Der neue Louis Vuitton Laden München - ach, Gott!

Blogs leben von nunmal von der Meinung ihrer Autoren und ich muss hier dringend mal Luft ablassen. Es geht um dieses Projekt des Louis Vuitton Ladens in München. Darüber könnte ich mich einfach nur aufregen. Warum?
Mich stört nicht, dass da Louis Vuitton hinkommt, denn die bauen sicherlich was Schönes, mich ärgert, dass hier die Denkmalbehörde einfach nur Mist gebaut hat. Die alte Post an der Oper war ein architektonisches Schmuckstück. Nun hat Deutschland wenig alte Gebäude, gerade in München wurde viel zerstört. Warum hätte man das dann nicht bewahren können? Die Halle eignete sich super für einen Louis Vuitton Laden. Vor allem auch dieses Deckenglasfenster. Louis Vuitton will da auch eine Kunstabteilung integrieren - das wäre perfekt gewesen. Warum auch musste das alte Mauerwerk abgerissen werden und durch BETON-Mauern ersetzt werden, wie ich das letzte Mal in München sehen konnte? Ich bin ein Bauingenieurs-Kind - ich bin mit Baustellen aufgewachsen und ein schönes Mauerwerk hat eine Ästhetik. Alles hin, alles abgerissen. Schande über die Denkmalbehörde München! Schämt Euch!
So nun kommt also Louis Vuitton mit seinen Betonmauern und damit das Ganze während der Umbauen nicht so hässlich aussiseht, haben sie einen Künstler engagiert. Ich zitiere den ersten Satz aus der heutigen Pressemitteilung: Louis Vuitton hat zu Ehren der Stadt München den in New York lebenden Schweizer Künstler Ugo Rondinone für die Gestaltung einer Installation am Palais an der Oper, Sitz des zukünftigen Maison Louis Vuitton, begeistern können. Uff! Noch mal lesen und noch mal lesen. Ehre in München, New York lebenden Schweizer. Erster Satz, Bandwurmsatz - ok verziehen, die Mail wurde von einem Trainee geschickt, aber da ich wegen diesem Projekt eh schon genervt bin, hat mich das dann gleich noch mal genervt. Dann sagt der Künstler über sein sehr modernes Werk einer weißen Mauer mit einer Regenbogenschrift eines Gedichtes -  ich zitiere -  "Die Metapher der Mauer und des Regenbogens findet ihren Ursprung in der Zeit der Deutschen Romantik." Hach, da wird es mir nicht wohler. Ich habe über romantische Gedichte meine Facharbeit geschrieben und wenn ich an die Romantik denke, mich der ich mich wirklich sehr beschäftigt habe, dann denke ich nicht an Mauern, sondern an nebelige Felder, Bäume, Abendstimmungen und Metaphern von Wassern und Höhlen etc. Hinter Mauern versteckt sich in der Romantik die Sehnsucht - auch die Sehnsucht nach Schönheit. Ich hoffe nur, dass Louis Vuitton diese Sehnsucht erfüllen kann, denn ich komme einfach nicht darüber hinweg, dass hier ein architektonisches Schmuckstück ausradiert wurde. Und das ist eine durchaus romantische Metapher, dass etwas vergangen ist, weg, nur noch in Träumen existiert, die Sehnsucht unerfüllt bleibt. Mir kann da auch der in New York lebende Schweizer nicht über den Ärger hinweghelfen.
Foto: PR Louis Vuitton
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Kommentare

  • martina sagt:

    du hast total recht - und am ende des tages ist es ist einfach nur traurig.
  • Kathrin Bierling sagt:

    Yves Carcelle (Louis Vuitton Präsident) gestern Abend scherzhaft in München: "Jetzt hat München auch eine Mauer."
    Beim Art Talk unterhielten sich der Künstler Udo Rondinone und Kunstexpertin Beatrix Ruf (und eigentlich auch Autorin Eva Karcher, die im Publikum saß und Fragen stellte) darüber, dass Rondinone über das Kunstwerk aus dargestellter Mauer und Regenbogen nicht so viel zu sagen möchte: Kunst sei eine rein private Angelegenheit, Inspirationsquellen vergisst er, Kunst sei eine Lebensform und nicht logisch, der Regenbogen als Symbol leicht verständlich.
    Hat er ja Recht: Kann sich jeder sein Teil dazu denken. Ich, für meinen Teil, sehe schon den 'We are poems'-Aufdruck auf Monogram Canvas.