Kauft diese Parfums und tut Gutes

Wir sind ja hier immer recht ironisch bei Modepilot. Aber nun gibt es einen Beauty-Tipp mit ernsten Background. Die Firma Annick Goutal hat 3 Rosenparfums seit einem Monat neu aufgelegt, bei denen Teile der Verkaufserlöse einer Krebshilfeorganisation zugute kommen.
Solche Aktionen kennt man aus der Beauty- und Modebranche, doch bei dieser Firma gibt es eine ganz tragische Geschichte dazu. Ich habe Euch deshalb mein Interview (aus der deutschen Vogue) mit der sĂŒĂŸen Camille Goutal  kopiert, die die ganze schreckliche Geschichte der Familie Goutal erzĂ€hlt. Camille ist die Tochter von Annick, hat selbst das Krebsgen in sich und leitet heute das Parfumhaus Ihrer Mutter weiter. Oben im Bild sieht man sie vor der Duftorgel ihrer Mutter, bzw. ihrem heutigen Arbeitsplatz.
Der Krebs prÀgt unser Leben
In der Familie der Pariser Parfumeurin Annick Goutal wird der Krebs vererbt. Das Gen mit Namen BRCA1 hat bereits Annick, drei ihrer Schwestern und ihre Mutter getötet. Auch Camille, die Tochter der GrĂŒnderin, trĂ€gt das Krebs-Gen in sich. Mit einer Parfumaktion will die 35-JĂ€hrige jetzt auf die Krankheit aufmerksam machen und Geld sammeln fĂŒr eine Krebsinitiative.
Parisoffice: Ihre Mutter starb 1999 im Alter von 53 Jahren. Wie alt waren Sie damals?
Camille Goutal: Als schließlich der Tod eintraf war ich 25 geworden und meine Tochter Mila gerade einen Monat alt.
Wie lange hatte Ihre Mutter gelitten?
Zwölf Jahre. Die letzte Zeit war am schlimmsten. Es gelang ihr nicht zu sterben. Sie lebte in einem Halbkoma mit furchtbarem Durst, Bauchweh, spÀter kam Atemnot dazu. Wir merkten, dass sie gehen wollte, aber irgendetwas hielt sie fest.
Ihr Baby?
Nicht nur. Meine Tochter kam im Juli zur Welt und ich bin jeden Tag mit dem Baby zu ihr. Das war sehr schön. Mein Stiefvater Alain, ein Musiker, hatte in dieser Zeit Konzerte. Die meisten sagte er ab, aber dann musste er doch fĂŒr eine Woche weg. Ich erinnere mich genau, als er zurĂŒckkam. An diesem Tag ließ meine Mutter endlich los, der Tod kam einen Monat spĂ€ter. Sie hatte abgewartet, bis meine Tochter geboren und ihr Mann nach Hause gekommen war.
Wussten Sie zu dieser Zeit schon, dass auch Sie das Gen in sich tragen?
Nein. Eigentlich wollte ich den Test sehr frĂŒh machen, weil meine Großmutter und vier ihrer sechs Töchter daran gestorben waren. Aber meine Mutter war dagegen. Sie wollte zu Lebzeiten nicht wissen, ob sie mir das Gen vererbt hat. Eine Kusine, die ebenfalls ihre Mutter verloren hatte, riet mir aus dem gleichen Grund, erst eigene Kinder zu kriegen. Also habe ich gewartet. Meine erste Tochter bekam ich mit 24, die zweite mit 27. Zwei Jahre spĂ€ter habe ich mich testen lassen.
Wollten Sie keine weiteren Kinder?
Die Frage stelle sich nicht. Ich konnte nicht lÀnger warten. Meine Mutter hatte ihren ersten Krebs mit 30.
Welche GefĂŒhle hatten Sie im Vorfeld des Tests?
Da kommen sehr viele, unterschiedliche GefĂŒhle hoch. Ich war schon vorher ĂŒberzeugt, dass ich die Mutation habe. Das war eine Eingebung.
Und als Sie das Ergebnis erfuhren?
War es ein furchtbarer Schock. Man denkt, man ist vorbereitet, aber das ist man nicht. Plötzlich hat man Schwarz auf Weiß vor sich, dass man krank ist.
Sie sind heute 35. Bis dato ist der Krebs noch nicht ausgebrochen?
Nein. A priori wird man auch sehr frĂŒh erkennen, wenn es passiert, denn ich werde medizinisch ĂŒberwacht. Alle sechs Monate durch meine GynĂ€kologin und einmal im Jahr lasse ich Ultraschall, Mammographie und Kernspinntomographie im Krankenhaus machen. Die drei Tests sind notwendig, um Krebsherde zu identifizieren. Leider ist das sehr belastend fĂŒr den Körper und die Untersuchungen sind fĂŒr mich mit einem großen Stress und schrecklichen Erinnerungen verbunden.
Welchen?
Seitdem ich zehn Jahre alt bin, lebe ich mit dieser Krankheit. Als ich klein war, bin jeden Tag direkt von der Schule ins Krankenhaus gefahren. Zu meiner Mutter, zu meiner Tante, spÀter zu meiner Kusine und zu meiner anderen Tante. KrankenhÀuser erinnern mich an Frauen ohne Haare, an den Tod.
Wie leben Sie im Alltag mit diesem Damoklesschwert ĂŒber Ihrem Kopf?
Ich lebe mit dem Bewusstsein, dass das Leben kurz ist und man davon profitieren sollte. Außerdem versuche ich, möglichst wenig daran zu denken. Aber natĂŒrlich ist die Krankheit immer prĂ€sent. Theoretisch besteht die Möglichkeit, dass der Krebs niemals ausbricht. Diese Idee hĂ€lt mich aufrecht.
Wie groß ist die Chance?
Sehr gering. Nur 10% der Frauen mit der Genmutation erkranken nicht an Brustkrebs. Bei den Eierstöcken sind es 50%, aber dieser Krebs ist viel schlimmer. Deswegen werde ich sie mir auch dieses Jahr prÀventiv entfernen lassen.
Ist das ein großer Eingriff?
Die Operation an sich ist einfach und mein Brustkrebsrisiko verringert sich auch. Doch danach tritt man mit 35 in die Menopause ein.
Warum wollen Sie den Eingriff unbedingt in diesem Jahr machen?
Weil alle Frauen in meiner Familie um die 36 Jahre krank wurden. Normalerweise bricht die Krankheit um die 40 aus, aber in unserer Familie kommt der Krebs frĂŒher. Ich will nicht warten, bis es zu spĂ€t ist.
Die Krebsforschung macht Fortschritte. Verfolgen Sie die Entwicklungen?
Überhaupt nicht. Das macht mir nur noch mehr Angst. Seit 20 Jahren, also zu Zeiten als meine Mutter noch lebte, gibt es immer wieder neue Wundermittel, die dann die geweckten Hoffnungen doch nicht erfĂŒllen.
Wissen Ihre Töchter, dass Sie und die ganze Familie krebsgefÀhrdet sind?
Ja, klar. Mila und MaĂŻa sind zwar erst 11 und 8 Jahre alt, aber sie bekommen das mit. Wie meine Mutter, so werde auch ich ihnen abraten, frĂŒh den Test zu machen. Sie sollen leben und Spaß haben.
Erziehen Sie Ihre Kinder anders wegen der Krankheit?
Nein. Ich will vor allem, dass wir ein ganz normales Leben fĂŒhren. Wir sind von Natur aus eine sehr positiv eingestellte Familie mit echten Werten und Wurzeln. Geld oder Showbiz interessieren uns nicht. Doch die Krankheit prĂ€gt unser Leben. Auch jetzt wieder. Meine Tante Marie-France ist die einzige, die nicht das Gen in sich trĂ€gt. Sie hat 2009 zusammen mit ihrem Mann den Laden Merci aufgemacht, dessen gesamter Gewinn in ein Kinderprojekt nach Madagaskar fließt. Die beiden arbeiten umsonst, helfen anderen. Kurz nach der Shop-Öffnung bekam ihr Mann Bernard Krebs. Trotz Chemotherapie hat er noch immer Metastasen. Es schaut nicht gut aus fĂŒr ihn. (Herr Cohen ist vor zwei Wochen verstorben, A.d.R.) Das ist doch ungerecht. Wir fragen uns, was wir gemacht haben, dass wir so bestraft werden.
Sie starten nun die Aktion Rosen-Oktober, bei der Einnahmenerlöse wĂ€hrend des Oktobers 2010 aus dem Verkauf dreier Rosenparfums an die französische Brustkrebsinitiative AVEC fließen. Was versprechen Sie sich davon?
Das Gen ist sehr unbekannt und in manchen Familien ist es sogar ein Tabu, ĂŒber die Krankheit zu reden. Dank dieser Aktion kann ich drĂŒber sprechen und die Genmutation bekannt machen. Vielleicht hilft das jemandem bei der FrĂŒherkennung.
Eines der Parfums ist von ihrer Mutter?
Genau, Rose Splendide ist von ihr und das haben wir ĂŒberarbeitet. Quel Amour! Ist ein Duft von mir und Rose Absolue ist ein ganz neuer Duft. Meine Mutter liebte Rosen. FĂŒnf Euro gehen pro Parfum an AVEC. Wir garantieren eine Mindestsumme von 12000 Euro, aber ich hoffe natĂŒrlich, dass mehr dabei herum kommt.
Wie kamen Sie auf den Verein AVEC?
Doktor Kahyat, der GrĂŒnder, hatte meine Mutter betreut. Ich kenne ihn also seit meiner Kindheit. AVEC forscht ein bisschen, aber es geht vor allem um die menschenwĂŒrdige Begleitung der Kranken im Alltag. Es ist sehr wichtig, eine warmherzige wie lustige Umgebung zu schaffen. Ich erinnere mich genau an Besuche von Freunden bei meiner Mutter im Krankenhaus. Die Damen fragten mit Grabesstimme, wie es ginge. Und meine Mutter antwortete: „Super, danke der Nachfrage. Können wir jetzt ĂŒber was anderes reden?“
Foto: parisoffice / Modepilot, PR
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Kommentare

  • Kathrin Bierling sagt:

    Schönes Interview. Mich lĂ€sst die Frage nicht los, ob ich Kinder kriegen wollen wĂŒrde, wenn ich ahne, ein tödliches Krebsgen zu vererben.
    • sylvie sagt:

      das haut echt um, auch wenn vieles schon bekannt war 🙁
      • sylvie sagt:

        danke fĂŒr diesen tollen artikel+interview!