Die Pilatischwestern

Yves Saint Laurent liebte es, zwei Welten aufeinander prallen zu lassen. Er schockierte und er forderte seine Anhänger. Denn er wusste aus eigener Erfahrung, dass in der Brust eines Menschen zwei Herzen schlagen. So brach er gesellschaftliche Normen und kann rückwirkend als Nonkonformist bezeichnet werden.
Einen Einblick in die bedeutendsten Arbeiten gewährt die ab morgen bis zum 29. August laufende Ausstellung im Petit Palais in Paris.
Dass Stefano Pilati für die Herbst/Winter-Kollektion 2010/2011 gerade zu diesem Zeitpunkt stilistische Schnitte und extravagante Themen aus der Schatzkammer YSL's aufgegriffen hat, zollt somit von Respekt und guter Fachkenntnis gegenüber dem Wesen des Couturehauses und somit auch gegenüber dem verstorbenen Designer selbst.
Die Kollektion besteht aus überdurchschnittlich viel schwarzem Stoff und wird nur mit ein paar wenigen Farbkleksen aufgefrischt, wie dem charakteristisch kühlen YSL-Blau. Die Schnitte, besonders die teilweise auftauchende Trapezlinie, wird gebrochen durch Gürtel oder liegt als Schultermäntelchen oben auf und endet in Taillenhöhe, was einen visuell täuschenden Kurveneffekt zur Folge hat.
Die Materialien (u.a. Pelz und Seidenchiffon) sind Klassiker, die durch Lackhandschuhe und regencapeartige Shulterüberwürfe aufgefrischt werden und dadurch moderner wirken. Besonders auffallend in dieser Kollektion sind die an Novizinnentrachten angelehnten Symboliken. Festzumachen ist diese Interpretation an den rosenkranzlangen Goldketten, deren unteres Ende in der Regel ein Kreuz aufweist, in diesem Fall jedoch durch einen Frauenkörper ersetzt wird. Gespitzt wird dieser Anhalt in einem bestimmten Modell (s. oberes Bild), bei dem die Kopfbedeckung des Models an einen Schleier zur Jungfrauenweihe erinnern lässt.
Dennoch wirken diese Pilatischwestern nicht wie Frauen, die sich der Kirche verschrieben haben, sondern vielmehr als seien sie, wie Brigitte Bardot im 70er-Jahre-Film "Die Novizinnen", fliehende Mädchen, die sich weltlichen Abenteuern hingeben. Das Gebetsbuch aus den Händen geworfen, befindet sich nun darin die Clutch aus Lack. Damit aber nicht genug, denn auch transparente Blusen zeichnen sich in dieser Kollektion deutlich ab. Wieder etwas, das YSL einst um 1968 erstmals einem betuchtem Publikum als perfektes Pressefutter vor die Füße warf. Heute wirkt es eher konform, denn der blanke Busen gehört leider mittlerweile schon zu fast jeder Modenschau und daher alles andere als skandalös.
Aber diesen Effekt sollte es wahrscheinlich auch nicht haben, vermutlich eher eine Art Hommage an Kreationen, die noch vor zwei Jahren aus anderer Feder stammten.
Seit heute Nachmittag gibt es das zwölfminütige Video auf YouTube.com zu sehen und ist für jeden YSL-Fan der reinste Augenschmaus... Einfach nur unteres Bild anklicken!
Photos: Catwalkpictures.com
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Kommentare

  • Nadine sagt:

    Klassisch und elegant..schade das ich nicht in Paris bin um dir Ausstellung anzuschauen.