Lese-Tipp: 28 Kilo Klamotten-Konsum

Das ist die Menge, die wir Frauen im Durchschnitt pro Jahr an Klamotten verbrauchen. Ja, VERBRAUCHEN. Ihr habt richtig gelesen. Wir kaufen jedes Jahr rund 30 Kilo und wir schmeißen auch rund 30 Kilo jedes Jahr in den MĂŒll. Das ist das Fazit der auf ökologische Themen spezialisierten Journalistin Lucy Siegle, die in ihrem Buch "To die for: is fashion wearing out the world?". Lucy hat in ihrem Buch die ganze Mechanerie der Fast Fashion Industrie und wie sie unsere Konsumgewohnheiten verĂ€ndert hat, mal aufgedröselt. Im The Guardian hat sie einen sehr langen, aber aufschlussreichen Artikel geschrieben, der ein bisschen schon einen Einblick gibt, was uns um Buch erwartet.  Die schockierenste Passage aus dem Artikel habe ich Euch kopiert.
Perhaps that mindset explains why a fashion industry commentator watched in horror as she saw one satisfied customer emerge from Primark's flagship Oxford Circus store with six or seven brown paper bags full of clothes. It was raining heavily, and as the young woman proceeded down Oxford Street one of them broke around the handles and folded cotton flopped on to the pavement. Naturally the journalist expected the girl to bend down and collect the clothes, but no. She just walked on. Fashion was apparently so expendable it had turned into litter.
Lest das Ganze mal gut durch und dann mĂŒssen wir alle mal zu unserem Kleiderschrank gehen und nachdenken. Bei den meisten von uns sieht es so aus wie bei Lucy selbst. Alles voll und viel zu viel UnnĂŒtzes. 22% des Inhalts unseres Schranks ziehen wir nie an.
Lucy beschreibt die GrĂŒnde folgendermaßen: Die Preise fĂŒr Klamotten sind zwischen 2003 und 2007 um 10% gesunken. Wir kaufen mehr fĂŒr weniger Geld. Kleidung hat kaum noch Wert. Durch schlaues Marketing Ă  la Topshop und Zara sind wir auch auf der stĂ€ndigen Jagd, keinen Trend zu verpassen. Die vertikalen Modeketten verfĂŒhren uns raffiniert und wir gehen ins Netz.
Ich gehöre zwar keineswegs zu denen, die 28 Kilo kaufen und die wieder wegschmeißen. DafĂŒr bin ich viel zu geizig und zu vernĂŒnftig erzogen worden. Aber auch bei mir wĂŒrde es besser aussehen, wenn mein Schrank nur halb so voll wĂ€re. Auch wenn sich dort vor allem uralte Klamotten tummeln, denn ich gehöre zu denen, die alles horten und es bei Gelegenheit wieder rausziehen. Beispiel: Mein Lieblingskleid gerade ist ein eigenes Vintage-Teil aus den 80ern, das ich 14 mal umgezogen habe und nun glĂŒcklich wieder ĂŒberstreiche. Dennoch: Mainlands selbst inszenierte Anti-Shopping-Askese ist ein bisschen das Zeichen der Zeit. Wir alle sollten uns ĂŒberlegen, wie man vernĂŒnftiger konsumieren kann.
Und wir alle könnten das gesparte Geld investieren in gute Gesichtspflege, Spa-Besuche, schöne Reisen. Was man beim vernĂŒnftigen Konsum sparen kann, rechnet uns Lucy am Ende des Artikels vor. Das ist ein bisschen wie beim Rauchen-Aufhören. Eine Freundin von mir schmiss jedes Mal, wenn sie kein Paket kaufte, 5 Euro in ein SparbĂŒchse. Am Ende des Versuchs war sie Nicht-Raucherin und konnte sich einen Flug nach Argentinien leisten. Überlegt Euch mal, was da zusammen kommt, wenn wir nicht jede Woche bei H&M, Topshop, Zara, Zalando, etc. shoppen. Das ist ne Weltreise drinnen.
Mich macht der Artikel auf alle FĂ€lle sehr nachdenklich. Als junge Mutter kauft man zwar sehr wenig fĂŒr sich und viel fĂŒr das Kind. FĂŒr Babyoffice bekomme ich viel von einer Freundin aus DĂŒsseldorf, aber ich kaufe auch viel bei H&M und Bout'chou, weil er eben viel braucht und alles stĂ€ndig in der WĂ€sche ist. Dennoch auch hier muss ich noch mal in mich gehen und versuchen, das zu Ă€ndern. Auf alle FĂ€lle sollten wir uns alle bemĂŒhen, besser und ökologischer zu konsumieren.
Fotos: Scan Artikel, parisoffice / Modepilot
Photo Credit: false

Kommentare

  • simone sagt:

    Super Artikel!

    Ich finde auch, etwas bewusster Einkaufen wĂŒrde keinem Schaden, im Gegenteil. Lieber wenige teurere, besondere Teile und nicht den ganzen Trash, den man nie oder nur sehr wenig trĂ€gt.


  • Chris sagt:

    Hab mir den Artikel auch durchgelesen. Bin derselben Meinung wie bereits oben geschildert. Besser sein Geld sparen und qualitativ hochwertige Sachen kaufen als viele kleine Summen fĂŒr schrottige Klamotten ausgeben. Dieselbe Devise gilt bei mir nicht nur was Mode angeht sondern auch bei Technik, Möbel etc. Dann hat man lĂ€nger was davon und die Freude ist grĂ¶ĂŸer.
  • FashionGo sagt:

    Naja aber irgendwie finde ich es komisch. Der eine Konsumwahn wird nun durch andere Artikel befriedigt: Reisen oder Beautystuff. Okay Reisen bringt neue Erfahrungen. Das lohnt in der Tat. aber ich finde diese Konsumkontrolle trotzdem falsch. Man sollte sich ein bisschen gehen lassen und nicht immer alles optimieren wollen. Außer man hat echte WĂŒnsche oder Ziele! Keine Askese und Fanatismus bitte 🙂
  • jen sagt:

    Das Gehirn nie auszuschalten ist ne Kunst, die es auszuĂŒben lohnt. Wer bewusst(er) einkauft, genießt es auch und hat letztlich mehr davon.
  • Tina sagt:

    Ich fĂŒhle mich irgendwie nicht angesprochen, da ich meine Klamotten nicht kiloweise aus den LĂ€den raustrage. Sowieso ist das zitierte Beispiel nicht wirklich reprĂ€sentativ, glaube ich. Krasse AusschlĂ€ge hin zum Minuspol gibt es ja wohl bei jedem Hobby.
  • Gretchen sagt:

    Oh ja! Ich habe vor kurzem meinen Kleideschrank ausgemistet und Sachen bei ebay verkauft und war erschrocken, wie viel ich davon NIE anhatte oder höchstes 1-2 mal. Muss meine Kaufgewohnheiten auch dringend ĂŒberdenken!
  • Julie sagt:

    Klasse Artikel!!!

    Regt sehr zum Nachdenken an!

    Merci 🙂


  • GfK-Studie: Die Deutschen sind in Kauflaune « Fashion Square Blog sagt:

    [...] Modepilotinnen hatten schon Mitte letzten Jahres einen kritischen Blick auf den Konsumwahn geworfen und ĂŒber das [...]