Balenciaga: zum riechen, hören, sehen und lesen

Am 1. April kommt das neue und erste Balenciaga-Parfum auf den deutschen Markt. Das Pariser Modehaus hatte zwar schon früher unter Cristobal Balenciaga Düfte im Angebot, die auch nach seinem Ausscheiden und Tod weiter lebten, doch diese Parfums gerieten mehr und mehr in Vergessenheit und führten ein Schattendasein. Mit der Wiedergeburt des Labels unter Nicolas Ghesquière war es nun an der Zeit, einen Neustart zu wagen. Zwölf Jahre dauerte es, bis die alten Parfums vom Markt genommen waren, das Label und die Mode wieder so bedeutend wie einst wurden und der richtige Lizenznehmer (Coty Prestige) für das Parfum gefunden war.
Balenciaga Paris heißt der Duft, der in einem handgeblasenem Flakon im Art-Deko-Stil daher kommt  und Charlotte Gainsbourg als Rolemodel hat.
Das klingt doch schon mal alles sehr schön: Charlotte ist jemand, den wir alle gut finden, und der Flakon ist äußerst gelungen. Mir ist der Duft, in dem Veilchen eine bedeutende Rolle spielen, etwas zu klassisch geraten. Aber es ist eine sehr schön Note, den ihr Euch auf alle Fälle mal aufsprühen solltet. Sprühen und selbst entscheiden.
Damit Ihr aber vorab gut informiert seid über den Duft, das Haus, den Flakon und Nicolas Ghesquière bieten wir Euch hier mal ein echtes Multimedia-Angebot vorab zum Duftstart.
Zur Einstimmung ein Video zur Entstehung der Duftwerbung:
httpv://www.youtube.com/watch?v=8bmI-8vHqUA
Eine Audiofile eines Interviews, das ich mit Ghesquière geführt habe. Vorsicht: Das dauert eine Stunde und ist auf Französisch. Einfach auf den Link unter dem Bild klicken!
Übrigens bewies dieses Interview einmal mehr, wie nett Modedesigner sind. Nicolas Ghesquière ist ein so sympathischer junger Mann. Man versteht sofort, warum er und Charlotte sich verstehen. Tja, ich ging danach nach Hause und war fast ein bisschen traurig, dass ein solches Interview nur ein Businesstermin ist, denn mit diesem netten Designer wäre man gerne auch privat befreundet. Ghesquière ist trotz seines Ruhms so bodenständig und normal geblieben, dass es eine wahre Freude ist.
Und zum krönenden Abschluss für alle, die auch mal einen langen Text lesen wollen, ein Portrait über ihn, das auf dem Interview aufbaut, das Ihr oben hören konntet. Das ist übrigens gleich auch mal ein Test an Euch: Liest man solange Texte in einem Blog, ja oder nein?
Zur Mode berufen
Die Wände sind großzügig mit Goldvertäfelungen überzogen. Schwere Spiegel mit üppigen Rahmen werfen die überbordende Dekoration in alle Richtungen wieder und steigern die Pracht ins Maßlose. Die Empfangssäle des Pariser Palasthotels Crillon sind zweimal im Jahr der glanzvolle Schauplatz der Modenschauen von Balenciaga. Models schreiten dann durch die Reihen voller Louis XV Stühlchen, auf denen die wenigen, handverlesenen Gäste gespannt darauf warten, was sich der junge Chefdesigner für das Couture-Haus ausgedacht hat. Doch heute ist der Raum leer. Ein regengrauer Himmel über den Place de la Concorde wirft sein mildes Licht durch die meterhohen Fenster und beleuchtet ein einsam stehendes Antiquitäten-Ensemble, auf dessen Jacquard-Damast bezogenem Kanapee Nicolas Ghesquière sitzt. Sein schlichtes Outfit aus Jeans, V-Ausschnitt-Pulli und Wildlederschuhen steht im krassen Gegensatz zur Opulenz des Ortes, die den zarten jungen Mann mit dem blassen Teint und den dunklen Haaren in sich zu verschlucken scheint.
Seit zwölf Jahren ist der Autodidakt, gebürtig aus dem industriellen Norden Frankreichs, Kreativdirektor des Traditions-Modehauses und fast genauso lange wird er mit Lob und Ehrungen überschüttet. Die amerikanische Presse bezeichnete ihn nach nur wenigen Kollektionen für Balenciaga als den neuen „Messias der Mode“, 2000 wurde er zum Designer des Jahres gewählt, ein Jahr später erhielt er den „International Designer Award“ der Vereinigung der Modedesigner Amerikas, 2008 ehrte ihn Frankreich mit den Insignien eines „Chevalier des Arts et des Lettres“ und die Times zählt ihn zu einem der 100 einflussreichsten Menschen in der Welt. Doch fragte man Passanten auf der Straße nach seinem Namen, würden sie wohl nur ahnungslos mit den Schultern zucken. Ghesquière – wer?
Der 38-Jährige ist ein Mann der leisen Töne. Er hat weder die berühmten Eltern einer Stella McCartney, noch den egozentrischen Hang sich zu Verkleiden eines John Galliano. Nicolas Ghesquières Auftreten ist im höchsten Maße unauffällig. „Ich verstecke mich hinter einem, der sich auch gerne versteckte. Cristobal Balenciaga zeigte sich nur ungern und gab niemals Interviews. Doch wenn ich muss, dann trete ich auch mal aus meinem Schatten hervor.“ So wie jetzt, wo er im Hôtel de Crillon Rede und Antwort stehen muss zum Start des neuen Duftes. Seit sieben Jahren stand ein Parfum auf seiner To-Do-Liste. Schlicht „Balenciaga Paris“ nennt sich das bernsteinfarbene Wasser, das in einem ebenso schlichten Flakon in Form einer mit Kanten geschliffenen Glasglocke im März auf den Markt kommt und mit seiner weiß-schwarz-marmorisierten Kugel als Verschluss – einem dekorativen Element, das aus dem Stammhaus des Modedesigners stammt und sich in allen Boutiquen wiederfindet – sehr klassisch, ja fast schon antik wirkt. Die Essenz soll, so der Wille des Kreateurs, nicht unter, sondern auf der Kleidung getragen werden, z.B. „auf einem Trenchcoat“. Diese olfaktive Gebrauchsanweisung amüsiert zwar den Erfinder selbst ein bisschen, doch mit Nachdruck ergänzt er: „Beim Duft einer Fashionmarke finde ich es wichtig, dass man ihn eben nicht nur auf der Haut trägt!“
Verkörpert wird der blumig-zyprische Duft, bei dem das einst viel benutzte, heute aber längst in Vergessenheit geratene Veilchen zu neuen Ehren kommt, durch des Designers beste Freundin und Muse Charlotte Gainsbourg. Die Schauspielerin und der Designer kennen sich seit zehn Jahren. Sie wurden einander nach einer Modenschau backstage vorgestellt und verstanden sich auf Anhieb. Doch für Ghesquière hatte die Freundschaft gefühlsmäßig schon viel früher begonnen: „Charlotte und ich lachen immer, wenn ich sage, dass ich schon ihr Freund war, bevor sie wusste, dass ich existiere. Sie ist dank ihrer Glamour-Eltern Jane Birkin und Serge Gainsbourg ein bisschen das Kind Frankreichs. Jeder kennt ihre Filme, ihre Musik, ihr Leben. Sie hat mich schon lange vor unserem leiblichen Treffen in meiner Arbeit inspiriert.“ Von Anfang an habe er für seinen Duft nur sie im Kopf gehabt. Sein Parfum sei gemacht für eine Künstlerin, die viele Leute berühre und deren Duft deshalb auch vielen anderen Leuten gefallen werde. „Früher, in der französischen Couturetradition, hat man immer Kreationen für eine bestimmte Frau geschaffen. Diesen alten Ansatz griff ich auf, aber eben mit einer Persönlichkeit, wie Charlotte, die ganz zeitgemäß ist.“
Das Spielen mit dem Kontrast „Historie versus Moderne“ ist Teil von Ghesquières kreativer Philosophie und zieht sich durch seine gesamte Arbeit. Als selbst ernanntes Kind der 80er lässt er sich inspirieren von alten Science-Fiction-TV-Serien, Star Wars, den ersten Videospielen und der Pop-Musik. Seine Helden und Heldinnen von früher, denen er noch immer treu ist, sind Stéphanie von Monaco, Grace Jones, Duran Duran, Steve Miller und Francoise Hardy. Sie verknüpft der talentierte Wahlpariser mit dem Haute Couture Verständnis Cristobal Balenciagas  aus den 30ern bis 60ern, überliefert in dem berühmten Zitat des Modeschöpfers: „Ein Couturier muss ein Architekt sein für den Schnitt, ein Bildhauer für die Form, ein Maler für die Farben, ein Musiker für die Harmonie und ein Philosoph für den Stil.“ Das Ergebnis zwischen diesem Streben nach Perfektion und dem Groove der 80er ist ein Mix, der jede Saison aufs Neue völlig anders aussieht. War seine letzte Winterkollektion geprägt von Eleganz und bourgeoisem Feminismus in Form von Spitzeneinsätzen, Satinschleifen und üppig gerafften Röcken aus Seidentaft, so zeigt der Designer mit dem markanten Gesicht  für den kommenden Sommer sportlich-rockige Kapuzenjacken zu engen Motorradhosen in maskuliner Linienführung. „Ich versuche auf lange Sicht, mich und auch alle anderen zu überraschen. Doch wenn ich meine alten Kollektionen analysiere, merke ich, dass meine Inspirationen immer die gleichen sind und ich oft lange an den gleichen Ideen herum recherchierte, wie z.B. dem Futurismus oder der Neoklassik. Innerhalb davon wechseln Phasen von Streetwear mit Couture ab.“
Die Silhouette des Hauses mit ihren skulpturalen Formen, genial-simplen Schnitten, fernen Kragen und betonten Schultern sei trotz dieser ständigen Register-Wechsel immer zu erkennen, wie auch die Methodik bei der Konstruktion der Kleider. „Balenciaga war ein Forscher und sein Atelier ein Labor. Die Möglichkeit, experimentieren zu können, ist das, was ich am allermeisten an dieser Marke mag und worin ich die Zukunft der Firma sehe. Die Suche nach neuen Formen, Stoffen, Volumen war für mich entscheidend, diesen Beruf und vor allem dieses Haus zu wählen.“ Plötzlich verschwindet das sympathische Lächeln aus seinem Gesicht und der Designer zieht nachdenklich die buschigen Augenbrauen zusammen. Sein Blick wirkt nun ernst, aber auch abgeklärt, von anfänglicher Schüchternheit ist nichts mehr zu spüren. Der Ende-Dreißiger ist jetzt in seinem Element und bei dem Thema, mit dem er sich seit frühester Kindheit beschäftigt: der Mode. Zu ihr scheint Nicolas Ghesquière berufen zu sein.
Bereits als Zwölfjähriger wusste der Sohn einer Schwimmtrainerin und eines Golfplatzmanagers, dass er Fashiondesigner werden wollte, mit 15 absolvierte er seine ersten Mode-Praktika. „Mit 18 bin ich dann zu Jean Paul Gaultier, der mich nach sechs Monaten anstellte.“ Dass er niemals eine Modeschule von innen gesehen hat, bedauert er heute manchmal, aber „irgendwie hatte ich weder die Zeit, noch die Gelegenheit dazu.“ Verlegen rutscht er auf dem Louis-XV-Sofa nach vorne, um seiner Entscheidung zur Ausbildungsverweigerung Nachdruck zu verleihen: „Kein anderes Modehaus war in den 90ern cooler als das von Jean Paul. Ich war also genau dort, wo man sein musste. Von dieser praktischen Erfahrung zu einer klassischen, akademischen Ausbildung zu wechseln, ergab keinen Sinn.“ Der junge Modeassistent blieb bei Gaultier bis er 21 Jahre alt war und machte sich dann als Freelancer selbstständig. „Ich gab meine Sicherheit auf, kümmerte mich um zwei kleine Kollektionen für den kommerziellen Markt  und fuhr morgens um sieben Uhr quer durch Frankreich, um in Fabriken Pullis abzunehmen. Aber dann klingelte das Telefon und Balenciaga bot mir einen Job an für die Lizenzen in Japan. In Japan! Da war ich vorher noch nie gewesen!“ Nicolas Ghesquière lächelt verschmitzt aus seinem Dreitagesbart heraus, seine blauen Augen strahlen, als er hektisch ergänzt: „Es gab viele Gründe, diesen Job anzunehmen.“ Doch kaum hat er es ausgesprochen, muss er selbst lachen, denn in Wirklichkeit gab es kein einziges, wirklich treffendes Argument, in dieses damals am Boden liegende Couturehaus zu wechseln – vor allem nicht in das langweilige Auslandslizenzgeschäft.
Balenciaga war Mitte der 90er dabei, endgültig vom Radar der Mode zu verschwinden. Vom Glanz der Zeit als Konkurrent Christian Dior den Spanier als „unser aller Meister“ bezeichnete und Coco Chanel ihm das große Lob zollte, er sei der einzige echte Schneider unter den Pariser Modeschöpfern, weil nur er ein Kleid komplett also vom Entwurf über den Schnitt bis zur Naht fertigen könne, war nichts mehr übrig. Das Modehaus, das 1918 in Madrid seine erste Boutique eröffnete und dessen Gründer seine letzte, fulminante Kollektion 1968 in Paris zeigte bevor wenige Jahre später, nämlich 1972, verstarb, war durch wechselnde Eigentümer, Missmanagement und falsche Personalentscheidungen auf der Kreativebene jeder modischen Bedeutung beraubt. Zu den Modeschauen kamen kaum noch Besucher, aus den wichtigen Boutiquen war die Marke längst verschwunden. „Natürlich könnte ich heute behaupten, dass ich intuitiv wusste, dass es toll werden würde. Aber das wäre gelogen. So lustig war es nicht. Ich nahm den Job aus Neugierde und Bewunderung für dieses Haus an, dessen Geschichte mich fasziniert: Ein einfacher Spanier flieht vor dem Bürgerkrieg nach Frankreich, baut ein Mini-Imperium von 400 Angestellten auf und wird zum König der Pariser Mode. Das ist doch genial, oder?“ Ghesquière redet nun immer schneller, elegante Gestik begleitet sein Sprechen und unterstreicht seine Begeisterung. „Balenciaga war in meinen Augen ein Genie, an dem sich in den 90ern, der Revolution des Minimalismus, sogar Designer wie Helmut Lang und Jil Sander orientierten. Sie ließen sich beeinflussen vom Stil und den Codes dieser Marke, wie seiner Architektur, der Reinheit der Formen, der Arbeit an der Struktur und am Detail. Ich fühlte mich von Anbeginn diesem stilistischen Konzept des Hauses ganz nah.“
Bei diesem Satz wird plötzlich klar: Zwischen Nicolas Ghesquière und dem Pariser Couture-Haus besteht ein unsichtbares Band. Er spüre eine Harmonie zwischen ihm und den Geist Balenciagas, ein Art Vorherbestimmung, vertraute er vor ein paar Jahren der französischen Tageszeitung Le Monde an. Das könnte der Grund sein, warum er im Gegensatz zu anderen Jungdesignern, die aus Karrieregründen von einer Art Direktion zur nächsten wechseln, treu und ergeben der immer gleichen Marke dient. Vor allem einer, die ihn anfangs nicht einmal mit offenen Armen empfing: Das frühere Management sah in dem ehemaligen Lizenzdesigner nur eine Notlösung auf dem höchsten Kreativposten, jahrelang verwehrte man ihm sogar den Zugang zum Archiv. Obwohl die Branche ihn längst als den neuen Star feiert und er Angebote zuhauf erhält, endlich eine Kollektion unter seinen eigenem Namen zu lancieren, winkt er ab: „Ich sage dann immer: Ja, ja, ich mache das. Aber in Wirklichkeit genügen mir meine Arbeit und meine Entwicklung bei Balenciaga.“ Zwar habe er in den vergangenen Jahren kaum etwas anderes gemacht als zu arbeiten, „aber mir passt das und ich bin sehr glücklich“.
Seine Mühen waren nicht umsonst. Die Jahrzehnte, in denen das einst berühmte Couture-Haus, ohne modische Relevanz und allein durch Parfums vor sich hindümpelte, sind vorbei. Balenciaga gilt heute als Schmuckstück innerhalb der Gucci-Group und schreibt schwarze Zahlen. „Wenn ich auf eines in meinem Berufsleben stolz bin, dann dass dank meines Zutuns dieses Haus eine Art Renaissance erlebt. Auch wenn Cristobal das nicht wollte. Sein Wunsch war, dass es mit ihm endet.“ Sogar die alte Regel, dass „Balenciaga die Zukunft der Mode ist“, hat dank ihm wieder ihre Berechtigung: Ghesquières üppige Stoff-Drappierungen der letzten Winterkollektion, die in verschwenderischer Textilfülle Röcke, Kleider und sogar Hosen einen skulpturalen und dennoch fließend-leichten Charakter verleihen, finden sich in zahlreichen Looks des kommenden Sommers wieder und hängen als Kopien bei H&M, Zara und Konsorten. Seine hoch an der Schulter angesetzten, architektonisch geformten, fast steif wirkenden Puffärmelchen aus der Frühjahrskollektion 2008 bestimmen seit Saisons die Schulterpartien des modischen Massenmarkts. Ganz zu schweigen von den im Oktober 2007 vorgestellten Gladiatorsandalen, die seit ihrem Auftritt auf dem Balenciaga-Catwalk aus unserer Sommer-Schuhmode nicht mehr wegzudenken sind. Besonders wichtig für die Entwicklung der Marke, wie auch ihrer Vorreiterrolle innerhalb der Modeszene, war jedoch die Winterkollektion 2006/2007, die als Hommage an den spanischen Gründer bei jedem Modell einen direkten Bezug zum Ur-Werk herstellte – sei es durch Reproduktion eines alten Stoffes, eines Accessoires oder dem Wiederaufgreifen einer bestimmten Schnittform. Nicolas Ghesquière: „Auf dieses Defilee habe ich sehr viel Resonanz bekommen. Ich erinnere mich noch genau an einen Brief von Karl Lagerfeld. Er schrieb mir: ‚Willkommen im Club! Sie haben einen neuen Look kreiert.’ Ist das nicht genial? Lagerfeld ist so unglaublich und er schreibt mir so einen Brief?!“
Trotz des Lobs und der modischen Anerkennung seitens der Branche und der Kunden will sich der bescheidene, wie auch ehrgeizige Modeschöpfer nicht auf dem Erreichten auszuruhen. „Ich bin nie zufrieden mit mir und meiner Arbeit. Und ich hoffe, dass ich es mir nie einfach machen werde, bloß weil ich irgendwann etabliert bin.“ Jede Saison stelle er an sich die Anforderung, weiter zu forschen, neue Techniken der Prêt-à-Porter mit der Kunst der Haute Couture zu verknüpfen und neue Formen für die Frau zu finden, an die er seine Mode richtet. „Manchmal denke ich, dass ich bei Balenciaga trotz der vielen Jahre noch ganz am Anfang stehe. Wir müssen das Haus weiter restaurieren. Ich will an der qualitativen Tiefe arbeiten und mehr Außergewöhnliches anbieten, wie z.B. High Tech-Produkte oder etwas, das mit Musik zu tun hat. Die neue Ideen und Projekte, wie die Eröffnung neuer Boutiquen, nehmen einfach kein Ende.“ Aber bis sie realisiert seien, dauere es eben. Balenciaga sei kein Haus, das auf einen schnellen Cash flow schiele, sondern mit überlegten Investitionen wachsen wolle. Als Minderheitsgesellschafter ist Nicolas Ghesquière mit neun Prozent selbst an der ökonomischen Entwicklung des Unternehmens beteiligt. „Schon allein deshalb zählt für mich, dass die Firma wirtschaftlich gesund ist, aber eben nicht zu jedem Preis. Mir geht es um Wahrung der Kultur des Hauses.“ Der Franzose spricht nun wie ein echter Kronprinz, der auf den Thron des großen Cristobal Balenciagas folgt. Doch als Erbe des berühmten Meisters sieht er sich nicht. „Ich schätze die traditionelle Art und Weise, mit der Balanciaga sein Haus aufbaute, sein Atelier konstruierte und seine eigene Forschung schützte. Wie er jahrelang mit den gleichen Leuten zusammenarbeite. Auch ich bin sehr treu, schätze mein Team und will nicht meine Muse wechseln, nur weil eine andere mehr im Trend liegt. Ich sehe meine Arbeit wie von Balenciaga als ein menschliches Abenteuer an. Und für das fühle ich mich verantwortlich.“
Preis: 30 ml für 57 Euro.
Fotos und Video: Balenciaga, Audiofile und Text: Barbara Markert
Photo Credit: false

Kommentare

  • milanoffice sagt:

    Bei dougals.de gibt es den schon seit ein paar tagen
  • Natalya sagt:

    Wow! Ich mag Charlotte und ihre Musik.