Überfordert?!

Die Diskussionen um John Gallianos Überforderung nerven mich. Ich habe versucht, all die Zeitungsartikel sacken zu lassen, um nicht emotional zu reagieren. Doch die Einstellung der meisten Modekritiker, auch meiner verehrten Suzy Menkes ("the troubled designer"), finde ich weiterhin daneben. Menkes: "... the rigorous structure of a corporate fashion house broke the fragile, artistic creator".
John Galliano
Nein, nicht Dior hat dem Chefdesigner Schaden zugefügt. Es war andersherum! Oder gibt es eine jüdische Dior-Kundin, die sich angesichts der unbestrittenen your-forefathers-would-be-fucking-gassed-and-fucking-dead-Äußerungen des damals amtierenden Dior-Designers noch wohl fühlt in einem Galliano-Fummel? 14 Jahre lang machte er Dior-Mode.
Leider greifen Redakteure allerorts die Sicht DER Modekritikerin auf und es wird eine Diskussion über Modedesigner losgetreten, die dem Druck großer Modehäuser nicht standhalten können: Die sensiblen Kreativen greifen zum Alkohol und anderen Drogen.
Komisch, einen Versuch zu wagen, das indiskutable Verhalten zu erklären. Natürlich haben Chefdesigner Stress. Den haben andere Führungskräfte auch. Da kann man sich vielleicht mal im Ton vergreifen und anschließend eine Überforderung als Entschuldigung heranführen. Bei Galliano sehe ich das aber schwerwiegender.
Foto: catwalkpictures
Photo Credit:

Kommentare

  • Marie sagt:

    Guter Punkt!
  • Corinna sagt:

    Kreativität schützt vor Strafe nicht.
  • simone sagt:

    Ja, sehe ich auch so.
  • Chris sagt:

    Dummheit schützt vor Strafe nicht!
    Gerade als "öffentliche Person" sollte man Vorsicht walten lassen. Für diese Äußerungen hat er geradezustehen!
  • blomquist sagt:

    Bravo!

    Du sprichst mir aus der Seele.

    Ich finde einige Reaktionen zu dem Thema so unglaublich schlimm.


  • mahret sagt:

    Das sind ja auch zwei Diskussionen, die hier geführt werden - leider werden diese nur allzuleicht in einen Topf geschmissen. Galliano MUSS für seine Äußerungen die Konseqzenzen tragen, keine Frage. Er hat sich in höchstem Maße unkorrekt verhalten, das kann man nicht mit Überforderung etc. entschuldigen. DASS aber ein rauher Wind weht in dem Business ist klar und OB das nun wirklich so sein muss ist eine wichtige Frage, die man sich in dem Zusammenhang mal stellen kann. Ich sehe hier Parallelen zur Guttenberg Debatte. Da baut ein Mann Mist und weist damit gleichzeitig auf einen Missstand hin. Ich fürchte nur, dass die Diskussionen um den Missstand - sowohl im Falle Guttenberg als auch im Falle Galliano - im Boden versickern werden ohne wirklicht Änderungen zu zeitigen. Oder ist das nur mein Kulturpessimismus?
    http://www.faz.net/s/Rub469C43057F8C437CACC2DE9ED41B7950/Doc~EC28FCD3D76554B5BB832B244C07CB053~ATpl~Ecommon~Scontent.html