Martin Margiela: geteilte Meinungen

Gleich mal vorweg: Ich habe wenig Vergleichsmöglichkeiten. Es war meine allererste Martin Margiela Damen Show und ich habe sie genossen.
StÀndige wechselnde LichtverhÀltnisse brachten Dramatik und die Fotografen zum Verzweifeln. Der Laufsteg war riesig, das Publikum kam in Massen.
Als ich endlich ankam (mit dem offiziellen Bus), war schon alles voll (selbst die Standings standen schon in mehreren Reihen) und leichter Nebel umgab den Catwalk.
Mir blieb wenig anderes ĂŒbrig, als mich bei den Fotografen auf einem rund 3 cm schmalen Gitter an die Seite zu pressen. Am Ende sah ich gar nicht schlecht, besser als hinter eine Wand von Menschen.
Zur Mode: Nun, da gibt es geteilte Meinungen. Die meisten waren enttĂ€uscht. So auch style.com (hier geht es zur Kritik), weil sie meinen, dass diese Kollektion nicht wirklich Margiela war. Nun ist es ja so, dass sich das GerĂŒcht seit Saisons hĂ€lt, dass der Meister selbst gar nicht mehr da sein (oder sich nur noch um die Haute Couture kĂŒmmere) und das Design-Team die PrĂȘt-Ă -Porter mache. Kurzum: Ja, das kann durchaus sein. Und ja, vielleicht hat es tatsĂ€chlich nicht mehr die Klasse des Meisters, dennoch sind ein paar wirklich gute Ideen dabei. Kleider aus Papier zu machen, ist nicht neu, aber immerhin selten.
Die Idee der Postkarte (das war die Einladungskarte, siehe Post) aufzugreifen und in Kleider umzusetzen, an denen stofflich gleiche Post-Its kleben, ist witzig und schaut aus wie BlĂŒten.
Ketten als Beschwerung von Schleppen ist nun auch nicht neu, aber dass sie offen liegen und hinter den Models her schleppern und scheppern, hat auch schon wieder was. Nach dem Motto: Wo kommt denn der Krach her? Ach, das ist nur meine Schleppe!
Was ich wirklich mochte, sind diese Kleider aus BĂ€ndern oder zerschnittenen Stoffe. Ja, auch nicht neu und ja, das kennen wir von Margiela. Schaut aber doch immer wieder gut aus, oder?
Den Abschluss mit den PapierfÀden (passt zu den Kleidern und dem Material), die durch die Luft wirbelten, verbuche ich nun mal als italienische Show-Einlage made by Diesel, dem Investor von Margiela.  Und so was ist einfach immer pittoresk.
Fazit: Die Kollektion hatte nicht wirklich eine einheitliche Idee oder Linie, außer den BĂ€ndern und dem Material Papier. Andererseits brachte das Abwechslung. In meinem Augen waren sehr viele ShowstĂŒcke dabei. Aber um Tragbarkeit ging es hier eh nicht. Der Geist von Margiela ist dennoch immer da, auch wenn der Meister tatsĂ€chlich abwesend sein sollte. Ich persönlich muss noch sagen: Das ganze Drumherum der Schau war schon sehr toll!
Fotos: Modepilot/parisoffice
Photo Credit: false

Kommentare

  • Hercle sagt:

    Eigentlich versteh ich den Sinn nicht, nur untragbare StĂŒcke vorzufĂŒhren. Ich finde die meisten Modelle zwar auch sehr interessant, aber mit Mode an sich hat es fĂŒr mich nichts zu tun. Solche "Spielereien" finde ich super als Auflockerung einer Schau, aber nur untragbare Mode find ich langweilig.
  • blica. sagt:

    ...ich finde das ja so bescheuert, dass im grunde alle genau das machen, was bei margiela vermieden werden sollte- nÀmlich die suche nach dem einen genius bzw. "meister". durch dessen nicht-erscheinen sollte doch eben genau dies vermieden werden. und was macht die modemeute? sie jammert, dass margiela nicht mehr margiela sei, weil halt der "meister" nicht mehr an den kollektionen beteiligt sei...absurd.
  • Margiela nach Margiela > -Mode-, Fashion-Week > Modepilot sagt:

    [...] des Designers und der ersten Kollektion (Sommer 2010) des durch den Abgang geschockten Designteams, die zu geteilten Meinungen fĂŒhrte oder sogar mehr oder minder zerrissen wurde, galt es diese Saison, einen Neustart zu wagen.  Der klappte bereits ganz gut bei den Herren und [...]