Haute Couture: Rückkehrer Thimister

Die Älteren unter Euch Lesern können sich vielleicht noch entsinnen. Josephus Thimster galt in den 90ern als ein upcoming Designer. Man erwartete Großes von ihm und so wurde er Art Direktor bei Balenciaga. Eine Show, bei der die Musik so unerträglich war, dass die Zuschauer reihenweise den Saal verließen, kostete ihm schließlich den Job und machte 1997 den Weg frei für Nicolas Ghesquière, der am Anfang immer eingebleut bekam, dass die Musik bei den Fashionsshows doch um Himmels willen nicht zu laut oder zu strange sein sollte. Doch zurück zu Thimister. Er verschwand. Tauchte unter. Arbeitete als Berater für Designfirmen und für Kunstinstallationen, weiß die Daily Telegraph. Ich sah mal auf der Who's next eine Warhol Kollektion, die von ihm designed worden war. Doch vom großen Parkett war er verschwunden  -  bis zu dieser Woche.
Der Niederländer mit russischen Vorfahren und einer Fashion-Oma als Vorbild (Ich hatte mal vor langer Zeit ein Miniportrait über ihn geschrieben, als ich noch bei der TextilWirtschaft arbeitete.) durfte die diesjährige Haute Couture Woche eröffnen, eingeladen vom Kammerpräsidenten Didier Grumbach. Und Thimister zeigte, was man von ihm erwartete: Ein bisschen Skandal und irgendwie auch genial.
"Bloodshed and Opulence" hieß die Show. Blut wurde vergossen in Form der roten Farbe, die ähnlich Verwundungen sparsam und gezielt in die Kleider eingearbeitet wurde.
Der Militärlook, angelehnt an russischen Uniformen, mit einem Hauch Grunge  und ungewohnten Textilien scheint auf den ersten Blick nicht für die Haute Couture geeignet, doch wie Thimister das umsetzt, passt es dennoch zur hohen Schneiderkunst.
Ob Thimister, der diese Kollektion selbst finanzierte und sich angeblich von Freunden Geld pumpte für die Show, weiter machen wird, ist nicht klar. Vielleicht war das ein One-Shot und alle, die eingeladen waren, haben eine tollen Start in die Haute Couture Woche erleben dürfen. Ich hatte sogar eine Karte, nur leider kam ich zu spät in Paris mit dem Zug am Sonntag an, um diesem Spektakel bei zu wohnen. Nun ärgere ich mich fast.
Fotos: Catwalkpictures
Photo Credit: false

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