YSL: Die Ausstellung

YSL Exhibition Launch Party - Paris
Nun war ich endlich drinnen, in der YSL Schau im Petit Palais. Babyoffice habe ich mitgenommen, der Junge muss sich schließlich langsam mal mit der Mode beschäftigen und für seine Bildung ist es auch gut. Spiegel Korrespondent Stefan Simons hatte die Schau gleich am Anfang gesehen und  in vielen Aspekten kritisiert (hier geht es zu seinem Artikel) und mutmaßt sogar: "Mode im Petit Palais, neben den Werken von Delacroix, David, neben Monet, Renoir oder Cézanne - ein kunsthistorisches Sakrileg?" Da muss ich mal ganz vehement widersprechen, denn das Petit Palais präsentiert in ihrer ständigen Ausstellung eine äußerst bizarre Mischung an Kunstwerken. Von kitschigem Nippes bis zu tatsächlich wichtigen Kunstwerken ist dort alles vertreten und wer sich die ganze Sammlung mal angetan hat, der geht meist ratlos wieder hinaus. So gesehen ist einfach nur wunderbar mal eine große monothematische und klar strukturierte  "Moden-Schau" in diesen wunderschönen Hallen zu sehen.
YSL Exhibition Launch Party - Paris
Tja, was gibt es zu sehen? Ich zitiere noch einmal Spiegel online: "Die Ausstellung kommt als sakrale Feier eines Mythos daher, bei der alle dunklen biografischen Flecken - Drogen, Alkohol, Sex-Exzesse und Depressionen - kaschiert, korrigiert, wegretuschiert werden: Yves Saint Laurent wird zur historischen Ikone auf dem Laufsteg der Haute Couture." Auch hier kann ich nur widersprechen. Nein, es ist kein peinlicher Personenkult, sondern einfach eine Werkschau. Nichts weiter. Hier geht es um das Werk Yves Saint Laurents, seine Arbeit, seine Arbeitsweise und nur am Rande um ihn.
Wenn man dieser Ausstellung etwas vorwerfen will, dann dass, dass ein wenig mehr Auswahl besser gewesen wäre. Die Fülle der Modelle erschlägt den Betrachter und ermüdet die Besichtigung. Klar, dürfen die berühmtesten Entwürfe, wie La Saharienne (Bild oben) nicht fehlen, aber manchmal wünscht man sich mal ein bisschen mehr Platz zwischen den Kleidern und mehr Platz zum Atmen angesichts dieser Informationsflut.
YSL Exhibition Launch Party - Paris
Die Schau ist klassisch chronologisch aufgebaut, einzelne Räume behandeln Trendepochen. Bestückt mit wenigen Filmen und Fotos, die Saint Laurent bei der Arbeit zeigen oder den Zeitgeist von damals widerspiegeln. Ein Raum, der ein bisschen als das Herz der Ausstellung angesehen werden kann, durchbricht dieses Schema und zeigt die Modelle nach Themen sortiert, wie z.B. Kunstinspirationen, ethnische, afrikanische Einflüsse etc.
YSL Exhibition Launch Party - Paris
Die überbordende Fülle und Vollständigkeit der Schau hat neben dem Information Overflow natürlich auch Vorteile, denn man erfährt wirklich Neues: Zum Beispiel YSLs-Design-Flop von 1971, der zahlreichen internationalen Tageszeitungen damals eine ganze Seite Zerriss wert war. Der damals schon Kultstatus genießende Yves wurde im wahrsten Sinne des Wortes nieder gemacht. Warum? Er zeigte mitten in den hippen 70ern eine Kollektion, die von der Nachkriegsmode inspiriert war. Unter uns: eine geile Kollektion. Sie hat mir super gefallen, ich kann mir aber gerne vorstellen, dass zu dieser Zeit, wo der Hippie-Look endlich auch die breite Bevölkerung erreicht hatte, niemand sich in 40er Klamotten kleiden wollte. Bild siehe unten.
YSL Exhibition Launch Party - Paris
Für mich das Highlight sind zwei Räume: Der Haute Couture-Abendroben-Raum an dessen Hintergrund ein auf den ersten Blick einfache, schwarze Wand den Kontrast bildet. Die mindestens 4 bis 5 Meter hohe Wand ist jedoch nicht einfach nur Schwarz, sondern Schwarz von den vielen YSL-Smokings, die dort wie in einem Setzkasten ausgestellt sind. Mein zweiter Lieblingsraum ist der letzte der Ausstellung, der Saint Laurents Farbrecherchen gewidmet ist. Unzähliche Stoffschnipsel in Farbfamilien sortiert bedecken die Wände und erklären, wieviel Mühe und Arbeit sich der Designer sein Arbeitsleben lang gemacht hat.
Fazit: Wer in Paris demnächst weilen sollten, sollte diese Ausstellung nicht verpassen. Vorreservierungen sind zu empfehlen, ich kam nur wegen babyoffice und meinen Presseausweis rein. Zeit mitbringen und Durchhaltevermögen. Die Schau läuft bis 29. August. Der Kauf des Katalogs ist zu empfehlen, wer sich mit den Kleidern noch ein bisschen mehr  beschäftigen will.
Fotos: Nicolas Briquet/ABACAPRESS.COM, Content © 2010 Newscom
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Kommentare

  • Pepe Burkhardt sagt:

    Ich beneide dich so!!! Ich muss sie noch unbedingt sehen. UNBEDINGT. Toller Bericht. Ebenso stelle ich sie mir vor und habe es bis dato auch nur gehört!
  • svenja sagt:

    Dany, an welcher Stelle passt das noch in den Zeitplan?
  • mainlandoffice sagt:

    svenja, es hat sich für die dany leider ausgeplant.