BIP.
Luxus 8 Elie Saab
Kurzum: Der Sektor ist stark, ihm geht es trotz Europakrise noch immer sehr gut und er sichert ArbeitsplÀtze in den heimischen LÀndern. Ganz nebenbei wird damit auch das Savoir Faire bewahrt.
Veronique Leroy Zoom
Luxus 10 Elie Saab
Was ich interessant finde, ist, dass vor allem EnglĂ€nder und Spanier sehr positiv geantwortet hatten. Wenn wir uns nun erinnern, was Monsieur Pinault sagte, als er PPR in Kering umbenannte, nĂ€mlich dass die Deutschen nichts fĂŒr den Luxus ĂŒbrig hĂ€tten, dann muss man sich fragen, warum gerade so von der Wirtschaft gebeutelte LĂ€nder wie die Spanier hier die Lanze hoch halten. Haben die bereits kapiert, dass man den Luxus akzeptieren muss, um morgen noch zuhause einen Job zu haben? Die Deutschen vergessen gerne mal (und auch Herr Pinault ĂŒbrigens), dass Luxus eben nicht nur eine schicke Markentasche ist, sondern auch ein gut funktionierendes Auto (möglichst aus Deutschland) oder eine gut gehende Waschmaschine (auch möglichst aus Deutschland) oder ein schicken Hotel (zum Beispiel in Berlin). Dass eine deutsche Luxusfirma wie sagen wir mal Boss oder Jil Sander (auch wenn wir nun mal außer Acht lassen, dass die EigentĂŒmer oft gar nicht mehr in Deutschland beheimatet sind) genau so Jobs schaffen wie sagen wir mal Mercedes Benz.
Louis Vuitton Sommer 2013, Foto Barbara Markert
So gesehen hat Pinault Recht und Unrecht: Wir Deutschen mögen Luxus, aber eher in Bereichen wie Technik, Fahrzeuge, Haushaltswaren, KĂŒchenausstattung und bei der Mode und auch Beauty tut es dann auch mal das T-Shirt bei Kik. Nein, das tut es eben nicht. Ich denke, uns sollte diese Studie mal ein bisschen zum Nachdenken bringen. Kik oder Primark schaffen bei uns eine Handvoll ArbeitsplĂ€tze im Handel und das war es dann auch. Die Klamotten konsumieren wir und schnmeißen sie nach wenigen Wochen weg. Braucht man das? Immer weniger, oder?
Louis Vuitton Sommer 2013 Foto-  barbara Markert
Luxus 7 Akris
Luxus 3 Veronique Leroy
Ich habe gestern bei mir die Sommersachen aus dem Schrank geholt und einmal wieder festgestellt, dass die Teile, bei denen ich auf Stoff, QualitÀt und Verarbeitung geachtet habe, mir nun erneut Freude machten und die BilligkÀufe eine kurzfristige Angelegenheit waren, also eine Anschaffung, die sich nicht lohnt.
Luxus 9 Elie Saab
Ich merkte auch wieder, dass man sich von dieser Ich-will-alle-Trends-haben-Haltung verabschieden muss. Man muss sich eher das leisten, was man sich schon die ganze Zeit wĂŒnschte, zu seinem passt und vielleicht auch gar nicht im Trend liegt (siehe mein Marc by Marc Jocobs Kleid-Kauf). Aber vor allem HĂ€nde weg von dummen Billig-Mitnahme-Produkten. Dass H&M derzeit leichte UmsatzeinbrĂŒche hat, sehe ich daher fast schon mit Freude. Denken mehr Konsumenten um? Die H&M Conscious Kollektion dagegen lĂ€uft  - soweit ich das absehen kann - recht gut. Das ist doch genau dort, wo wir hin mĂŒssen. Zu einem bewussteren und reflektierten Konsum - auch in der Mode.
Luxus 7 Elie Saab
Fotos: Motive zeigen Kleider und Accessoires aus den Sommerkollektionen von Talbot Runhof, Louis Vuitton, Nina Ricci, Elie Saab, Veronique Leroy, Akris, Roland Mouret; alle Bilder von parisoffice / Modepilot
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Kommentare

  • Fashion Flash! « MangoblĂŒte | Life & Style Blog sagt:

    [...] Auf dem Blog Modepilot gab es einen guten Betrag mit dem Titel “Den Luxus akzeptieren und Jobs schaffen“. [...]
  • MaLM sagt:

    Kann dem ganzen nicht zustimmen.
  • katha sagt:

    sehr schöner artikel, bei mir wird weniger auch immer mehr, was den klamottenkauf angeht!
  • parisoffice sagt:

    @Laura, ja klar. Das wird im Text ja auch gar nicht negiert. Sondern es geht um weniger, aber besseren Konsum.
  • Laura sagt:

    Das wĂŒrde ich nicht 1:1 unterschreiben. Schließlich ist doch bekannt, dass schlechte Arbeitsbedingungen nicht nur bei den GĂŒnstigketten, sondern auch in den "besten Familien" vorkommen. Mit mehr Mut zum Luxus wird also noch lange nicht die Welt verbessert, da muss schon mehr passieren.
  • auchmilan sagt:

    like!
    wir sind mal wieder auf der selben wellenlĂ€nge! 🙂