Der Trend geht zur Digital Show

Am 6. September, also in drei Tagen gehts bei uns in die nächste Fashion-Saison. Dann startet in New York das Modeschauen-Karussell und wir reden über den kommenden Sommer 2013. Einige der Labels haben als Präsentation allerdings ihre Modeschau schon hinter sich und aufgezeichnet. Die wird dann nicht in Wirklichkeit über die Bühne gehen, sondern nur viral im Netz oder an einer schicken Leinwand. Genutzt wird das vor allem für Zweitlinien. Während die Hauptlinie mit großem Pomp vor allem in Paris und Mailand flaniert, zeigt man die günstigere und jüngere Linie eben im Web. Und auf der eher etwas kommerziell ausgelegten Fashionweek in New York, wo auch Diesel, Levi's und Konsorten zeigen.
Auf der New York Fashionweek sollen diese Strategie folgende Labels verfolgen: See by ChloePierre Balmain und ICB by Prabal Gurung. Sie zeigen am 7., 10. et 11. Septembre als "digital shows" ihre Kollektionen, die nicht live über den Catwalk flanieren, sondern vorab gefilmt sind, die Designer sind vorab interviewt und die Bestellungen können direkt am Bildschirm erfolgen. Vorreiter in der Realisierung dieser neuen Methode sind die Macher der PR-Agentur KCD. Ihre Digital-Shows geben mehr Informationen und sind ausgefeilter als die reinen Live-Streams. Aber wie bei den echten Shows braucht man auch hier eine Akreditierung und ein Password, damit man sie sehen kann. Und diese Ehre bekommt man wiederum nur auf Einladung von KCD (Hier liegt der Haken! Denn die laden ja nicht jeden ein.). Was diese Shows alles können und welche Ziele KCD damit verfolgt haben die Kollegen von Fashionista bereits beim Erstlaunch im Februar dieses Jahres erfragt.
Ed Filipowski, KCD-Co-Präsident wird zitiert unter anderem mit diesen Worten: "Wir sind Modepuristen und glauben an die Catwalkshows. Im Online werden wir diese Reinheit aufrechterhalten. Das Einzige, was bei Online nicht geht, ist das wir Champagner ausschenken können. Den müssen Sie schon selbst mitbringen."
Das Ganze entspricht ganz dem digitalen Trend, der die Modebranche ergriffen hat. Auch die London Fashionweek hat bereits ihren Digital Schedule (allerdings für Live Streams). Und eine reine Digital Fashionweek (DFW) gibt es auch schon. Bzw. sie soll erstmalig  im Oktober starten. Die DFW kommt aus Singapur und soll künftig zweimal im Jahr statt finden.
Frage ist nun einmal mehr: Brauchen wir dann noch die "normalen, althergebrachten" Fashionweeks? Die Branche ruft zwar eindeutig und mehr oder minder unisono "JA!!!", weil man die Stoffe anfassen muss, weil man dort Networking betreiben kann, weil man Neues entdecken kann, auf das man vorher nicht gekommen wäre. Undsoweiter, undsoweiter. Dennoch könnte es sein, dass wir in x Jahren keine Anna Wintour mehr in der ersten Reihe sehen können, die Streetstyle-Fotografen wieder auf der Straße ihre Models suchen müssen, statt es sich einfach zu machen und auf den Fashionweeks die Bilder für sechs Monate zu knipsen, Fashion-Partys der Dauerkrise zum Opfer gefallen sind und wir alle aufgrund der gestiegen Flugkosten an unseren Bildschirmen die neue Mode präsentiert bekommen. Völlig von der Hand zu weisen, ist das nicht mehr. Aber hat das dann noch das gleiche Flair? Was meint Ihr?
Zum Anfang eben freuen wir uns, dass Zweitlinien nun auch ihre eigene Fashionshow bekommen und die New Yorker Fashionweek aufwerten. Denn dort waren Balmain, Chloé bis dato nicht vertreten.
Fotos: Screenshits der Fashionwebsites
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Kommentare

  • Patricia sagt:

    Oh nein, die digitalen Shows haben natürlich nicht das gleiche Flair. Selbst mir, die noch nie im realen Leben bei einer Fashionweek war, würde das fehlen - die Berichterstattung, die damit verbundene Angeberei vieler Modebloggerinnen, der Neid, weil ich auch gerne dabei wäre, die Fotos von der Front Row usw. Was wäre große Mode ohne Spektakel? Doch nur halb so spannend!