Fashion-Small-Talk: AMF, Swaps, Derivate

Ich habe es doch gesagt, dass LVMH noch weiter shoppt. Heute wurde bekannt, dass der Luxuskonzern bei Hermès angeblich noch nicht am Ende sei. Monsieur Arnault will noch mehr, aber keine Übernahme, versichert er. Das Ganze entwickelt sich zu einem echten kleinen Wirtschaftskrimi, denn Hermès wusste von nichts und ist wirklich not amused über die Aktienbewegungen.
Als alte Diplomkauffrau interessiert mich das natürlich alles. Aber leider ist mein Studium so lange her, dass ich nichts mehr weiß von diesen Börsendingen. Deswegen gibt es hier für mich und für Euch ein bisschen Nachhilfe. Damit wir alle beim Fashion-Small-Talk glänzen können. Denn die LVMH-Hermès-Story eignet sich nunmal ideal, um mal kurz nicht nur als Mode-Tusse, sondern als intelligente Fashionista aufzutreten.
Los geht's. Ich gebe auch immer gleich die Orginal-französischen Abkürzungen, damit ihr noch insidermäßiger erscheint:
O.P.A. bedeutet offre publique d'achat, auf deutsch so eine Art Letter of intent, das wiederum bedeutet ein öffentliches Übernahmeangebot. Wer alles noch genauer wissen will, hier geht es zum Wikipedia-Lexikon.Das will Bernard Arnault Hermès nicht unterbreiten, denn er will angeblich nur Anteile und nicht die Mehrheit an Hermès.
AFM bedeutet autorité des marchés financières. Das ist so eine Art Börsenpolizei, die darüber wacht, dass auch alles mit ordentlichen Dingen zugeht. Die hat sich nun eingeschaltet und guckt, dass LVMH keine krummen Tricks angewendet hat. Angeblich ist das eine reine Routine-Arbeit für AMF, aber LVMH hat schon vorausgreifend versichert, dass alles ganz ordentlich ablief. Die haben die Aktien teilweise für 80 Euro gekauft. Schnäppchenpreis!!!
Aktienderivate: 14,2% hat LVMH schon, über 17% nach Umwandlung von Aktienderivaten. Was ist das? Bei Finanzfragen, habe ich diese nette Erklärung gefunden:  Aktienderivate sind "Wetten" auf die Entwicklung des Kurses einer Aktie, die unter verschiedenen Namen laufen. Kurzum: LVMH hat gewettet, dass die Hermès Aktie steigt und dann eben einen guten Kaufpreis angeboten. Der Aktienkurs hat sich verdoppelt und nun kann LVMH das umwandeln.
Equity Swap: Je nach Marktsituation könnte - so das AFM - der Konzern LVMH seine Shoppingtour fortsetzen. Die bisherigen Aktien wurden teilweise über Equity Swaps  erworben. Die ganze Aktion war schon 2008 erstmals eingefädelt worden. Equity Swaps ist ein auf Aktien oder Aktienindizes basierender Swap, weiß Wikipedia. Unter einem  Swap (Ich zitiere erneut Wikipedia(engl. (Aus-)Tausch) versteht man in der Wirtschaft eine Vereinbarung zwischen zwei Vertragspartnern, in der Zukunft Cash Flows auszutauschen. Die Vereinbarung definiert dabei, wie die Zahlungen berechnet werden und wann sie fließen. Und nun noch die Erklärung zum Equity Swap: Ein Cash-Settled Equity Swap ist die typische Variante der Equity Swaps, bei der ein Käufer die Kurssteigerungsgewinne einer unterliegenden Aktie erwirbt, jedoch nicht die Stimmrechte derselben. Genauer werden gegenseitige Zahlungsströme in Abhängigkeit von der Entwicklung einer Aktie vereinbart (siehe auch Derivat). Diese Variante wird vermehrt bei feindlichen Übernahmen eingesetzt. Das angreifende Unternehmen erwirbt bei meist verschiedenen Banken Cash-Settled Equity Swaps mit dem Zielunternehmen (Target) als Basiswert. Steigt der Aktienkurs des Zielunternehmens, so erhält das angreifende Unternehmen die Differenz zu dem entsprechend jeweils bei der Zeichnung vereinbarten Aktienkurs. Gleichzeitig kaufen die beteiligten Banken große Aktienpakete des zu übernehmenden Unternehmens, um sich gegen die bei steigenden Aktienkursen fälligen Zahlungen an das angreifende Unternehmen abzusichern. Verstanden? Also LVMH hat auf die Kursteigerung von Hermès spekuliert und gewonnen. So könnte man das in Kürze ausdrücken. Ist schon super kompliziert.
Jean Louis Dumas: letzter CEO von Hermès, der aus der Familie der Gründer stammt. Er starb im Mai 2010. Hier geht es zu unserem Nachruf. Schon während seiner Krankheit gab es den obersten Posten ab und ernannte Patrick Thomas zum Manager für die Wirtschaftssachen. Damit  wurde zum ersten Mal ein Familienfremder Chefmanager des Unternehmens. Die Kreativleitung blieb aber in Dumas-Familien Händen.
Das hat damals viele Spekulationen hervorgerufen. Hermès, die Bastion, sei bereit zur Übernahme etcetera. Daher werden die aktuellen Aktionen von LVMH von vielen äußerst genau beäugt. Bewahrheiten sich die Gerüchte? Insider wagen die Behauptung, dass Sohn Dumas auch mehr übernehmen könnte. Und die Hermès Familie hat in den französischen Medien klar geäußert, dass sie wie eine Bastion gegen die Übernahme zusammenstehen werden. Warten wir es ab.
Foto: parisoffice / Modepilot
Photo Credit:

Kommentare