Brigitte gibt die Reality-Models auf?

Die Nachricht interessierte sogar die französische Presse, die sich sonst herzlich wenig um die deutsche Frauenzeitschriftenszene schert. Sogar die ehrwürdige Le Monde berichtete, dass die deutsche Zeitschrift Brigitte vor hat, wieder zu echten Models zurückkehren zu wollen. Noch ist die Nachricht nicht bestätigt. Die "Brigitte ohne Models" sei nach dem Chefredakteurswechsel auf dem Prüfstand heißt es.
Dass bei Brigitte nur noch "normale Frauen" als Models eingesetzt wurden, war damals im Januar 2010 ein echter Coup. Die Nachricht ging um die Welt. der PR-Effekt war immens. Es folgten Ausgaben mit Superfrauen, die nicht nur geil aussahen, sondern eben auch mitten im Leben standen. Nur leider ist die Welt nicht mit Unmengen von Superfrauen gesät. Die Brigitte Redaktion musste sich schon anstrengen, um die Über-Damen zu finden. Das hat wohl auch Personal gebunden, das im Zuge der großen Renovierung in der Redaktion anders, besser oder vielleicht auch  - naja - eingesetzt werden könnte.
Der PR-Effekt der Brigitte ohne Models ist nun verpufft, Zeit zurück zu rudern - mag man meinen. Dass parallel die Ausgabe sank hat sicherlich damit wenig zu tun. Medienkrise und zunehmend älter werdende Leserschaft machen sich dort mehr bemerkbar, als die Models, die von den Büros und Haushalten kommen.
Wie auch immer es am Ende ausgehen wird, ob die Profi-Models zurückkommen oder die Überfrauen bleiben: Brigitte hat mit der Aktion gezeigt, dass jede normale Frau sehr gut und mit dem entsprechenden Make-Up und Styling fast wie ein Model aussehen kann. Das ist die wichtigste Message dieses Versuchs und hat vielen Mut gemacht. Die Redaktion hat hier beeindruckende Arbeit geleistet, die anerkannt werden muss. Wie es mit der Brigitte weiter gehen wird, liegt nun in Händen der beiden neuen Macher. Ich tippe mal auf eine Verjüngung, denn die Leserschaft ist zu alt. Ein Up-Grading im Stil in in meinen Augen der falsche Weg. Denn den gehen gerade alle Blätter und Brigitte stand eben für bezahlbare Mode und Beauty. Für alle Frauen. Und das bitte soll auch so bleiben.
Fotos: Screenshots Brigitte
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Kommentare

  • SabinaSabina sagt:

    Wie die Leserscahaft ist zu alt? 🙂 Wer soll diese Kleidung denn kaufen? Die Brigitte las ich noch als ich jünger war? Je älter ich werde, desto gezielter und breitgefächerter kaufe ich die Frauenzeitschriften, die mich mehr ansprechen wie z.B. Fräulein oder Gentlewoman.
  • Valerie sagt:

    Ich fand die "Ohne-Model"-Aktion am Anfang auch sehr bemerkenswert, dann aber auch sehr anstrengend. Bei einem Model denkt man: "Wow, sieht die toll aus! Aber es ist auch ihr Job..." Bei den Brigitte-Frauen: "Wow, sieht die toll aus! Mist, sie hat den gleichen anstrengenden Job wie ich und auch noch ein paar Kinder. Und ist auch noch älter..." Deprimierend!
  • Katharina sagt:

    hmm...also ich muss sagen, dass ich die Brigitte ganz gern lese. Meine Mutter hat sie, aber ich, 20jährig, habe trotzdem spaß am lesen, auch wenn natäurlich vieles, jobtipps etc, für "ältere" sind.Und die "Glamour" ist eine der schlechtesten Zeitschriften seit langen, habe das Gefühl, dass deren leserschaft immer jünger wird, wenn man die so liest. Verstehe auch gar nicht, warum so viele Zeitschriften immer immens teure Kleidung zeigen, die sich sowieso keiner leisten kann?! Das ist sehr positiv an der Brigitte. Fand die "Ohne-Model" Aktion auch super, wenn sies nicht so weiter machen können, wäre doch eine Mischung zumindest wünschenswert!
  • Annemarie sagt:

    Ich glaub ja, das Problem mit der Brigitte sind nicht die Models, sondern dass sie seit einer Weile krampfhaft versucht etwas zu sein, was sie nicht ist. Bzw. sich versucht in eine Lücke zu drängen, die von anderen Magazinen weitaus besser ausgefüllt wird: Die Brigitte möchte seit ein paar Jahren nämlich unbedingt jung und hipp sein – dabei ist sie in Wirklichkeit eher bieder (finde sogar ich alte Dame). Die Zeitschrift ist mit ihren Leserinnen gealtert, was grundsätzlich nichts schlechtes sein muss, aber eben nicht das, was sich die Brigitte für sich selbst wünscht. Ich würde empfehlen “Schuster bleib bei Deinen Leisten und mach das, was Du gut kannst, dann verprellst Du Dir auch nicht Deine Stammleserinnen und machst weiterhin Deinen Schnitt”. Aber nein, man will ja unbedingt "die Glamour" sein...das KANN nicht gutgehen.