Die suchenden Erben: Nina Ricci, Valentino

In den kommenden Tagen möchte ich hier gerne noch ein paar Winterschauen der vergangenen Pariser Modewoche aufarbeiten. Ich beginne mit Nina Ricci und Valentino. Beides in meinen Augen Häuser, deren Designer derzeit ihren Weg suchen und einfach nicht finden wollen.
Beginnen wir mit Nina Ricci. Nach der fulminanten Abschiedskollektion von Olivier Theyskens, war es für Peter Copping nicht einfach, daran anzuknüpfen. Vor allem auch deshalb, weil Theyskens seinen Stil und nicht den des Hauses durchzog und Peter Copping nun eine klare Ansage erhielt: Nina Ricci ist Poesie und Romantik und das will Ricci nun auch wieder in der Mode ausdrücken. Auf der Website des Hauses seht Ihr seine Pre-Collection. Dort ist Copping diese Aufgabe wundervoll gelungen, doch was er sich für den nächsten Winter ausgedacht hat, grenzt fast schon an Kitsch.
Fast möchte man rufen: "Peter, lass die Blumen und die Rüschen weg! Das ist zuviel des Guten. Die Farbwahl stimmt schon: pastellige, zarte Töne, dazu die passenden Textilien, wie Seide, Chiffon oder Organza und gut ist. Das reicht für den Schuss Romantik!"
Doch leider verdiene ich ja nicht 10.000 Euro mit solchen Empfehlungen, deswegen wende ich mich nun gratis wie immer Valentino zu. Für mich sind Maria Grazia Chiuri und Pier Paolo Piccioli langsam ein hoffnungsloser Fall. Nun hatten sie gerade ein bisschen den richtigen Weg eingeschlagen in der aktuellen Haute Couture Kollektion und nun kommt das:
Was soll denn das für ein Gerüsche sein? Ich erspare Euch das rote Abschlusskleid des Designer-Duos. Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie denke ich, die nehmen alte Modelle von Valle, knallen da ein paar Rüschen dran und schicken das über den Laufsteg. Ich bin ehrlich gespannt, wie lange sich Signore Garavani das noch anschaut.
Ich kann mich nur immer wieder wiederholen:  Da sägt man die Alessandra Facchinetti nach nur einer Saison ab (die soll ja angeblich bei der Tom Ford Women Kollektion mitmischen) und erträgt nun seit Saisons diese Rumexperimentiererei der beiden anderen. Nicht immer werden aus Accessoires-Designer auch große Modedesigner. Frida Giannini (Gucci) und Stuart Vevers (Loewe) haben es geschafft, viele andere eben nicht.
So, mit dieser Kritik bekomme ich nächste Saison wieder keine Einladung zur Show, aber was soll's, ich war schon diesmal nicht wirklich traurig.
Fotos: Catwalkpictures
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Kommentare

  • Zebulon sagt:

    Uff, was für eine Sammlung von Verzweiflungstaten.
  • Rene Schaller sagt:

    ich hab mich immer gefragt, ob ich der einzige bin der mochte was facchinetti für valentino gezaubert hat. ich fand sie hat es ganz gut gemacht, nur hat das alte übersolarierte leder trotz auscheidens immer noch zuviel macht und hält mit seiner meinung nicht hinterm berg. und nun haben sie den salat... recht so!
  • Vera Wilhelmina sagt:

    Nina Ricci unter Olivier Theyskens war progressiv und doch feminin zugleich. Was da jetzt zusammenklabüstert wurde, gehört bestenfalls zu Omas Kaffekränzchen. Und Valentino, einst Inbegriff von femininem Chic und Eleganz, kommt jetzt so trutschig, zwitterhaft und formlos daher... furchtbar. Gut, dass du das mal so unumwunden dargestellt hast.
  • jela sagt:

    Bin genau der gleichen Meinung.

    Hoffnungslos!


  • auchmilan sagt:

    nach meiner ersten mode-patriotischen reaktion (wie-kann-sie-es-wagen?!) habe ich mir die valentino-kollektion doch erst mal angeschaut und muß nun leider gesenkten hauptes zugeben: katastrophal!
  • TwoForFashion sagt:

    Da wurde wohl leider zu Tief in die Rüschchen-Kiste gegriffen.
  • Haute Couture: Valentino > Haute Couture > Modepilot sagt:

    [...] hatte lange Zeit meine echten Probleme mit den Nachfolgern von Valentino Garavani, aber nun muss ich den Hut ziehen. Diese Haute Couture [...]