Lese-Tipp: SPON zu Ex-Magermodel Crystal Renn

Eigentlich hätte ich den Artikel hier gar nicht mehr mit einem Lese-Tipp geehrt, aber nun muss ich doch, weil zwischen Magersucht und Plus-Size-Model ein weites Feld ist und weil die Frau mehr will als nur zu jammern. Spiegel Online publiziert heute online ein Interview mit dem Model Crystal Renn, das ihre Magersucht in einem Buch aufgearbeitet hat.
So sieht die Dame heute aus, bzw. für die Gaultier Show Frühling 2007. Crystal Renns Buch heißt "Hungry. Ich wollte essen. Aber ich wollte auch in der Vogue sein." Öhm, langer Titel. (Wie der wohl auf den Buchrücken passt?!)
Im Interview erklärt Renn den Grund für das Buch:
Ich will, dass sich Frauen endlich bewusst werden, was sie ihrem Körper antun, wenn sie ihn so sehr hassen. Wenn sie ihn so sehr mit Hunger malträtieren, wie ich es getan habe, nur weil sie einem Ideal entsprechen wollen: Du kannst dein Leben verlieren. Ich war magersüchtig. Ich war in der Hölle. Jetzt esse ich, was ich will, und bin trotzdem Model. Sie sehen, es geht.
SPIEGEL online fragt dann: Wie sah diese Hölle aus?
Renn: Als ich 14 Jahre alt war, sagte mir ein Model-Scout, dass ich ein Supermodel wie Gisele werden könnte, dafür aber mindestens 40 Prozent meines damaligen Gewichtes abnehmen müsse. Ich habe mich entschieden: Ok, ich will das, ich mach das. Ich aß fast nichts mehr, fragte mich, wie viele Kalorien ein Kaugummi hat, ging für acht Stunden täglich ins Fitnessstudio. Bei meiner Größe von 1,75 Metern wog ich schließlich 49 Kilo. Es war konstanter Schmerz, ich verlor Haare, ich isolierte mich immer mehr.
Diese Aussagen kennen wir von den anderen Models. Die jedoch nicht danach Plus Size Models wurden, so wie Renn.
Denn die will nicht nur wie die anderen bedauert werden, sondern sagt klar, was sie will:
Ich will, dass die Designer ihre Mustergrößen ändern: in eine Zehn, in Europa ist das überwiegend eine 40. Dann passen die dünnen und die kurvigen Models hinein. Ich will auf dem Catwalk nicht mehr 14 Mädchen mit derselben Größe sehen. Ich will Vielfalt. Verschiedene Größen, Hautfarben, Haare. Dann gibt es auch nicht mehr solch einen Druck auf die Models, nur einem Ideal zu entsprechen....
Alles ändert sich und kann sich verändern. Die Frauen müssen es nur endlich einfordern. Am Ende geht es doch auch für die Designer darum, Mode zu verkaufen. Und die Magazine werden für die Frauen gemacht. Ruft bei den Magazinen an. Sagt, dass ihr Vielfalt sehen wollt. Ich allein schaff das nicht.
Tja, und das find ich schon wieder mal prima. Gerne mehr Dicke auf dem Laufsteg - ja. Und ja, Mädels ruft doch bitte alle mal bei den Designern an. Die werden sich freuen. Tatsache ist, die Frau ist mir sympathisch und der Artikel ist einen Lese-Tipp wert, schon alleine wegen des letzten Satzes:
Und ja, ich wollte raus aus Clinton, Mississippi, einer Stadt, die so klein und kleingeistig ist, wie man es sich kaum vorstellen kann. ... Ich erzähle Ihnen über die Schönste in meiner Highschool. Die ist jetzt 22, hat ihr viertes Kind und steckt noch immer in dieser Stadt fest. Das will ich nicht kritisieren. Das ist ihre Entscheidung. Aber es zeigt auch: Die, die als die Schönsten gelten, sind nicht gleichzeitig immer die interessantesten und ehrgeizigsten Menschen.
Foto: Catwalkpictures
Photo Credit: false

Kommentare

  • Christine sagt:

    Aber die Frau ist auch echt wunderschön (girl crush). Wie schafft sie es bloß, so sanft und cool gleichzeitig auszusehen? Ich hab mal vor ein paar Jahren ein gaaaanz tolles Carine Roitfeld Editorial mit ihr in der frz. Vogue gesehen.
    Schöner Header übrigens, find ich (jetzt erst entdeckt...)
  • texterella sagt:

    Diese Frau hat in meinen Augen die perfekte Figur! Wow! Sie sieht so gut aus!
  • Mici sagt:

    mal schönheit mit grips zusammen!!=)
  • Marleen sagt:

    Ich finde sie sieht großartig aus! Gerne würde ich mehr Models mit diesen Maßen sehen, es wirkt einfach gesünder.
  • yewa sagt:

    "Gerne mehr Dicke auf dem Laufsteg - ja."
    Entschuldigung. Größe 40 ist nicht dick! Größe 40 (& rundrum) ist Normal! Also scheint es doch noch immer im Kopf zu sein. Ich weiß gar nicht, wie ich meine grad rotierenden Gedanken in Worte fassen soll. Ich bin entsetzt...
    Da ist ein Supermagermodel, das sich endlich auf Normalgröße gefuttert hat, & wird als dick betitelt.
    Die Frau ist nicht dick, sie hat eine Topfigur.
  • Drei sagt:

    1,78m und 49kg ist sehr schlank - aber wenn sie nicht der Typ ist, der das durchhalten kann, ist sie halt nicht geeignet für solch einen Look.
    Wichtig ist, dass sie sich jetzt wohl fühlt. Vielleicht verdient sie mit dem 40er-Look sogar mehr als vorher, wer weiß?
    Viele wären gerne XS aber schaffen es nicht. Man kann die Natur nicht wirklich zwingen... vielleicht tröstet das Crystal 🙂
  • Dick und Dünn in gleichen Outfits > Models, Modemagazine > Modepilot sagt:

    [...] Die Models sind Jacqueline Jablonski und Crystal Renn. Über die wir hier schon mal berichtet hatten. [...]
  • Crystal Renn > -Mode-, Designer, Leute, Models, Modewerbung > Modepilot sagt:

    [...] Figur gefunden hat, die ihr eine Karriere als gefragtes “Kurven-Model” beschert hat (siehe auch dieser Post). Klar ist sie alles andere als dick, aber im Vergleich zu den sonstigen Models hat sie eben doch [...]