Kurznachrichten aus der Mode

Es ist mal wieder viel passiert in den letzten Wochen. Hier unsere Schlaglichter auf die Modenews.
Gestern abend wurde bekannt: Carine Roitfeld, Ex-Vogue-France-Chefin, hat einen neuen Job. Im M├Ąrz f├Ąngt sie als "global fashion director" bei Harper's Bazaar an. Ihr eigenes Magazin CR wird sie weiterf├╝hren. Das kommt ja auch nur zweimal im Jahr. Bei Harper's Bazaar trifft sie auf ihren Freund Stephen Gan, der schon bei CR mitmachte und beim Bazaar der Artdirektor ist. Harper's Bazaar, Hearst-Gruppe, ist eines der ├Ąltesten Modemagazine der Welt.
Maje und Sandro (und das Anh├Ąngsel Claudie Pierlot) stehen zum Verkauf. Na, das war ein kurzes Melken. Sandro und Majr, deren Firmenhistorie langsam als Beispiel f├╝r einen gelungenen Return-on-investment-Coup in die Lehrb├╝cher der Wirtschaftstudenten eingehen k├Ânnte, soll angeblich schon wieder den Besitzer wechseln. Die beiden Schwestern, eine typische Sentier-Familie, hatten die Labels erst separat gegr├╝ndet, dann stiegen Manager ein, die bauten das Ganze aus, Maje und Sandro hatten ihre Bl├╝tezeit, die Labels waren hot, hot, hot. Den Braten roch LVMH, stieg mehrheitlich ein unter den Namen L Capital┬áund baute das Fillialnetz in Windeseile aus. Zur gleichen Zeit sank die Qualit├Ąt der Produkte, der Preis der Modelle wurde stark angehoben. Maje und Sandro positionierten sich als neue Designerlabels im Einstiegpreislage, was sie vom Design und auch von den Preisen nicht sind, und machten nun Kasse dank einer sehr hohen Gewinnmarge. Die Cash-Cow wurde gemolken, rund zwei Jahre lang. Im Sinne des wirtschaftlichen Lebenszyklus einer Marke kann es nun nur noch nach unten gehen. LVMH hat verdient und alle anderen auch. Nun wird es abgesto├čen. Mal sehen, wer kaufen will.
Chanel sichert sich das Savoir Faire von Causse. ┬á├ťber diesen Deal ist in den letzten Wochen sehr viel geschrieben worden. Causse, einer der ├Ąltesten und der wenigen Handschuhfabrikaten die in der einst bl├╝henden, franz├Âsischen Handschuh-Hauptstadt Millau noch existieren, schl├╝pft unter das sichere Dach der Chanel "Ateliers d'art". Damit ist der Fortbestand gesichert. Selbst in der Pressemitteilung von Chanel allerdings steckt ein Fehler. Causse ist nicht, wie vermeldet, der einzige noch aktive "Handschuhmacher" in Millau. Da gibt es noch ein paar andere, unter anderem Fabre, die sich nicht kaufen lassen wollten von einem der gro├čen Firmen. Chanel und Herm├Ęs hatten bereits ihre F├╝hler auch nach Fabre ausgestreckt, die jedoch ihre Firma in der Familie halten wollten. Causse dagegen produziert seit Jahren fast ausschlie├člich Handschuhe f├╝r die Luxusunternehmen, die eigene Kollektion ist sehr gering und macht nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus. Damit hatte sich das Unternehmen bereits seit Jahrzehnten das Auskommen gesichert. Der nun erfolgte Aufkauf ist eine logische Folge der vergangenen wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens. Um das Ganze ein bisschen besser zu verstehen, empfehle ich meinen Artikel ├╝ber Fabre, der das Geschehen in Millaut und den Niedergang der Handschuhindustrie in Frankreich beleuchtet.
Fotos: parisoffice (1), Screenshots (2)
Photo Credit: false

Kommentare

  • Maike sagt:

    Danke f├╝r die Kurzeinf├╝hrung zum Thema Verkauf von Sandro und Co. - mir war das alles noch nicht bekannt, allerdings habe ich mich sehr gewundert, denn die Filialen stehen hier in der Schweiz fast an jeder Ecke und immer zusammen (mindestens Maje und Sanndro)

    es gr├╝sst