David Mallet, welche Frisur brauchen wir jetzt?

David Mallet gilt als der beste Friseur von ganz Paris. Dem Australier, der seit mehr als zwei Jahrzehnten an der Seine wohnt und dort Haare schneidet, vertrauen die schönsten Frauen der Welt ihre Haare an. Von Penelope Cruz ĂŒber Kate Winslet zu Diane KrĂŒger. Er weiß, was Frauen wĂŒnschen ;-)  . Exklusiv fĂŒr Modepilot hat er uns verraten, welche Frisur wir diesen Sommer haben mĂŒssen. Nebenbei verrĂ€t er uns ein paar Tricks zum erfolgreichen Friseurbesuch und zum Selber-Nachmachen von anderen Trendfrisuren. Viel Spaß beim Lesen!
Modepilot: Herr Mallet, wen frisieren Sie denn so?
David Mallet: Ich bin sehr bekannt fĂŒr Charlotte Gainsbourg, Clemence PoĂ©sy, Amira Casar, Anna Mouglalis, Sharon Stone, Liv Tyler, Robin Wright...
Alle diese Promis – wie kamen die zu Ihnen?
Bevor ich den Salon eröffnete, hab ich in der Mode gearbeitet und fast nur Shootings gemacht. Die Stars kannten mich alle schon. Die Schauspielerinnen, die zufrieden waren, reichten mich an ihre Freundinnen weiter.
Die Promis kommen hier in den Salon oder mĂŒssen sie zu denen?
Wenn sie FĂ€rbungen haben wollen, mĂŒssen sie hier her kommen. Zum Frisieren geht es ins Studio, fĂŒr das Schneiden kann ich zu Ihnen kommen. Ich bin schon mal mit dem Privatjet zu einem Friseurtermin geflogen.
Also wenn ich mich bei Ihnen schneiden lassen, kann es passieren, dass neben mir ein bekanntes Gesicht sitzt.
Oh ja, durchaus.  Oder aber auch nicht. Ich habe ungefĂ€hr 800 Kunden und davon sind rund 30 Schauspielerinnen. Eine amerikanische Journalistin verglich meinen Salon einmal mit dem NY Studio 54 in 1968. Es ist schwierig, hinein zu kommen, aber wenn man einmal drinnen ist, dann trifft man dort Gott und die Welt. Heute morgen waren eine 60-jĂ€hrige Amerikanerin da, daneben saß Diane KrĂŒger.
Was haben sie denn bei Diane KrĂŒger heute morgen gemacht?
Och, wir haben nur ihre Farbe aufgefrischt. Das war alles. Sie ist eine einfache Kundin. Im Privatleben liebt sie es natĂŒrlich. Wenn Sie zu mir in den Salon kommt, trĂ€gt sie meistens Pferdeschwanz und verlĂ€sst den Salon sogar noch mit nassen Haaren. Meistens will sie nur Farbe. Ich habe drei hervorragende Coloristen, die haben das ĂŒbernommen. Ich selber schneide und berate vor allem.
Welche Frisur ist typisch fĂŒr David Mallet?
Ein mit natĂŒrlichem Glamour. Das klingt widersprĂŒchlich, aber ich mag keine völlig natĂŒrlichen Haare und auch keine kĂŒnstlich aussehenden. Es muss ein Gleichgewicht  und eine Harmonie herrschen und natĂŒrlich zu der Frau passen. Ich habe einen Stil, der mit Volumen arbeitet, ich arbeite  viel mit schönen Locken, ich arbeite sehr wenig mit den superglatten Haaren, das ist nicht mein Ding. Ich glaube sehr an die natĂŒrliche Ausstrahlung und Schönheit. Aber diese  natĂŒrliche Schönheit kommt ja nicht von Natur aus, sondern da steckt immer viel Arbeit drinnen.
Ist es nicht schwierig, das Gleichgewicht zwischen NatĂŒrlichkeit und Glamour herzustellen?
Manchmal ist die Natur an sich recht traurig anzusehen. Dennoch kann man daraus etwas Schönes zaubern. Man darf nur diese Arbeit nicht sehen. Haar muss natĂŒrlich fallen und nicht starr aussehen. Aber auch wenn ich vier Stunden in eine solche Frisur investiert habe, sieht es am Ende natĂŒrlich aus und ich habe die Frau schöner gemacht.
Man sagt, Sie seien der beste Friseur von ganz Paris. Was macht einen guten Friseur aus?
Zuallererst sollte er eine gute Basis haben in der Technik. Er sollte nach der Schönheit streben und forschen. Es sollte jemand sein, der sich fĂŒr andere interessiert und der ein bisschen Psychoanalyse versteht.  Ein guter Friseur ist kein KĂŒnstler. Wir sind Handwerker. Ein guter Friseur ist fĂŒr mich jemand, der sich selbst und anderen eine Freude bereitet,  um eine gute Arbeit abzuliefern. Man muss die eigenen WĂŒnsche mit denen der Kundin zusammenbringen. Die meisten meiner Kundinnen wollen meine Meinung hören.
Bei einem neuen Kunden: Wie schnell wissen Sie, was diese Frau mag und was Sie fĂŒr diese Frau mögen?
Manchmal weiß man es schon, wenn sie reinkommt, noch bevor sie etwas gesagt hat. Aber in der Regel entspinnt sich ein Dialog. Meine erste Frage ist in der Regel: „Was wollen Sie gerne oder was wĂŒrden Sie sich von  mir wĂŒnschen?“ Wenn die Leute gut reden können, kann man aus den ErzĂ€hlungen dechiffrieren. Die besten Friseure aber sind die, die das Nichtgesagte verstehen. Die WĂŒnsche erahnen. Denn viele Kunden können sich nicht wirklich erklĂ€ren.
Also wenn ich mich hier in diesem schicken Salon mit all den Promis frisieren lassen wĂŒrde, wĂ€re ich eingeschĂŒchtert.
Machen Sie sich keine Sorgen, ich bin sehr cool mit meinen Kunden und alle fĂŒhlen sie hier sehr schnell wohl. Ich denke, dieser Salon ist zugĂ€nglich fĂŒr jedermann. Ich habe alle Sorten von Kunden. Von allen LĂ€ndern. Von allen Arten. Ihre einzige Gemeinsamkeit ist der Wunsch, schön zu sein und sich gut zu fĂŒhlen.  Das schönste Kompliment fĂŒr mich ist, wenn die Kunden sagen, dass sie sich verstanden fĂŒhlen oder sich schön finden.
Gibt es bestimmte Informationen, die Ihnen bei der Arbeit weiterhelfen?
Die SchĂŒsselfragen fĂŒr mich sind: „KĂ€mmen Sie sich? Machen sie sich selbst ein Brushing und in welcher HĂ€ufigkeit? Stört es sie, wenn Ihnen Haare ins Gesicht fallen? Was ist ihre Traumfrisur?“ Aber ich mag auch die Kundin, die sagt: „Ich will nicht reden, machen Sie mal!“
OK, dann sagen Sie doch mal, welche Frisur wir diesen Sommer brauchen?
Derzeit sind wieder lange Haare mit Mittelscheitel angesagt. Aber ganz akkurat geschnitten mit geraden Spitzen. Dann gibt es derzeit eine ganz große Bewegung zu den kurzen Haaren. Es ist der Wahnsinn,  wieviele Frauen sich derzeit bei mir die Haare abschneiden lassen. Und zwar so: Sie sind kurz im Nacken und oben und vorne lang. In den Farben: Blond massiv, Goldbraun, Karamell, Schokolade bis zu intensivem Rot.
Sind das derzeit die Modefarben bei den Haaren?
Ja, plus ein klares Weizen-Blond. Ohne StrÀhnen. Das macht jede Frau zum Engel und schaut sehr sauber und pur aus. Ich mag nicht so gerne die Farben, die nur aus StrÀhnchen bestehen, sondern eher massive Farben in Uni.
Gibt es eine berĂŒhmte Frisur, die Sie kreiert haben?
Es gibt viele Leute, die mich mit den Frisuren von Sharon Stone in Verbindung bringen. Und: Ich bin sehr bekannt fĂŒr meine Dutts und Haarkonten.
Wie macht man einen schönen Dutt. Gibt es einen Trick?
Die alte Technik, einen schönen Dutt zu kreieren, stirbt gerade aus. Ich denke, die gehöre zur letzten Generation von Friseuren, die noch nach der alten Methode das Haar kreppen und krÀuseln. Das ist eine sehr delikate Arbeit. Danach trickse ich ein bisschen und ergÀnze falsche Haare. Den Dutt, den ich Penelope Cruz und Sharon Stone verpasst habe, kann man nur nach der alten Technik machen.
Das sind die riesigen Dutts aus den 60er und 70ern Jahren.
Genau. Die sind gerade sehr in Mode. FĂŒr Sharon Stone habe ich einen im Stil von Breakfast by Tiffany gemacht. Wunderbar. Ich brauchte jede Menge zusĂ€tzliches Haar. Das ist wirklich eine Frisur fĂŒr die großen Soirees, BĂ€lle oder fĂŒr Oscar-Verleihungen. Die Stars bestellen diese Frisuren regelrecht bei mir.
Bei so schönem Haar wie dem von Penelope Cruz muss man aber nichts hinzufĂŒgen, oder?
Doch, selbst bei ihr habe ich ergĂ€nzt. Aber die Idee war, ein ĂŒbertriebenes Volumen zu erreichen. Es ist sehr selten, dass die Kunden genĂŒgend Haare fĂŒr diese Frisur haben. Meist mache ich aus den falschen Haaren ein Duttkissen und stecke dann die natĂŒrlichen Haare drĂŒber fest.
Kann man so eine Frisur auch zuhause nachmachen?
Solche Knotenkissen kann man fertig kaufen. Aber selbst damit ist es schwierig. Kaum noch eine Frau beherrscht heute die Technik der Creppage. Jedoch kann man kleinere und natĂŒrlichere Dutts selbst machen. Aber auch da empfiehlt es sich, vorher mal den Friseur zu fragen, wie es geht.
Welche Alternativfrisur zum Dutt empfehlen Sie fĂŒr den roten Teppich?
Da derzeit die jungen MĂ€dchen wieder den Glamour leben, empfehle ich diese riesigen Wellen Ă  la Rita Hayworth. Nichts, wirklich nichts macht eine Frau glamouröser. Genau diese Frisur habe ich Eva Green fĂŒr die Werbung von Poison fĂŒr Dior gezaubert. Sie sah aus wie Schneewittchen.
Und wie geht das?
Oh, das ist wirklich eine Kunst. Man zieht die Haare auf ganz große Wickler und dann geht es unter die Haube, so eine echte, alte Friseurhaube. Die hat heute kaum noch ein Salon. Kein Föhn-Brushing kann diesen Effekt erzeugen. Das sind zweieinhalb Stunden echte Arbeit, aber danach bringt die Frisur einen zum TrĂ€umen. Leider sind aber Traumfrisuren nicht praktisch fĂŒr den Alltag.
Sie haben viele jĂŒngere Kundinnen wie Charlotte Gainsbourg oder Anna Mouglalis mit langen, glatten Haare. Wie gibt man solche Frisuren Pfiff?
FĂŒr solche Kundinnen, die super natĂŒrlich, aber dennoch  ĂŒberwĂ€ltigend aussehen wollen, muss man am Material arbeiten. Man fĂ€rbt, damit die Haare gepflegter und dichter wirken. Die Spitzen sind dick. Oft ergĂ€nze ich auch hier falsches Haar. Man darf sich nicht tĂ€uschen: Das wirkt auf Bildern ganz natĂŒrlich, aber das ist sehr, sehr viel Arbeit.
Wie kann man denn mit Farbe den Eindruck erwecken, dass Haare dichter und gepflegter sind?
Farbe gibt Glanz und Reflekte. Bei Liv Tyler, die ich fĂŒr die Werbung des Givenchy Parfums stylte, haben wir die Haare eine Nuance dunkler gefĂ€rbt. Um den Glanz noch mehr zu verstĂ€rken, habe ich erst die Haare gewaschen, dann eine Pomade und zusĂ€tzlich drei Tropfen meiner neuen Haar-Serum-Pflege einmassiert. Anschließend habe ich das Haar mit lauwarmer Luft getrocknet und mit meinen HĂ€nden frisiert, damit ich die Struktur der Haare nicht zerstöre. Die Frisur war engelsgleich
Ihr Serum – was ist daran so besonders?
Darin stecken drei Jahre der Forschung und die Lösung vieler Kunden-Probleme. Es hilft bei trockenem, welligem und glanzlosem Haar. Die Struktur des Serums ist ganz leicht, erschwert nicht die Haare und wirkt ganz schnell. Man gibt drei bis neun Tropfen ins gewaschene Haar, verteilt es in die LÀngen, fertig. Danach hat man Traumhaare.  Nur bei feinem Haar wirkt es nicht so perfekt.
Das ist schade, denn gerade feines Haar ist ja ein echtes Problem. Nehmen wir Diane KrĂŒger. Die hat doch feines Haar, oder?
Ja, sie hat sehr feines Haar, aber eine Haarstruktur,  mit der man viel machen kann. Bei ihr benutze ich beim Föhnen Lockenwickler und ich frisiere sie mit Haare ĂŒber den Kopf nach unten. Das gibt  bereits ziemlich Volumen.
Gibt es EINEN perfekten Schnitt, der feinem Haar mehr Volumen gibt?
Nein, man kann Stufen reinschneiden, denn das gibt Volumen, aber vielleicht schaut damit die Kundin nicht schön aus. Der Schnitt muss eine Harmonie mit der Kopfform schaffen. Danach kommt dann das richtige Styling und auch Farbe hilft. Eine FÀrbung ist die einfachste Art, wie man Volumen in feines Haar bekommt.
Welchen Farben eignen sich dafĂŒr?
Eher helle Farben mit StrÀhnen auf der OberflÀche in einem noch helleren Ton. Das pumpt die Haare physisch ein bisschen auf. ZusÀtzlich bricht sich das Licht an den StrÀhnen und das gibt den Anschein von mehr Volumen. Bei feinem Haar sollte man immer eine Nuance heller als die Naturfarbe wÀhlen.
Gibt es einen Star, fĂŒr den sie die perfekte Frisur im Kopf haben?
Oh,  schon mein ganzes Leben trÀume ich davon, Cate Blanchett zu frisieren. Ich habe Tausende von Schaupielerinnen in meinem 36jÀhrigen Berufsleben frisiuerte, aber sie noch nicht. Dabei finde ich sie am tollsten von allen.
Weiß sie, dass Sie sie verehren?
Ich befĂŒrchte, dass sie es leider nicht weiß.
Fotos: Catwalkpictures, parisoffice / Modepilot
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Kommentare

  • patricia.s sagt:

    Und frĂŒher konnte man sich bei diesem Berufsstand sogar auch noch die ZĂ€hne ziehen lassen... Grandios!
  • sylvie sagt:

    tolles interview!! ich glaub, ich muss dringend zum friseur..
  • Nama sagt:

    Oh ja, da bekommt man wirklich Lust, zum Friseur zu gehen. Her mit der Farbe!

    Meckerecke:

    Bei der letzen Frage fehlt das Fragezeichen.

    Cate Blanchett wird mit "C" geschrieben.

    Was ist "brushing"?


  • Barbara Markert sagt:

    @Nama,

    danke, habe ich alles korrigiert. Ein Brushing ist diese Föhnen mit diversen BĂŒrsten (Warmluft-RundbĂŒrsten) plus Spray oder sonstige Mittelchen, das hĂ€ngende Normalhaare in Form bringt. In den 70ern hatte man das gerne. Habe erst gestern so eine Frau auf der Straße gesehen. Das ist lustig, das wirkt so bizarr, wenn heute noch jemand so eine Aufpumpfrisur hat.


  • Annike sagt:

    Super Interview!

    Und ich bin mit meiner Frisur schon voll im Trend 🙂


  • Tina sagt:

    Brushing ist einfach nur das Föhnen. Nennt jetzt jeder Feld-, Wald- und Wiesenfriseur so.
  • Styling-Hilfe bei Flechtfrisur fĂŒr besonderen Anlass > Beauty > Modepilot sagt:

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