MP-Minireportage: Chanel sperrt Blogger aus

Als ich gestern morgen  - wie immer ohne Karte - bei Chanel ankam, fand ich, dass irgendetwas anders war als sonst. Warum tummeln sich auf dem Weg zur Schau so viele Streetstyle-Fotografen, fragte ich mich. Und warum quetschen sich denn alle auf die Treppenstufen des Grand Palais? Das ist doch Platz!!!
[youtube /Cmms74aBD6Y]
Nein, es war eben kein Platz. Chanel hat die Blogger und Streetstyler abgesperrt und den ganzen Vorraum des Grand Palais mit einem Band abgegrenzt.
Modepilot-Chanel-Ausgeperrt-Streetstyle-Blogger-Barbara Markert-Mode-Blog
Modepilot-Chanel-Ausgeperrt-Streetstyle-Blogger-Barbara Markert-Mode-Blog
Modepilot-Chanel-Ausgeperrt-Streetstyle-Blogger-Barbara Markert-Mode-Blog
Aber eben auch nur so halb, denn die Fotos wurden dann eben vorher gemacht. Im Laufschritt mit den Gästen.
Modepilot-Chanel-Ausgeperrt-Streetstyle-Blogger-Barbara Markert-Mode-Blog
Frage ist nun: Wie finden wir das? Ist der Artikel von Suzy Menkes, die Blogger und Streetstyle als korrupte Laien-Kritiker abstempelt, der Grund?¬†Karl und Suzy sind √§hnliche Jahrg√§nge. Ich kann mir das gut vorstellen, dass Karl Lagerfeld den Artikel las und dann mal bei Suzy anrief: "Du Suzy, Du hast ja total Recht. Nein, nein, du ich werde Ma√ünahmen ergreifen. Die sollen mal ruhig drau√üen bleiben. Verspreche ich Dir, ich k√ľmmere mich drum." Abgemacht und kurzerhand abgesperrt. Angelegenheit vom Tisch.
Nicht nur bei mir bleibt da ein bitterer Beigeschmack. Als ich ein paar New Yorker Streetstyle-Fotografen Stars (Tommy Ton, Adam Katz Sinding) interviewte, sagten die einheilig: "Horrible situation." Stimmt. Aber Suzy sollte sich gl√ľcklich sch√§tzen, denn genau das tritt ein, was sie am Ende des Artikels anregt: Dass man wieder alle Shows heimlich abhalten und nur einem ganz elit√§rem Publikum zug√§nglich machen sollte. Die Auserw√§hlten laufen dann in Schwarz gekleidet auf- so wie fr√ľher - vor dem "Fashion-Zirkus", wie es Menkes nennt.
Aber sollte Mode nur dieser Schicht vorbehalten sein? Nein. Es ist ein Allgemeingut und Leute, die nichts B√∂ses tun, sondern nur gucken und auf den Aufl√∂ser dr√ľcken auszusperren, ist in meinem Augen ein Akt, der unserer krisen-gesch√ľttelten Zeit unpassend ist. Die wollen doch nur schauen und erfreuen sich an den tollen Outfits und den sch√∂nen Menschen. Was ist daran denn schlimm?
Fotos, Videos: parisoffice / Modepilot
Photo Credit:

Kommentare

  • Chael sagt:

    To me the established editors are fearing for their monopoly ... therefore it is no wonder that they want to ban their rivals. Fashion above all is a business and about making profits. These days the traditional fashion magazines must share their buyers and advertisers with the ever growing, cost-free blogs.
  • Miri sagt:

    Und wieso hat Chanel dann Blogger wie http://www.theblondesalad.com und http://thefashionfruit.com zur Show eingeladen? DAS ist inkonsequent!
  • julia sagt:

    Hey, die idee mit dem telefonat zwischen Suzy und Karl find ich cool! .... Jaja, sagt Karl zu Suzy noch, und Blogger sind ja sowas von démodé.... und sie: aber bitte lass unseren Bill rein! Was meint ihr? Wird das Schule machen bei anderen Schauen?
  • auchmilan sagt:

    ich kann deine meinung nicht ganz teilen...

    es gibt meiner meinung viele phänomene in der glitzernden modewelt, gerade was kommunikation angeht (aber nicht nur), die derart auszuufern drohen dass sie der ganzen branche auf lange sicht vielleicht mehr schaden als nutzen.

    nicht nur bei schauenbesuchern, sondern auch bei designern und brands steht öffentlichkeitsarbeit heute derart im vordergrund dass die substanz, sprich kreativität, qualität, wahres können usw., zugunsten von improvisation, dilettantismus, mittelmäßigkeit und geltungssucht mehr und mehr in den hintergrund gedrängt werden.


    ...aber schließlich, und da muß ich dem karl leider ausnahmsweise mal recht geben, basiert diese branche ja nun mal auf ungerechtigkeit.
  • Eva Luna Bernreuther sagt:

    Ich glaube, das die K√§uflichkeit des Printbereichs sehr an dessen Qualit√§t gezehrt hat und die Blogger w√§hrend dessen an Glaubw√ľrdigkeit und Macht gewonnen haben. Dass muss einem alten Mann wie Karl Lagerfeld ja unheimlich sein. Wie alt ist er, 74 oder schon 84?
  • parisoffice sagt:

    Er wird dieses Jahr 80. Auch wenn er was anderes behauptet. In alten Artikeln wird von einem Geburtsjahr 1933 gesprochen. Ich konnte mir das so einfach merken, weil mein Vater genauso alt ist. Und angesichts dieses Alters, ziehe ich 10mal den Hut vor Karl. Er ist und bleibt ein absolutes Unikat, das ich nur bewundern kann.
  • SabinaSabina sagt:

    Grunds√§tzlich kenne ich in Paris jetzt nicht die Hintergr√ľnde etc etc ppp. Blogger raus, finde ich aus eigenn√ľtzigen gr√ľnden auch nicht gut. Die Schirn in FFM ist da geradezu VORBIDLLICH. Allerdings bloggten auf dem letzten Kunstevent Leute, die auch etwas davon verstehen. Und bei den Modeblogs gibt es journalistisch seri√∂se, die ich aber gern von einigen anderen unterscheiden m√∂chte. Also diese Blogs, Guckt mal wie toll ich in in der ganz tollen Hose von (bitte beliebige Marke einsetzen) aussehe. Das hat mit Modejournalismus nichts zu tun. Das sind kleine M√§dchen Blogs f√ľr mich. Und dass jemand von der journalistischen Qualit√§t einer Suzy Menkes das nervt, kann ich √§u√üerst gut verstehen.
    Meinetwegen kann Chanel diese Blogger weiterhin vor der T√ľr stehen lassen, sollte m.E. aber nicht alle Blogs gleichmachen. Und mit Alter hat das nichts zu tun in meinen Augen. Und was mit "K√§uflichkeit des Prints" gemeint ist, w√ľrde mich brennend interessieren...siehe oben...