Gut zu wissen: Mode und Preissteigerungen

Ihr merkt schon, ich bin nach dem Urlaub wieder zurück am Rechner (Ich, Babyoffice, Opa  - alle waren krank, aber nun müssen wir wieder ran, denn morgen beginnt hier ja die Fashionweek - naja, das Übliche halt!). Bevor ich aber in den  Urlaub verschwand, war ich noch auf der weltgrößten Stoffmesse Première Vision. Jil Sander ist mir dort leider nicht in die Arme gelaufen, aber dafür so manche Denim- und Baumwollhersteller.

Wird die Mode immer teurer?

Von denen wollte ich wissen, was den an den ständigen Hiobsbotschaften dran ist zu den Modepreissteigerungen. Da wird ja schon länger groß getönt, dass man nun 5% erhöhen muss, weil die Baumwolle so teuer wurde und weil die Lohnkosten immer weiter steigen. Was meinen nun dazu die Stoffhersteller? "Alles Schnee von gestern! Der Baumwollpreis ist wieder auf dem alten NIiveau." Genauer erklärte mir das Olivier Bochard vom Hemdenstoffhersteller Trouillet. Der wusste, was passiert war: "Es stimmt, dass 2011 sich die Baumwollpreise verdoppelten. Das lag daran, dass in China ein schlechter Sommer herrschte, die Chinesen Hamsterkäufe tätigten und dadurch eine spekulative Hausse am Baumwollmarkt erzeugten. Diese Klamotten sind jetzt im Handel. Aber das Ganze ist schon wieder vorbei. Unter den Stoffherstellern spricht keiner mehr drüber. Wir sind wieder bei den normalen Preisen."
Sein Kollege vom Denimhersteller Tavex, David Bardin, erklärte mir dann, wie sich die Preisverdopplung auf den reellen, also aktuellen Jeanspreis auswirkt: "In einer Jeans, die 150 Euro kostet, macht der Anteil an Cotton genau 1 Euro aus. Verdoppelt sich der Preis, müsste die Jeans um genau 50 Cents teurer werden." Bei Klamotten von H&M wirke sich das natürlich stärker aus, aber bei Jeans - 50 Cents - das war's.
Die angekündigten Preissteigerungen von 5% von 150 Euro machen nach Adam Riese aber 7,50 Euro. Ist das also alles mal wieder eine große Veräppelung? Die Lohnkosten - so sagten mir die Hersteller, machen das Kraut auch nicht fett. Und das die steigen, das finde ich gut. Die Chinesen werden nicht ewig für einen Appel und Ei produzieren können. Das ist doch klar. Die haben auch den Kapitalismus gelernt.
Fazit ist also: Wenn Mode also nun tatsächlich teurer wird, liegt es kaum an den Baumwollpreisen, noch an den Lohnkosten, sondern daran, dass die Industrie mehr verdienen will pro Stück und dafür falsche Argumente  vorschiebt.
Foto: Tavex Denim Couture Sommer 2013
Photo Credit:

Kommentare

  • salome sagt:

    Es werden die richtigen Fragen gestellt, aber platt geschlussfolgert. Die Textilindustrie verzeichnet selbst bei wachsendem Umsatz stagnierende Gewinne. Die höchsten Anteile des Preises liegen in Brandbuilding, Transport, Distribution, Handel. Diese Kosten sind z.B. abhängig von Treibstoffpreise, aber auch Lohnkosten in Europa. Das Marketing (macht die Marke bekannt) sitzt ja nicht in China, die Distribution (sorgt dafür, dass man die Teile vielerorts bekommt) auch nicht.
  • patricia.s sagt:

    Solche Recherchen direkt an der Basis finde ich richtig gut!
  • FashionMaster sagt:

    Danke PO für deinen Bericht!

    Ich habe mich letztes Jahr auch schon bei einigen Outdoor- und Cashmereherstellern über extreme Preissteigerungen gewundert. Begründet wurde dies, wie du ja bereits erläutert hast, mit gestiegenen Rohstoff- bzw. Lohnkosten.

    Interessanterweise haben genau DIESE Hersteller dieses Jahr ihre Preise wieder gesenkt. Bin mal gespannt wie die Preise nächstes Jahr sind!


  • dafo sagt:

    Echt interessant und spannend! Danke.