Modepilot-Minireportage: Vente-Privée

Ich muss das nun mal loswerden, denn letzte Woche ging bei Vente Privée das Sommercamp zu Ende und ich habe mal wieder für andere und mich zugeschlagen. Ich bin Vente-Privee-addict. Dabei bin ich eigentlich kein Online-Shopper. Ich sitze in Paris aber auch an der Quelle. Es gibt kaum ein Label, das hier nicht vertreten ist. Sorgen, an Designermode zu kommen, habe ich wirklich nicht.
Aber ich bin ein hoffnungsloser Schnäppchenjäger. Das stammt wohl noch aus meiner Studentenzeit: Bafög-Empfänger, Dauerjobber mit zwei bis drei Jobs gleichzeitig und sündhaft-teuerem WG-Zimmer in München. Kurzum: Die Erfindung von Vente-Privee ist gemacht für Leute wie ich.
Was tun die da eigentlich? Die räumen die Lager von Markenfirmen aus. Gnadenlos. Verkauft wird das Zeugs in sogenannten Event-Verkäufen und das geht so: Ist man Mitglied, bekommt man eine Mail, wann was verkauft wird und dann geht es dort zu wie beim ersten Tag am Schlussverkauf. Nur der frühe Vogel fängt den Wurm. Wer um 8 Uhr seine Einkäufe nicht getätigt hat, geht meist leer aus. Bei mir löst dieses System einen Jagdinstinkt aus. Und dann kann selbst ich mal früh aufstehen und im Halbschlaf einkaufen gehen. Sache ist: Es lohnt sich einfach maßlos. Ich kaufe mehr oder minder alle Schuhe für Babyoffice: 22 Euro statt 90 Euro. Mein Kleiner trägt eine Chloe-Hose, Tartine et Chocolat Hemden, Berlingot-Pullis - nur dank Vente Privée.
Was gibt es da sonst? Ich zeige Euch mal, was ich unter anderem dort gekauft habe.
Ich habe diese Bürolampe: Flos Archimoon Classic, designed von Starck, 90 Euro.
Diese Roeckl-Handschuhe für mich und meine Freundin: um 22 Euro.
Gerade gekauft im Sommercamp, wo dann alles noch billiger ist als sonst:
Das Must-Have des Winters, einen weißen Rolli von Petit Bateau: 4 Euro
Ein Kleid für das Baby meiner Freundin, auch von Petit Bateau: 7 Euro
und diese Wedges von Gianfranco Ferré für 80 Euro.
Teilweise bis 70 weniger als der Neupreis. Man muss sich disziplinieren, nicht irgendetwas zu kaufen, nur weil es billig ist. Aber ich habe da immer Glück. Brauche ich einen Babysitz für Rad, gibt es just den um 50% reduziert. Neue Spannbetttücher - gekauft. Spielsachen für Geschenke - kaufe ich auf Vorrat. Nun muss ich zugeben, dass Vente Privée in Frankreich nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen ist. Hier gibt es bis 10 Marken und mehr täglich und wirklich geile Marken. In Deutschland ist das Angebot noch ein bisschen dürftig, aber es mausert sich. Leider kann man nicht länderübergreifend einkaufen. Das geht nicht. Habe ich alles schon probiert.
So einmal geshoppt, heißt es leider Geduld haben. Bis zu 3 Wochen kann es dauern, bis die Ware kommt. Das liegt aber nicht an Vente Privee, sondern an den Marken. Im Lager von Vente Privee wird alles in 2-3 Tagen verschickt. First-in-first-out. Möglich wird das durch ein logistisches Meisterwerk. Jede Bestellung ist codiert und jedes Produkt ist codiert. Mitarbeiter scannen täglich jeder 2500 Produkte und dann geht es los. Mit den Barcodes werden Kunden und bestellte Produkte zusammengebracht.
Kisten durchqueren das Lager wie von Geisterhand, zwischendurch plumpst dann mal ein Produkt in die Kiste. Große Waren werden von Hand zusammengesammelt. Die Fehlerquote ist minimal. Ich habe seitdem ich Kunde bin, NICHT EINMAL eine falsche oder auch fehlerhafte Lieferung bekommen. Bei Brandalley, dem Konkurrenten, habe ich einmal gekauft und bekam ein kaputtes Produkt. Das ist mir bei Vente Privée noch nie passiert.
Doch wie werden die Waren ausgesucht, wie kommen Marken und Vente Privée zusammen, wie das Angebot zusammen gestellt? Dahinter stehen viele, viele Mitarbeiter.  Allein 2010 wurden 350 neue Leute eingestellt. In den Verwaltungsräumen bei Vente Privée geht es zu wie im Taubenschlag. Das Durchschnittsalter ist 31 Jahre und alle sind so relaxt wie der Chef selbst, Jacques-Antoine Granjon und seine sieben Geschäftspartner. Einen davon habe ich im Lager kennengelernt. Er sagte mir: "Am Anfang habe ich die Packete selbst gepackt und zur Post gebracht. Hier hat sich einiges geändert." Weit über 1300 Leute arbeiten heute bei Jacques-Antoine in Frankreich und inzwischen vielen anderen Ländern. Über die Expansion in die USA hatten wir hier berichtet.
Mit 1200 Brands arbeitet Vente Privee heute zusammen. Täglich werden es mehr.  Im Bying Department werden die Produkte ausgesucht, die später in den Verkauf kommen. Das schaut richtig sympathisch unorganisiert aus, ist es aber nicht. Hier sieht man, wie eine Mitarbeiterin Winterstiefel begutachtet.
Dann wird entschieden. Und die Kollektionen, die zum Verkauf kommen, zusammengestellt. Hier sieht man die Frankreich Sektion. Und eine Dessous-Kollektion. Die Fahnen zeigen, für welches Land das Team arbeitet.
Zwischen 2 und 5 Wochen dauert es einen Sales zu organisieren. Verträge müssen geschlossen werden, das Marketing abgesprochen werden. Die Brandphilosophien werden genauestens eingehalten. Die Größen in den unterschiedlichen Ländern angepasst werden. Dann werden die Produkte geshootet für den Online-Auftritt. 60% der Waren sind Mode.
Models werden nach den Ländern ausgesucht. Sprich, die perfekten Figuren sind hier nicht unbedingt gefragt, sondern die typischen Landeskörper. 12500 Fotos werden am TAG geknipst.
Parellel wird der Mood für den Teaser gestaltet. Ein Werbebanner mit Musik, die extra komponiert wird, begleitet den Verkauf und soll dem Kunden das Image der Marke näher bringen.  Die Achtung der Markenimages ist dem Online-Shop wichtig, daher wird hier viel Geld investiert.
Pro Jahr verkauft Vente Privee 3500 Sales, bzw. Restposten, denn nichts anderes ist es doch. Vente Privée ist sozusagen der professionellste Restposten-Verkäufer, den ich kenne, und nach 10 Jahren Marktführer in seinem Bereich. Und dass ohne je Schulden gemacht zu haben. Schon allein das Businessmodell ist mir sympathisch. Die haben das alles selbst finanziert und nicht von dem Web-2.0.-Hype profitiert und Geld von Investoren verprasst. Deshalb gönne ich denen ihren Erfolg. Und nun brauche ich dringend mal wieder Babyschuhe. Ich warte gerade auf die nächste Verkaufsankündigung.
Wem nun meine Begeisterung für diese Firma komisch vorkommt, dem sei versichert. Vente Privee hat bei uns keine Anzeigen geschaltet und mir auch nichts geschenkt. Ein paar Blogger hatten die eingeladen, hinter die Kulissen zu schauen. Ich war bei denen schon vorher Mitglied. Ich bin es seit rund 2 Jahren und habe einfach so gute Erfahrungen gemacht, dass ich das weitergeben will. Während ich das tippe, schaue ich auf meine roten DKNY-Sandalen, die ich just bei dieser Firma für 29 Euro online geshoppt habe und für die ständig Komplimente kriege.
P.S. Wer Mitglied werden will, muss sich einladen lassen. Fragt mal rum, jemand von Euren Freunden ist sicher schon dabei. Wenn nicht mailen an parisoffice, ich kann helfen. Aber wie gesagt: In Deutschland muss das Angebot einfach noch besser werden.
Photo Credit:

Kommentare

  • Horst sagt:

    Scheint auch ohne Einladung zu gehen, auf der deutschen Seite ist ein anmeldeformlar.... Oder hab ich irgendwas verpeilt? 😉
  • Anna sagt:

    Vente Privee find ich auch klasse. Hab nun -alte Schnäppchenjägerin- eine neue Seite entdeckt. westwing.de Ist aber auch nur über Einladung möglich, wenn du eine willst, schick mir einfach ne Mail.
  • Emma sagt:

    Also in Deutschland geht es auch ohne Einladung. Man kann zwar optional angeben, wer einen eingeladen hat, ist aber nicht zwingend.
  • Barbara Markert sagt:

    Das ist ja prima, dass das auch ohne geht.
    Soll ich Euch mal was erzählen? Heute gab es in Frankreich Kinderschuhe und ich wieder ganz eifrig dabei und ständig haut mich das System aus. Da schreibe ich diesen Lobeartikel und nun das!!!! So konnnte ich gleich mal die Hotline testen, die Preise gewonnen hat. Auf alle Fälle war da flugs einer dran, die Frau nahm alles auf, verstand den Fehler auch nicht und das Ganze geht nun an die Technikabteilung. Die wollen sich mit mir in Verbindung setzen. Mal sehen. Wegen dieses Problems, konnte ich nun heute keine Kinderschuhe kaufen. MIST!!
    Kaum lobt man, geht es nicht mehr.
  • Tina sagt:

    Die Handschuhe mit Spitze und die Wedges gefallen mir sehr!
  • Hanjo sagt:

    Also das ist ja alles eine gute Marketingaktion: Mitglied nur, weil die eure e-mails brauchen um euch dann permanent anzukeilen. Und die sachen: "neue" ware?? hahaha - aber welche saison bitte!!!!Alles klar??

    Da lob ich mir das NEUESTE und das ist mal was ganz feines:www.fashion-square-online-mall.net -was das ist? nun, da gibts bis 70% Discount auf die wirklcihen aktuellen Designerteile: Keine Re-importe, Überhänge, Retouren usw. sondern die Edelboutiquen aus Deutschland räumen ihre Lager weil bald die neue Ware kommt.

    Schaut mal rein, ein riesen angebot und schnell komt die Ware auch.

    Hanjo